Das Erfurter Programm
der Sozialdemokraten Deutschlands
(1891).
Die sozialdemokratische Partei Deutschlands
kämpft nicht für neue Klassenprivilegien und Vorrechte,
sondern für die Abschaffung der Klassenherrschaft und
der Klassen selbst und für gleiche Rechte und gleiche
Pflichten Aller ohne Unterschied des Geschlechtes und
der Abstammung. Von diesen Anschauungen ausgehend,
bekämpft sie in der heutigen Gesellschaft nicht bloß die
Ausbeutung und Unterdrückung der Lohnarbeiter, sondern
jede Art der Ausbeutung und Unterdrückung, richte sie
sich gegen eine Partei, eine Klasse oder eine Rasse,
Ausgehend von diesen Grundsätzen fordert die
sozialdemokratische Partei Deutschlands zunächst:
ı. Allgemeines, gleiches, direktes Wahlrecht und
Stimmrecht mit geheimer Stimmabgabe aller über 20 Jahre
alter Reichsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechtes,
für alle Wahlen und Abstimmungen. Proportionales Wahlsystem;
und bis zu dessen Einführung gesetzliche Neueinteilung
der Wahlkreise nach jeder Volkszählung.
Zweijährige Gesetzgebungs-Perioden. Vornahme der
Wahlen und Abstimmungen an einem gesetzlichen
Ruhetag. Entschädigung für die gewählten Vertreter.
Aufhebung jeder Beschränkung politischer Rechte außer
im Falle der Entmündigung.
2. Direkte Gesetzgebung durch das Volk, vermittels
des Vorschlags- und Verwerfungsrechtes. Selbstbestimmung
und Selbstverwaltung des Volkes in Reich, Staat, Provinz