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gunst ein. Die Folgen brauchen nicht einzeln aufgeführt zu werden, sie
sind ekelhaft.
Auch hat die Monarchie keinen günstigen Einfluß auf das allgemeine
politische Verständnis und die Haltung des Volkes, soweit diese durch
jene politische Intelligenz berührt wird. Bagehot sagte, eine Monarchie
sei eine „verständliche Regierung", womit er meinte, daß sie nicht
schwer zu begreifen wäre. Ich würde mich anders ausdrücken. Die
Monarchie ist eine Regierung, die die politische Einsicht beeinträchtigt,
indem sie die Staatsbürger leicht glauben macht, daß sie die Regierung
verständen, obgleich es wirklich nicht der Fall ist. Sie wendet sich, wie
Bagehot selbst zugibt, an die „Schwäche unserer Einbildungskraft"
und stachelt uns nicht an, diese Schwachheit zu überwinden. Eine
Monarchie wirkt der Ausbildung eines hohen Typus demokratischer
Einsicht und Betätigung entgegen. Obgleich wir den Vereinigten
Staaten von Nordamerika politisch und konstitutionell in vielen Punk
ten überlegen sind und wenngleich plutokratische und ausbeutende
Einflüsse diese Staaten hart bedrängt haben, wovon wir verschont
geblieben sind, so konstatiert der aufmerksame Beobachter der ameri
kanischen Politik trotz alledem, wie die klaren Gewässer republikani
scher Einsicht und Intelligenz durch ihre schlammigen Ströme fließen;
der Stolz des Bürgers, der sich selbst Bürger eines Staates und nicht
Untertan eines Monarchen nennt, tritt ihm entgegen 1 .
Es ist eine weitverbreitete Meinung, daß der Monarch eine der Haupt
klammern des Reiches sei; er sei die Persönlichkeit, die die Einheit, die
Geschichte und den Glanz des Imperiums verkörpere. Dieser Einfluß
wird bedeutend überschätzt. In dem Grade wie die sich selbstregierenden
Staaten sich zu vollständigen Nationalitäten entwickeln, verringert sich
die Macht der Krone. Die Motive, die das Reich aufrechterhalten, ver
lieren immer mehr an persönlichem Inhalt; sie werden das Gefühl einer
gemeinsamen Rasse, die aus einer gemeinsamen Geschichte geschöpfte
Genugtuung und Freude und der Wunsch, mit einem Mutterlande, das
eine so große Rolle in der Welt spielt, in Verbindung zu bleiben. Die de
mokratischen Gesinnungen werden allmählich viel mehr das einigende
Band des Reiches, als die persönliche Treue und Anhänglichkeit.
Sollte sich Australien aus nationalistischen Gründen zur Trennung
1 Der Unterschied der Frage, die man in New York an Reisende richtet, hat mich
immer frappiert. „Sind Sie britischer Untertan?“ — „Sind Sie amerikanischer
Bürger?"