Full text : Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft

120
möglich  wäre,  auch  ohne  daß  diese  bei  ihren  Firmen  um  besonderen ­
  Urlaub  dafür  nachzusuchen  brauchten.
An  Kräften,  die  das  Kind  aus  der  Taufe  heben  könnten,
ist  kein  Mangel.  In  der  Großkaufmannschaft,  der  Rechtsanwaltschaft ­
  und  dem  Richterstande,  der  Lehrerschaft,  den  Syndikern
der  verschiedenen  Kammern  usw.  sind  geeignete  Persönlichkeiten
in  vorläufig  hinreichender  Menge  vorhanden,  sodaß  der  Lehrplan
gleich  die  wünschenswerte  Vielseitigkeit  erhalten  könnte.  Notfalls
können  jederzeit  auswärtige  Kräfte  aushilfsweise  herangezogen
werden.  Der  Ausbau  der  Schule  erfolgt  vielleicht  am  einfachsten
im  Anschluß  an  die  sog.  Handelsschule  der  Union.
6.  Unterstützung  der  Hochseefischerei.
Bei  den  steigenden  Fleischpreisen  bietet  der  Fischreichtum
der  offenen  See  einen  notwendigen  Ausgleich  von  glücklicherweise
fast  unergründlicher  Ergiebigkeit  dar.  Seefische  sind  schon  jetzt
zu  einem  unentbehrlichen  Bestandteil  der  Volksnahrung  geworden.
Nun  ist  es  zwar  eine  Tatsache,  daß  sich  die  deutsche  Hochseefischerei ­
  in  einem  erfreulichen  Aufschwünge  befindet.  Aber  sie
wird  noch  nicht  entfernt  so  intensiv  betrieben  wie  es  möglich
wäre.  Ein  Blick  auf  die  Fangergebnisse  der  englischen  Seefischerei ­
  beweist  dies.  Auch  das  kleine  Holland  ist  Deutschland
noch  weit  voraus.
Für  den  Fang  wie  für  den  Versand  der  Seefische  liegen
Bremen-Bremerhaven  mindestens  eben  so  günstig  wie  jede  andere
Stadt  an  der  deutschen  Nordseeküste.  Trotzdem  ist  die  bremische
Hochseefischerei  verhältnismäßig  zurückgeblieben.  Auch  da  ist
ein  Hebel  anzusetzen.
Die  bestehenden  Hochseefischereigesellschaften  sind  bekanntlich ­
  nicht  auf  Rosen  gebettet.  Ihre  Notlage  gab  sogar  zu  einer
Besprechung  im  Reichstage  Anlaß.  Mir  scheint,  daß  ihre  ungünstigen
Geschäftsergebnisse  vornehmlich  auf  zwei  Ursachen  zurückzuführen
sind.
Die  erste  ist  die  unzweckmäßige  Art  der  Verteilung  der
Ware  an  die  Verbraucher.  Sie  geschieht  bislang  entweder  so,
daß  die  Gesellschaften  den  Verschleiß  selbst  besorgen  (Deutsche
Dampffischereigesellschaft  Nordsee)  oder  daß  sich  zwischen  sie
und  das  Publikum  ein  selbständiger  Unternehmer  schiebt,  der  die
Fische  auf  den  Auktionen  in  Geestemünde  kauft  und  für  eigene
Rechnung  vertreibt.  An  sich  sind  diese  Zwischengroßhändler
überflüssig,  da  die  Fische  dadurch  verteuert  werden;  für  die  be-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.