Full text : Girowesen im griechischen Ägypten, enthaltend Korngiro, Geldgiro, Girobanknotariat mit Einschluss des Archivwesens

Abschn.  10.  Der  römische  ffiToXÓTOç,

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Speicher  und  zwei  Tempelspeicher  gab,  je  einen  für  jede
Toparchie.  Ähnlich  mögen  die  Verhältnisse  in  den  Nachbargauen ­
  KoTTTÍTnç,  TTaOupÍTTiç  und  AaTorroXÍTriç^  liegen,  die  mit  dem
TTepiOiißa?  geschichtlich  eng  verwachsen  sind  und  dieselben  landwirtschaftlichen ­
  Vorbedingungen  besitzen.
Was  uns  vor  allem  im  Gaue  iTepiOnßa?  auffallen  muß,  ist
der  Umstand,  daß  niemals,  wie  wir  das  im  Oxyrhynchites  und
Arsinoites  gewohnt  sind,  ein  Dorfname  zur  Bezeichnung  eines
Speichersprengels  benutzt  wird*.  Wären  Staatsspeicher  auch  in  verschiedenen ­
  thebanjschen  Dörfern  vorhanden  gewesen,  so  müßten,
wie  anderwärts,  zur  unterschiedlichen  Bezeichnung  Dorfnamen  benutzt ­
  worden  sein,  und  bei  der  großen  Zahl  von  Ostraka  aus  den
verschiedenen  Jahrhunderten  wäre  gewiß  eine  Spur  davon  auf  uns
gekommen.  Das  Fehlen  der  Dorfnamen  stützt  die  Ansicht,  daß  in
jeder  Toparchie  nur  ein  einziger^  Staatsspeicher  für  alle  Dörfer
dieser  Toparchie  vorhanden  war*.  Das  ist  praktisch  nur  dann
möglich,  wenn  die  Toparchie  räumlich  keine  große  Ausdehnung
hat,  und  wenn  die  Summe  der  landwirtschaftlichen  Erzeugnisse
aller  Dörfer  derselben  Toparchie  klein  genug  ist,  um  in  einem
einzelnen  Staatsspeicher  verarbeitet  zu  werden.  Beides  scheint  für
diese  Gaue  zuzutreffen.
Im  vorstehenden  habe  ich  versucht,  für  den  Oxyrhynchites,
den  Arsinoites  und  die  Thebais  ein  Bild  von  der  Dichtigkeit  der
Staatsspeicher  zu  entwerfen.  Für  die  übrigen  Gaue  Ägyptens  ist
der  Urkundenbestand  zu  unvollständig  oder  versagt  gänzlich.  Jedenfalls ­
  sieht  man,  daß  die  Dichtigkeit  der  Staatsspeicher  steigt  und
fällt  mit  der  anbaufähigen  Ackerfläche  eines  Gaues.  Die  Notwendigkeit, ­
  einen  Giroverkehr  für  Ackerfrüchte  zu  unterhalten,
steigt  und  fällt  aber  mit  dem  Umfange  der  landwirtschaftlichen
Tätigkeit  eines  Gaues,  und  darum  werden  die  wenigen  Speicher
in  der  Thebais  völlig  ausgereicht  haben,  um  dem  dortigen  Giroverkehr
für  Ackerfrüchte  gerecht  zu  werden.  Immerhin  muß  es  dem  Land-‘
  vgl.  Gerhard,  Philol.  63  (1905)  S.  522.
*  In  der  Sammlung  von  Wilcken  befindet  sich  nur  ein  einziges  Ostrakon
  mit  einem  Dorfnamen  zur  Bezeichnung  eines  Speichersprengels  (Nr.  1306);
dasselbe  gehört  aber,  wie  schon  Wilcken,  Deutsche  Lit.  Ztg.  1901,  Sp.  2397,
hervorhebt,  in  den  Arsinoites.
®  In  Syene  und  Elephantine  liegen  die  Verhältnisse  für  die  Landwirtschaft ­
  noch  ungünstiger.  Dort  mag  für  den  ganzen  Gau  nur  ein  einziger
Staatsspeicher  genügt  haben,  wie  aus  Ostr.  II  295  hervorzugehen  scheint  :  ó  év
Zu(hvq)  eTi(aaupó<;).
            
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