Full text : Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft

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Gehrke,  Bremens  Warenhandel.

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stets  die  absoluten  Zahlen  mit  vergegenwärtigen.  Es  ist  klar,  daß
sich  der  Handel  mit  Ländern,  wo  er  schon  eine  gewisse  Höhe  oder
gar  Sättigung  erreicht  hat,  relativ  nicht  in  dem  Maße  heben  kann
wie  solcher  mit  Ländern,  die,  wie  Australien  z.  B.,  zur  Zeit  des
Beginns  der  Vergleichsperiode  in  einem  nennenswerten  Warenaustausch ­
  mit  Bremen  überhaupt  noch  nicht  standen.  Man  vergleiche ­
  also  hierbei  die  Tabellen  7  und  8.
Es  ist  eine  schon  kurz  erwähnte  Tatsache,  daß  die  Einfuhr
Deutschlands  sowohl  wie  Bremens  dem  Werte  und  der  Menge
nach  die  Ausfuhr  nicht  unbedeutend  übersteigt.  Wenn  nun  auch
eine  passive  Handelsbilanz  für  Deutschland  keine  Gefahr  bedeutet,
weil  das  Ausland  auch  Deutschlands  Transportleistungen  bezahlen
und  ihm  die  von  ihm  hergegebenen  Gelder  verzinsen  muß,  so  ist
es  für  einen  Speditionsplatz,  wie  Bremen  einer  ist,  doch  wünschenswert, ­
  daß  Ein-  und  Ausfuhr  sich  möglichst  das  Gegengewicht
halten.  Nicht  nur  wegen  der  Rentabilität  der  Schiffahrt  (Rückfrachten ­
  in  ausgehender  Fahrt)  wegen  besserer  Ausnutzung  des
Schiffsraumes,  sondern  auch  deshalb,  weil  an  der  Fabrikatausfuhr
von  den  Handelshäusern  in  den  Seestädten  in  der  Regel  am
meisten  verdient  wird.  Es  muß  also  danach  gestrebt  werden,  möglichst ­
  viel  der  für  das  Ausland  via  mare  bestimmten  Waren  über
die  eigene  Stadt  zu  leiten.  Wenn  auch  die  Zufuhrwege  von
Binnendeutschland  und  überhaupt  von  dem  innerkontinentalen
Europa  andere  Plätze,  besonders  Hamburg  und  Rotterdam,  mehr
begünstigen  —  unbestreitbar  ist  doch,  daß  diese  Schwierigkeit
überwunden  werden  kann,  wenn  der  Fabrikant  einfach  gezwungen
ist,  seine  Güter  nach  einem  bestimmten  Platze,  in  diesem  Falle
nach  Bremen,  zu  verfrachten.  Der  binnendeutsche,  österreichische
und  schweizerische  Fabrikant  tritt  aus  verschiedenen  schwerwiegenden ­
  Gründen  nur  in  den  seltensten  Fällen  mit  überseeischen
Interessenten  in  unmittelbare  Verbindung:  das  Handelshaus  des
Hafenplatzes  ist  es,  das  sie  herstellen  und  pflegen  muß;  der
Exporteur  an  der  Wasserkante  sucht  für  die  binnenländischen
Industrieerzeugnisse  im  Auslande  Absatz,  um  daran  die  »Kommission«
(seltener  kauft  er  auf  eigene  Rechnung)  zu  verdienen.  Also  liegt
es  sehr  wohl  in  der  Hand  einer  Seestadt,  den  Verkehr  nach
drüben  in  manchen  Artikeln  an  sich  zu  ziehen,  wenn  ihre  Kaufmannschaft ­
  genügend  Kapital,  Unternehmungsgeist  und  weiten
Blick  besitzt.  Zum  sinnfälligen  Ausdruck  kommt  dies  in  dem
Größenverhältnis,  in  dem  Ein-  und  Ausfuhrhandel  zu  einander
stehen.
            
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