Full text: Girowesen im griechischen Ägypten, enthaltend Korngiro, Geldgiro, Girobanknotariat mit Einschluss des Archivwesens

Abschn. 6. Die römischen Privatbanken. 
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halten, daß ein solches Verfahren der Regierung schon aus all 
gemeinen verwaltungstechnischen Gründen nicht wahrscheinlich ist 
Steht die Regierung in jeder Gauhauptstadt nur mit einer einzigen 
Bank des Ortes in Verbindung, so wickelt sich der gegenseitige 
Schriftwechsel, die Buchführung über Soll und Haben, die gegen 
seitige Abrechnung und manches andere unendlich einfacher ab, 
als wenn die Regierung mit soundsoviel anderen Banken das gleiche 
Verfahren aufrechterhalten wollte. 
Abschnitt 6. 
Die römischen Privatbanken. 
Es gibt gewisse rpárreZai, die schon in der Firma sich deut 
lich als Privatbanken kennzeichnen. Ihre Firma trägt ein Kenn 
wort nach dem Stadtteile, der Straße od. dgl., wo sie liegen. 
Wie es bei uns heute z. B. eine Schloßapotheke, eine Domapotheke 
usw. gibt, so trugen die Banken in Arsinoe Firmen wie: rpüneZa 
'lepâç TTúXriç, xpÚTreía 'Ayopaç ‘IpaTÍuuv usw. Neben diesem Kenn 
worte steht gewöhnlich noch der Name des Bankhalters. Bisweilen 
fehlt jenes besondere Kennwort, man findet alsdann bloß den 
Namen des Bankhalters. Diese letztere Gruppe der Bankfirmen 
ist aber von der ersten Gruppe keineswegs verschieden. Auch 
heute nennt man eine und dieselbe Apotheke bald „Schloßapotheke 
von Müller“, bald nur „Müllers Apotheke“. So heißt die Bank des 
Philos in Arsinoe bald fj 0iXou rpáneZa (BGU. 415, 12), bald f| 
tbiXou TpaneZa 'Afopdg 'IpaTÍu'v (BGU. 415, 26). 
Wenn man in den nachfolgenden Listen B bis F die große 
Zahl von römischen Privatbanken betrachtet und sich erinnert, 
daß nur zwei zweifelhafte Spuren ptolemäischer Banken zu ermitteln 
waren (vgl. S. 10), so ist der Gedanke nicht abzuweisen, daß die 
römische Herrschaft dem ägyptischen Bankwesen eine 
gründliche Umwälzung gebracht hat. Wie die Jahreszahlen 
der Listen zeigen, vollzieht sich diese Umwälzung nicht etwa all 
mählich. Wie Pilze über Nacht kommen die Banken plötzlich zum 
Vorschein. Und überall sehen wir die Banken emsig mit dem 
Girowesen beschäftigt. Es ist, als ob der lange zurückgedämmte 
Bankverkehr plötzlich den Damm durchbrochen hätte. Daher glaube 
ich, daß das ptolemäische Bankmonopol in römischer Zeit auf 
gehört hat zu bestehen, mit Ausnahme derjenigen Banken, die 
oben (Abschn. 5) als Staatsbanken bezeichnet worden sind.
	        
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