Full text: Wohlfahrtzentrale der Stadt Barmen

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ganze Volk, einmütig befeelt von der Überzeugung: „Der ift kein Bürger, 
der die eigene Sorge vergibt nicht in der Not des Allgemeinen“ wetteifert 
in beifpiellofer Opferwilligkeit. In nie geahnt breitem Strome fließen Mittel 
und Gaben, deren Wert noch übertroffen wird durch die unermüdlich aus 
dauernde, vaterländifche Hilfsarbeit, in Sonderheit auch der Frauen. Man 
lernt und lernt um, nicht nur die durch den Krieg unmittelbar gefchlagenen 
Wunden zu heilen, nein jeden durch ihn hervorgerufenen Notftand zu 
lindern. Die Hauptfache jedoch: wenngleich allen Kräften möglichft freies 
Spiel laffend, vollzieht man ihren duzammenfchluß zu planmäßigem Wirken 
nach einheitlichen Gefichtspunkten, in der Erkenntnis, daß auf diefe Weife 
erft alle Aufwendung an Mühe und Geld zum Erfolge führen kann. 
Die Maffenarbeit aber, foll fie der unerläßlichen Gründlichkeit und 
haushälterifchen Wirtfchaftlichkeit nicht entbehren, erfordert eine ebenfo 
fein finnige als praktifche Organifation. Durch unfere Tage zudem geht 
der Sturm, alles wirbelt, jede fchlichtefte Frage fteht im Kampf, und nie 
hat (ich mehr der Ausfpruch Platos bestätigt: „Die Utopie von heute ift 
die Wirklichkeit von morgen.“ 
Durch das Wirrsal hindurch führen kann deshalb nur das unablä|fig 
mutige Streben auf immer neuen Wegen nach einem klar erkannten 
hohen diele. 
Richtlinien. 
Ausgangs- und Drehpunkt all’ unfers Handelns, das beharrende Element 
im Wechfel der Ereigniffe kann nur fein und bleiben: die gewiffenhafte 
Verantwortung für Körper, Geift und Seele eines jeglichen Menfchenlebens, 
dem zu dienen uns vorab innerer Beruf werden muß. 
Solcher Geift fchafft die richtige feelifche Verfaffung, die Atmofphäre 
der Herzlichkeit, deren warmer Pulsfdilag alle individuell pflegerifche Arbeit 
des Kopfes und der Hände zu beleben berufen iß. Wie das Bibelwort 
befagt: „Ein Gericht Kraut mit Liebe ift beffer, denn ein gemäfteter Ochfe 
mit Haß“ bildet tragende und ertragende Liebe den Gradmeffer für den 
Wert noch fo treuen Eifers. Freilich, vollends in einer Zeit, welche uns 
Deutfche die Sentimentalität verlernen ließ, will die innige Empfindung 
durchdrungen fein von nüchterner Befonnenheit, welche ebenfo klar auf 
den Grund, als fcharf perfpektivifch zu fehen verfteht, Uebertreibungen 
vermeidet und durch ihre Spannkraft allein dem Wirken fegensreichen 
Erfolg verheißt. 
Herz und Hirn in einander ergänzenden Einklang gebracht, bedarf 
die feelifche und geißige Gefundheit noch der inneren Freiheit. Wie fich
	        
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