Full text : Sozialismus und Regierung

1.  Es  begünstigt  die  Vertretung  von  Parteien  und  erschwert  die
Wahl  außerhalb  der  Parteien  stehender  Persönlichkeiten.
2.  Es  errichtet  gegen  neue  Parteien  Schranken,  die  den  Charakter
von  Schutzwehren  haben,  Hindernisse,  die  jedoch  unwirksam  werden,
wenn  die  neue  Partei  sich  erfolgreich  behauptet  und  einen  gewissen
Grad  von  Vertrauen  gewonnen  hat.  Diese  Hemmnisse  bedeuten  nur,
daß  die  neue  Partei  erst  dann  einen  Teil  der  Verantwortung  für  die
Gesetzgebung  übernehmen  kann,  wenn  sie  sich  vorher  im  Verwaltungswesen ­
  erprobt  hat.
3-  Es  verringert  die  Anzahl  der  Kandidaten,  die  eine  neue  Partei
bei  irgendeiner  Wahl  aufstellen  kann.  Hierdurch  zwingt  es  die  Partei ­
  in  ihrem  eigenen  Interesse,  ihre  ersten  Sträuße  in  den  günstigsten
Plätzen  auszufechten  und  ihre  Kraft  von  der  Eroberung  der  Zitadelle
der  gesetzgebenden  Gewalt  fernzuhalten,  bis  sie  durch  die  Besetzung
der  weniger  wichtigen  Posten  der  administrativen  Instanzen  einige  Erfahrungen ­
  in  der  Regierungskunst  gesammelt  hat.  Während  dieser
Zeit  werden  der  Propaganda  neuer  Ideen  keine  wirklichen  Hemmnisse ­
  bereitet.  Fesseln  werden  einer  neuen  Partei  nur  darin  auferlegt,
daß  sie  nicht  vorzeitig  an  der  legislativen  Verantwortung  teilnehmen
kann,  was  ihren  eigenen  wirklichen  Interessen  und  der  sozialen  Bequemlichkeit ­
  zuwider  wäre.
4-  Es  drängt  den  Partikularismus  zurück  und  hilft  die  für  die  Praxis
wertlosen  dogmatischen  und  akademischen  Unterschiede  in  den  Parteien ­
  zerstören.
Diese  Wirkungen  scheinen  mir  erstens  die  Kontinuität  der  politischen ­
  Entwicklung  sicherzustellen  und  zweitens  dafür  zu  bürgen,  daß
die  Essenz  und  nicht  die  Launen  und  Grillen  der  neuen  Bewegungen
parlamentarische  Vertretung  finden.  Das  gegenwärtige  System  scheint
mir  demnach  kein  System  zu  sein  zur  Unterdrückung  von  Minoritäten
und  um  neue  Strömungen  aufzuhalten,  sondern  um  sie  zu  prüfen  und
ihnen  auf  gewisse  Weise  eine  Vertretung  zu  sichern.
Aber  wenn  das  Eingreifen  dritter  Parteien  die  Stimmen  zersplittert
und  wenn  Entscheidungen  fallen,  die  scheinbar  aller  Vertretung  von
Majoritäten  widersprechen,  findet  es  selbst  der  Besonnenste  schwer,
nicht  in  den  Ruf  nach  einer  Reform  einzustimmen.  Wenn  man
hinter  die  bloßen  statistischen  Tabellen  solcher  Wahlkämpfe  geht
und  sich  bemüht,  die  Kraft  und  die  Richtung  der  um  Vertretung  rin77 ­


            
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