4
— 44 —
amerikanischer Baumwolle steht. Der Import ostindischer Baum
wolle nach Europa hat daher wiederum abgenommen, ihre Ver
arbeitung in europäischen Spinnereien ist unrentabel geworden
und läßt sich nur noch für einzelne ganz bestimmte Zwecke aufrecht
erhalten.“ Im gleichen Jahre kam über Hamburg für 2 2 1 /, Millionen
Mark, d. h. über 30 Mal mehr als Bremen einführte! Für das
Jahr 1904 berichtet die Kammer dann allerdings (S. 30): „Alle
diese Verhältnisse haben gezeigt, wie dringend wünschenswert es
ist, neue Gebiete für die Baumwollkultur zu erschließen und die
europäische Textilindustrie unabhängiger zu machen von einem
Lande, dessen eigener Konsum von Jahr zu Jahr größer wird
(sc. Amerika) und dessen Produktionsfähigkeit nicht ins Unermeßliche
steigen kann.“ Auch bereits in ihrem Bericht für 1869 weist die
Kammer darauf hin (S. 25): . . . wird die ostindische Baum
wolle zum Teil ... . über England bezogen. Es muß dies um
so mehr auffallen, als die bremischen Absatzgebiete Haupt
konsumenten ostindischer Baumwolle sind.“ Warum nimmt
da die Baumwollbörse nicht selbst Veranlassung, für eine gesteigerte
Einfuhr indischer Baumwolle, vielleicht für eine Ableitung der
Triester und Antwerpener Zufuhren nach Bremen, energische Schritte
zu unternehmen? Zum Beimischen ist diese jedenfalls geeignet, *
und daß der Handel mit ihr doch nicht so unlukrativ ist wie die
Handelskammer anzunehmen scheint, beweist der große Umfang,
den der hamburgisch-ostindische Baümwollhandel genommen hat.
Die Abneigung der Bremer Baumwollhäuser gegen den Handel
mit außeramerikanischer Baumwolle erstreckt sich übrigens auch auf
das afrikanische Produkt. Man sollte es kaum glauben, aber es
ist tatsächlich so: die außerhalb der Union zu erzielenden Umsätze
sind ihnen „zu klein!“ Wenn sie nicht gleich große bulk-Geschäfte
machen können, verzichten sie lieber ganz und kommen hernach
natürlich zu spät.
Es ist eben hier wie überall der alte Fehler Bremens: Es
wirft sich auf einen bestimmten Stapelartikel und »forciert« ihn —
unleugbar mit Erfolg. Die zweite und dritte Generation legt sich
in das warme Bett, das die Alten ihnen machten, und arbeitet in
demselben Geiste und am liebsten mit denselben Geschäftsfreunden. >
Aber im Gefühl seines Triumphes verschließt der Bremer Augen
und Ohren für die übrige Welt. Unbemerkt von ihm werden seine
Konkurrenten stark und ziehen ihm über Nacht die Zipfelmütze
ins Gesicht. In der Einfuhr von Reis, dessen größter Weltmarkt
und Einfuhrhafen früher Bremen war, macht ihm jetzt Hamburg