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von uns entschließen, so hätte das Dasein oder das Nichtdasein eines
Monarchen keinen Einfluß auf die Entscheidung dieses Kolonialstaates.
Außerdem steht die monarchische Regierungsform bei einem großen
Teile der Bevölkerung der sich selbstregierenden britischen Staaten in
keinem Ansehen. Diese Tatsachen leuchten j edem ein, der mit den Emp
findungen der Kolonien in engere Berührung gekommen ist. Doch
die allgemeine Behauptung, daß ein Reich auch ohne monarchische
Spitze errichtet werden könne, wird ausreichend durch die Betrachtung
der auswärtigen Politik Amerikas bewiesen. Die Monroe-Doktrin ist
Imperialismus ohne Weltreich. Bemühte man sich jedoch, ihr in einem
Weltreich Substanz zu geben, so würden die Anstrengungen erfolg
reich sein. Der amerikanische Bürger würde Amerika, ausdehnen; der
neue amerikanische Untertan würde Amerika gehorchen und in dessen
Geschichte und seinem Geiste dieselben Motive des Gehorsams und der
Gefolgschaft finden, wie bei einem Monarchen. Hätte der amerikani
sche Bürger Kuba und die anderen spanischen Besitzungen behalten,
so hätte er sie durch seine Verfassung ebenso fest gebunden, wie wir es
durch unsere Krone getan hätten. Daß die Monarchie Bedingung eines
Weltreiches sein soll, ist eine Illusion. In dieser Hinsicht erscheint ihr
größter Wert in einem Reiche mit abhängigen Gebieten wie Indien, wo
die Bevölkerung jemand verehrt, der in erhabener Macht über sie ein
gesetzt ist. Ein bedenklicher Nachteil begleitet aber diese Nützlich
keit einer Monarchie; denn aus ihr entspringt in dem abhängigen Be
sitztum eine despotische Regierungsform, die nach außen hin die
Tradition des dem unterworfenen Volke natürlichen Gehorsams fort
setzen kann, die aber in ihrem inneren Wesen unangemessen und un
sympathisch ist und die spontane Tätigkeit und Initiative des Volkes
vernichtet. Ein solches Reich kann keine der höheren Aufgaben der
weißen Rasse erfüllen. Wohl kann es den Frieden bringen und die
Ordnung einführen, aber es kerkert das Leben ein und ertötet es.
C. DIE ZWEITEN KAMMERN
as House der Lords ist dagegen in einer anderen Lage, es
-■—-'ist eine aktive politische Macht. Es erörtert, verändert und
verwirft Gesetzentwürfe; es ist ein permanenter Ausschuß der konser
vativen Partei und hält Wacht über die politische Ordnung, unter der
seine Klasse existiert. Die Lordskammer ist nicht in dem Sinne un