77
zwischen Deutschland und England eine bemerkenswerte Pro
duktionsteilung statt. Die je aus dem andern Lande bezogenen
Fabrikate sind größtenteils dessen Spezialartikel, in denen das
eigene Land nicht konkurrieren kann. Besonders zeigt sich dies
in der Textilindustrie. In der obigen kleinen Zusammenstellung
kommt dies deutlich zum Ausdruck.
Die aus England eingeführten Fabrikate gelangen mit wenigen
Ausnahmen in Deutschland selbst zum Verbrauch. Daß dagegen
England, hauptsächlich für deutsche Textilprodukte, fast nur ein
für eigene Rechnung kaufendes Durchgangsland ist, ist schon
erwähnt. Unzweifelhaft ist das kein idealer Zustand. Der Zwischen
gewinn, der den englischen Exporteuren zufällt, könnte ebenso
gut von deutschen Firmen verdient werden. Aber darin wird nur
langsam eine Änderung eintreten können. Die Waren gehen
vielfach nach englischen Kolonien, und dort die Konkurrenz
unserer Vettern jenseits des Kanals aus dem Felde zu schlagen
ist nicht so leicht, wie es in Nord- und Südamerika möglich war,
wo der freie Verkehr nicht durch politische Abhängigkeit be
schränkt wird.
Am Gesamteuropahandel Bremens ist England 1908 in der
Einfuhr dem Werte nach mit 37%, in der Ausfuhr mit 27% be
teiligt. Bei Hamburg dagegen nimmt der englische Warenverkehr
in der Einfuhr genau die Hälfte und auch in der Ausfuhr mehr
als 2 /s e i n - Absolut übersteigt die englische Einfuhr Hamburgs
die bremische vier Mal und seine englische Ausfuhr diejenige
Bremens mehr als sieben Mal. In der Einfuhr erscheint bei
Hamburg im Jahre 1907 allein Wollen- und Halbwollengarn mit
78V2 Millionen Mk., also schon in einem einzigen Artikel ein
Umsatz, der die ganze bremische Einfuhr aus England an Wert
hinter sich läßt; Baumwollengarn ferner wurde für Ö4 1 / 2 , andere
Baumwollwaren wurden für 46 Millionen Mk. eingeführt; die Ein
fuhrsumme von Steinkohle erreichte 6 7^2 (Bremen 1908:5), von
Eisen und Stahl 38, von Gummi elasticum 25, von Heringen 10
Millionen Mark. In der Ausfuhr glänzen Zucker (Kristallzucker,
roher Zucker und Raffinaden) mit 174 1 / 2 , Eier mit 17 Millionen
Mark usw. Die bremischen Zahlen verschwinden dagegen.
Daß Hamburgs Ausfuhr in den beiden letztgenannten Ar
tikeln viel bedeutender ist als diejenige Bremens, ist leicht erklär
lich. Liegt doch der Hauptsitz der Rübenzuckerfabrikation im
mittleren Elbgebiet, kommen doch die Eier, die nach England
weiter gehen, aus dem federviehreichen Osteuropa. Uber die eng