Full text : Zum Kampf um die wirtschaftliche Selbständigkeit des Klein- und Mittelbetriebes

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auf  die  Strasse  zu  setzen,  ohne  Rücksicht  darauf,  was  nun  weiter  aus  ihnen  wird.  Dazu
ist  man  eben  nicht  da,  sondern,  man  ist  eben  nur  da,  um  Geld  zu  machen  und  den
Rekord  zu  schlagen.
Was  ist  da  nun  zu  tun!  Es  ist  vor  allem  dringend  notwendig,  die  Augen  des
grossen  deutschen  Bürgertums  auf  alle  diese  Verhältnisse  zu  richten,  sich  nicht  abdrängen
zu  lassen,  in  der  riesigen  Ueberspannung  der  grosskapitalistischen  Entwicklung  die
wirkliche  Gefahr  zu  sehen,  statt  sich  umdrehen  zu  lassen  und  in  dem  roten  Gespenst
ein  Unheil  und  eine  ernste  Gefahr  zu  erblicken.  Unsere  Arbeiterorganisationen  sind  nicht
im  Stande,  auch  nur  die  geringste  Arbeit  zu  leisten,  um  das  Gerüst  für  den  Staatsbetrieb, ­
  das  unsere  so  ungeheuer  komplizierte  Industrie  und  unser  Handel  benötigen,
aufzubauen,  ja  auch  nur  einige  wenige  Steine  dazu  zusammenzustellen.  Diese  Arbeit
leisten  die  führenden  Geister  des  Grosskapitalismus.  Nein,  wir  müssen  den  Versuch
machen,  diese  Schlachtenleiter  in  eine  andere  Richtung  zu  drängen  und  sie  veranlassen, ­
  ihre  organisatorischen  Kräfte  und  Talente  nach  der  Richtung  ihrem  Vaterlande
dienstbar  zu  machen,  dass  sie  nicht  bloss  danach  trachten,  Persönlichkeiten  zu  Sklaven
zu  machen,  sondern  im  Gegenteil  Organisationen  zu  schaffen,  die  möglichst  vielen  Persönlichkeiten ­
  die  Möglichkeit  freier  schöpferischer  Auswirkung  ermöglichen.  Unsere
Technik  schafft  uns  auch  hierzu  die  Mittel  und  Möglichkeiten.  Aber  heute  ist  es
so,  dass  die  Regierung  diejenigen  auszeichnet  oder  ehrt,  die  möglichst  viele
selbständige  Existenzen  vernichten.  Es  besteht  also  hier  eine  Irrung  in  der  Richtung.
Das  Volk  lässt  sich  heute  ins  Schlepptau  nehmen,  statt  den  Führern  die  Richtung  zu
weisen,  in  der  es  vorwärts  kommen  will.
Es  ist  also  erstmal  an  der  Regierung,  die  Führer  unserer  grosskapitalistischen  Unternehmungen ­
  um  sich  zu  sammeln  und  zu  erklären,  dass  das  nationale  Interesse,  die
staatserhaltende  Tendenz,  es  erfordert,  dass  einer  weiteren  Ausdehnung  der  Betriebe  ein
Halt  geboten  wird,  dass  im  Gegenteil  eine  Dezentralisierung  eintreten  müsse,  da  wo  sie  erreichbar ­
  ist.  Vor  allem  aber  hat  der  Staat  die  Pflicht  zu  erklären,  dass  er  nur  noch  diejenigen
Träger  der  kapitalistischen  Betätigung  als  für  das  Staatswohl  nützlich  erachten  kann,  die  ihre
Kräfte  dahin  nutzbar  machen,  dass  möglichst  viele  selbständige  Existenzen  erhalten  werden.
Das  freiheitlich  gesinnte  deutsche  Volk,  das  in  der  freien  Betätigung  der  Persönlichkeiten ­
  die  Zukunft  sieht  und  die  Gefahren  erkennt,  die  in  den  Riesenbetrieben  und
Staatsbetrieben  in  Bezug  auf  die  Unterbindung  der  persönlichen  Werte  liegen,  muss  sich
zu  einer  grossen  nationalen  Bewegung  aufraffen,  um  die  grosskapitalistische  Rekordwirtschaft ­
  zum  Stillstand  zu  bringen.  Es  muss  aber  auf  der  anderen  Seite  die  so  berechtigten ­
  Forderungen  unserer  Arbeiter  erfüllen  und  den  Kampf  gegen  Hunger  und
Wohnungselend,  gegen  Arbeitslosigkeit  und  für  einen  gesunden  starken  Nachwuchs  aus
unserem  Proletariat  aufnehmen;  denn  wir  sind  reich  genug,  um  es  zu  können.  Wenn
wir  heute  anderen  Völkern  Milliarden  borgen  können,  und  mag  es  wirtschaftlich  auch
noch  so  notwendig  sein,  so  haben  wir  doch  erst  einmal  die  Pflicht  gegen  diejenigen,
im  eigenen  Lande,  die  hungrig  sind,  die  schuldlos  arbeitslos  sind,  die  zufolge  Unterernährung ­
  zu  unbrauchbaren  Staatskrüppeln  heranzuwachsen  drohen  und  dem  gesamten
Volke  dauernd  zur  Last  fallen.
Unsere  Zukunft  liegt  in  unserer  Arbeiterschaft,  bei  den  Frauen,  die  noch  dem
Staat  die  grosse  Zahl  von  Kindern  schenken,  nicht  aber  in  den  oberen  Kreisen  und
selbst  nicht  mehr  im  guten  bürgerlichen  Mittelstand,  der  in  erschreckendem  Grade
kinderlos  wird.
Aufgabe  der  politischen  Parteien  ist  es  aber,  jenen  Schwung  einer  grossen  nationalen
Bewegung  zu  erzeugen,  der  notwendig  ist,  um  eine  andere  Richtung  zu  gewinnen.
In  den  nachfolgenden  Aufsätzen  werden  einige  wichtige  industrielle  Probleme  behandelt, ­
  die  zeigen,  in  welcher  Richtung  es  möglich  erscheint,  auch  den  deutschen
industriellen  Mittelbetrieb  selbständig,  wissenschaftlich  auf  der  Höhe  und  exportfähig  zu
erhalten.  Wir  besitzen  heute  eine  so  grosse  Zahl  von  hervorragenden  Fachleuten  auf
wirtschaftlich-industriellen  Gebieten,  vor  allem  die  Führer  unserer  grosskapitalistischen
Unternehmungen  selbst,  dass  es  durchaus  möglich  sein  dürfte,  den  bezeichneten  Zielen
näher  zu  kommen,  wenn  es  gelingt,  diese  Kräfte  von  ihrem  jetzigen  Rekordwüten  um
Geld  und  Macht  ab  und  sie  zum  Halten  zu  bringen  in  ihrem  besinnungslosen  Lauf  vor  der
Erfüllung  der  grösseren  Aufgaben,  der  Annäherung  an  unsere  Menschheitsideale.
Es  steht  naturgemäss  zu  erwarten,  dass  die  Mehrzahl  der  Leser  diese  Gedanken  und
ihre  praktische  Durchführung  in  ein  Traumland  verweisen  werden,  weil  ihnen  der  Glaube
fehlen  wird,  dass  die  Nurgeldmenschen  in  der  Lage  sein  sollten,  sich  den  Geboten  der
Menschlichkeit  zu  unterwerfen  und  sich  in  ihren  Dienst  zu  stellen.  Gewiss  in  einem
            
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