72
Teil II. Korn-Giroverkehr.
kein Grand vor, die räumliche Mischung aller Giro-Gut
habenbestände mit den staatlichen Beständen als unmög
lich zu bezeichnen. Sicheres aber wissen wir nicht.
Über die Bauart der Speicher vgl.Wilcken, Ostraka I S. 65Off.
und Erman, Ägypten S. 576 f. Jeder Speicherbau zerfiel in eine
Anzahl von Einzelkammern, die eine obere Öffnung zum Hinein
füllen und eine untere Öffnung zum Herausnehmen des Getreides
besaßen. Mehrere solcher Speicherbauten, die dicht bei einander
lagen, bildeten zusammen „den Staatsspeicher“. Die Zerteilung in
Einzelkammern geschah, um das Getreide luftiger lagern und einen
Einzelraum leichter entleeren zu können, wenn es nötig wurde,
Getreide zu besseren Erhaltung an die Luft zu bringen und um
zuschaufeln (vgl. die Gebühr peiaßoXfi? im Abschn. 26). Ein Beweis
für die getrennte Lagerung der Giroguthaben sind die Einzel
kammern nicht.
Abschnitt 17.
Siammeinlage.
Das Giroguthaben bei einem Staatsspeicher wurde durch Ein
zahlung einer bestimmten Kornmenge gebildet. Die Kornmenge
bleibt Privateigentum des Guthabers. Ohne eine solche Stamm
einlage sind Giroanweisungen unmöglich. Das Hinterlegen nennt
man OepaxiCeiv, das Giroguthaben heißt Oépa. Das Oépa bildet
für den Staatsspeicher eine Buchschuld, über die, getrennt von
den Abrechnungen über Staatskorn, Rechnung gelegt werden muß.
Jeder Guthaber besitzt ein besonderes Konto.
Eine Quittung des Staatsspeichers über Einzahlung von acht
Artaben 4 Choinikes seitens des Guthabers zur Vergrößerung
seines Stammguthabens scheint P. Oxy. I 90 (um 179 n. Chr.)
zu sein:
MeiLié(TpTiKev) ^ îç tò ÒTi(iaócriov) (irupoO) Tevn(iaaToç) toO
òi€X(0óvToç) i9 (Ctouç) AòpnXíuuv ’Avtujvívou kuI Koppóòou
K[a]icrápuuv tújv Kupíuuv (òià) ^(ToXÓTmv)^ Aiß0(?) T07T(ap-
XÍaç) [.]epu( )* TÓTr(uuv) KXâpoç Aibópou àTOpavo|Liií((Jaç)
[0]é|a(a) dpxaßai^ ôkxò x(oíviKaç) ò, Y(ívovxai) (nupoO) (àpxá-
ßai) Î1 x(oíviKeç) ò. AioT(évT]ç) ai(xoXÓToç) (Jecrnp(€ÍiJU|uiai).
‘ Laut Berichtigung von Wilcken, Archiv I S. 128.
* vgl. P. Oxy. II S. 319.
* In [.]€pu( ) steckt ein Dorfname; vgl. z. B. P. Oxy. UI 614: bt(dt)
<n(ToXÓTUJv) Ãvuj Ton(apxíaç) Gihoßew? tótt(ujv).
* 1. dpToißa?.