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jekte würden allerdings wegen der notwendig werdenden Ge-
ländebeschaffung (Gebietsaustausch mit Preußen) große Schwierig
keiten in den Weg treten. Aber für Bremerhaven muß unbe
dingt etwas geschehen. Kosten werden dem bremischen Staat
(Grunderwerb) in der ersten Zeit jedenfalls entstehen. Ob sie
aber aus der Herstellung einer guten Grundlage für eine spätere
gedeihliche Entwicklung erwachsen oder daraus, daß die vor
handenen Anlagen zu groß sind und sich nicht verzinsen (NB.
der durch die neuen Fabriken herangezogene Mehrverkehr würde
auch sie rentabler machen!), ist ein großer Unterschied. Eine
Schädigung s t a d t bremischer Interessen durch eventuelle Errich
tung von Freigebietsfabriken in Bremerhaven tritt nicht ein —
handelt es sich doch um neu in das Staatsgebiet zu ziehende In
dustrien.
5. Errichtung einer Handelshochschule.
Als ein den Handel Bremens indirekt förderndes Mittel sehe
ich die Errichtung einer Handelshochschule an. Hamburg
will bekanntlich sogar eine Volluniversität ausbauen und wird
dadurch sein Übergewicht über Bremen noch mehr tatsächlich
vergrößern und — nach außen kenntlich machen. Eine Voll-
universität gebraucht Bremen nun in absehbarer Zeit nicht, ob
wohl es möglich und wünschenswert wäre, die Kräfte an den
vorhandenen wissenschaftlichen Instituten zu zusammenhängen
den Vortragsreihen allgemeiner und spezieller Natur zu veran
lassen und dadurch das geistige Leben der Stadt auf eine breitere
Grundlage und zugleich auf eine höhere Stufe zu stellen. Das
wirkt anregend nach innen und zieht von außerhalb frische, unter
anderen Lebensbedingungen gvoßgewordene Kräfte heran. Der
hieraus sich ergebende Nutzen ist nicht zu unterschätzen. Für
die jüngeren Kaufleute kann es nur von Vorteil sein, wenn sie
neben der praktischen auch eine theoretische Ausbildung er
halten und das Geschäftsleben einmal von einer anderen Seite
zu betrachten lernen als sie es zu tun gewohnt sind. Ein nur
mittelbarer, aber äußerst wichtiger, für die ganze Stadt sich
ergebender Nutzen ist der, daß durch solche Veranstaltungen eine
Art Sauerteig hereingebracht wird. Man kann es, will man offen
sein, nicht leugnen: Bremen pocht auf seine »Freiheit«, aber diese
ist sehr häufig dadurch zur Unfreiheit erstarrt. Da muß ein
frischer Wind hineinfahren, der das träge Blut schneller durch
die Adern treibt, die Bequemlichkeit zu energischer Tätigkeit