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anderes als ein Verstehen der menschlichen
Wesensart, und um eine Befriedigung natürlicher
Wünsche, um ein Auswirken der wertvollen
Kräfte, das heute unterbunden wird.
Fragen wir nun, warum man solchen Grund
sätzen so wenig zugängig ist, so erfahren wir,
dass es Furcht ist, die Angestellten und Arbeiter
könnten, wenn sie miteinander arbeiten und einig
sind, zu mächtig und anspruchsvoll werden.
Und um dies zu verhindern, verfolgt man lieber
das Prinzip, divide et impera, und besetzt
möglichst jeden Posten gleich mit zwei Leuten,
sodass immer ein zweiter Mann als Ersatz da ist,
und beide als Konkurrenten, die sich gegenseitig
im Wege,stehen, unter keinen Umständen ge
meinsame Sache machen können. Und um
diesen scheinbaren Vorteil wird ein sehr grosser,
vielleicht der beste Teil der Produktionskraft
der Angestellten und Arbeiter, die Möglichkeit
bedeutender Ersparnisse, geopfert.
Man übersieht dabei, dass diejenigen, die die
wirtschaftliche Selbständigkeit entbehren müssen,
ihre Existenz mit der des Unternehmens, deren
Angestellte oder Arbeiter sie sind, so eng als
möglich zu verknüpfen gezwungen sind, die
Erhaltung und das Vorwärtskommen des Werkes
das höchste Interesse jedes Mitgliedes der Kette ist.
Und wie ausserordentlich oft müssen die An
gestellten und Arbeiter ansehen, wie der Ast, auf
dem sie sitzen, durch eine unfähige Geschäfts
führung abgesägt wird, ohne dass sie retten
dürfen, weil jede Meinungsäusserung unter
bunden und bestraft wird, weil jeder, der dem
unfähigen Leiter nicht zu Willen ist, schnellstens
entfernt wird. Hierfür ist der ausserordentlich
starke Direktorenwechsel in der Industrie der
beste Beweis.
Wer in der Praxis steht, weiss, wie tausendfach
es vorkommt, dass der Geschäftsführer die wirk
liche Ursache dieses oder jenes bedeutungsvollen
Mangels garnicht findet, während die Angestellten,
die eben nichts sagen dürfen, weil es nicht zu
ihren Aufgaben gehören soll, manches Mal sehr
genau erkennen und wissen, wo der Hebel für
erfolgreiche Reformen anzusetzen wäre.
Wie anders würde sich das alles gestalten, wenn
unsere Fabrikorganisationen auf der Grundlage
sich aufbauen würden, dass jeder einzelne Arbeiter
und Angestellte zu einem mitverantwort
lichen Glied des Ganzen gemacht würde.
Die konfessionelle Zerrissenheit
im Mittelstand
N eben der charakteristischen politischen Zer
rissenheit, die wir beklagen, besteht noch ein
anderes wichtiges Phänomen, der poli
tische Antisemitismus. Abgesehen von der Be
deutung dieser Erscheinung als rassenpolitisches
Phänomen, zeigt es doch wirtschaftspolitisch recht
beachtenswerte Tatsachen.
Der Antisemitismus ist wirtschaftspolitisch anti-
kapitalistisch, nur mit der Einschränkung, dass er
sich einseitig gegen das in Händen von Juden be
findliche Kapital wendet, während sich der Sozia
lismus generell gegen das Kapital überhaupt als
den feindlichen Faktor richtet.
Den Juden eigentümlich ist ein überaus
spekulativer, fortschrittlicher Handelsgeist, der
sich gern finanziellen Operationen zu
wendet. Diese Erscheinung ist historisch be
gründet durch die Jahrhunderte lange Be
schränkung desjudentums in seinen Erwerbsmög
lichkeiten auf den Handelsstand. Die Folge ist
eine nicht unerhebliche Kapitalkonzentration in
jüdischen Händen, und die Auslösung des mensch
lisch durchaus begreiflichen und und natürlichen
Neidgefühls, das entstehen muss, wenn man
sich einem finanziell stärkeren Gegner gegenüber
sieht, dem Geld eine grössere Macht und Aktions
freiheit gibt.
Der Antisemitismus ist vorwiegend boden
ständig in agrarischen Kreisen und im städtischen
Mittelstand, in Offizierskreisen, im Adel
und in den Kreisen der Industrie, wo jüdische
Intelligenz als wirtschaftlicher Konkurrenzfaktor
auftritt.
Wenn in dem organisierten Proletariat eine
öffentliche antisemitische Strömung praktisch
wenig oder garnicht in die Erscheinung tritt, so
ist das wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass
das Proletariat in der jüdischen Intelligenz einen
Helfer gefunden hat, der sich in ihren Dienst
stellt, und an der Erreichung des Zieles mit
arbeitet, dem das Proletariat zustrebt.
Auf dem Lande ist der Jude vorwiegend der
Käufer, der Abnehmer von Vieh und Korn, von
Altmaterial, der Geldleiher, der Hypothekengeber
usw. Es liegt nun im Wesen des Handels, dass
der, der kauft, immer den Preis zu drücken, den
Zwang, verkaufen zu müssen, auszunutzen sucht,
weil darin sein Vorteil nur liegen kann. Der
Käufer gibt nie mehr, als er unbedingt muss.
Und wenn der Handel abgeschlossen ist, so löst