Full text: Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft

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die regelmäßigen Fahrten nach Ostasien und Australien ein 
zurichten, ist vielleicht seine Rettung gewesen. Fiel der Verkehrs 
zuwachs doch gerade in eine überaus kritische Periode, in eine 
Zeit, wo Bremen verurteilt schien, seine Rolle als Seehandelsstadt 
mit derjenigen eines unbedeutenden Binnenplatzes in verkehrs 
armer Gegend zu vertauschen. Und ferner trugen die Fahrten 
der Reichspostdampfer dazu bei, den Handel Bremens von allzu 
großer räumlicher Einseitigkeit zu befreien. Sie schufen ein 
Gegengewicht zum nordamerikanischen Verkehr, der 1885 noch 
4 /s der gesamten transatlantischen Ausfuhr absorbiert hatte; jetzt 
befördern sie schon 1 / 3 der transozeanischen Ausfuhr, während der 
Anteil Nordamerikas an dieser auf etwa 50%, zurückgegangen ist. 
Die Tabelle 9 stellt das relative Wachstum der Wertzahlen 
des Ein- und Ausfuhrhandels Bremens dar. 
Als Vergleichsjahr wurde 1888, das Anfangsjahr der letzten 
zwanzigjährigen Periode, genommen und dessen Handelswerte 
überall gleich 100 gerechnet. So ergibt sich, wenn man die Tabelle 
etwas erläutern darf: 
Die Gesamtüberseeeinfuhr ist relativ stärker gestiegen als die 
Gesamtüberseeausfuhr. Im großen und ganzen ist erstere auch 
weniger Schwankungen unterworfen. Die Mißernte — es handelt 
sich bei ihr ja hauptsächlich um Naturerzeugnisse —- eines Teiles 
der Welt wird durch erhöhten Bezug aus andern Ländern ziem 
lich ausgeglichen. Die Ausfuhr dagegen, d. h. in erster Linie der 
Verbrauch von Fabrikaten, ist von vielerlei Umständen beeinfluß 
bar. Bei der tausendfältigen Verschlingung und Verwebung der 
wirtschaftlichen Fäden, die von Land zu Land, von Erdteil zu 
Erdteil hinüber und herüber laufen, wirken Depressionen des 
Handelslebens eines Erdgebietes nachteilig auf die Kauflust und 
Aufnahmefähigkeit weitester Gebiete ein. Dies gilt auch von Be 
unruhigungen des Handels, die durch vielleicht nur erst beab 
sichtigte Änderungen der Gesetzgebung, wie Ein- und Ausfuhr 
verbote, Zoll- und Verzollungsänderungen usw., hervorgerufen 
werden. 
Über dem Durchschnitt hielt sich die Einfuhr von Nord 
amerika und Australien (im letzten Jahre auch Afrika) und die 
Ausfuhr nach Mittelamerika, Südamerika, Afrika, Asien und 
Australien. Den Durchschnitt der Steigerung nicht erreichten die 
Einfuhr von Mittel- und Südamerika, Asien und Afrika, (abgesehen 
vom letzten Jahre) und die Ausfuhr nach Nordamerika. 
Selbstredend muß man sich zur Berichtigung seiner Meinung
	        
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