Full text : Sozialismus und Regierung

Weiße  durch  seine  Herrscherfunktionen  über  den  Eingeborenen  auf
dessen  Niveau  herabgezerrt  wird,  er  ihm  gegenüber  nicht  allein  keine
Mission  zu  erfüllen  hat,  sondern  auch  sich  selbst  großen  Schaden  zufügt, ­
  während  er  glaubt,  er  hätte  wirklich  eine  Mission  auszuführen.
Durch  die  Berührung  der  weißen  und  farbigen  Rasse  verfällt  dann
weit  und  breit  die  Zivilisation.
Die  Merkmale,  die  zur  Beurteilung  der  Eingeborenenpolitik  dienen,
sind  die  folgenden:  Haben  wir  unsere  eigene  Gemächlichkeit  oder  die
Wohlfahrt  des  Eingeborenen  im  Auge?  Wenn  wir  zugeben,  daß  die
Irrtümer  des  Eingeborenen  sui  generis  sind,  tun  wir  es  dann  deshalb,
um  aus  ihnen  Vorteil  zu  ziehen,  —  wie  die  Bevölkerung  Natals  es  tat,
als  sie  die  Zulu  beim  bloßen  Erscheinen  niederschoß,  um  ihnen  zu  zeigen, ­
  daß  die  Weißen  den  alten  Häuptlingen  an  Roheit  nicht  nachständen ­
  —  oder  deshalb,  damit  wir  auf  ihre  niedrigere  Kultur  rechtzeitig ­
  etwas  von  der  Weisheit  und  der  Moralität  unserer  eigenen  aufpfropfen ­
  können?  Sollen  wir  es  auf  Grund  unserer  wissenschaftlichen
Erkenntnis  der  Entwicklung  der  Eingeborenen-Gesellschaft  anheimgeben, ­
  sich  unter  der  Führung  unseres  aufgeklärten  Geistes  selbst  zu
gestalten?  Über  diese  Punkte  müssen  wir  reine  Gewissen  haben.
Auch  darf  nicht  außer  acht  gelassen  werden,  daß  die  Erziehung  der
Eingeborenen  und  das  Ziel  der  Eingeborenenpolitik  nicht  von  einander
getrennt  werden  können.  Wenn  wir  in  den  Staaten  der  Eingeborenen
keine  demokratische  Kontrolle  errrichten  wollen,  so  sollten  wir  sie
auch  nicht  in  demokratischen  Gedankengängen  erziehen.  Unsere  Erziehung ­
  ist  ein  Teil  der  Vorbereitung  zu  unserem  bürgerlichen  Leben.
Wie  groß  ist  z.  B.  unsere  Narrheit,  daß  wir  die  Indier  in  unseren  englischen ­
  Schulen  und  an  unseren  Universitäten  in  den  Prinzipien  der
bürgerlichen  Freiheit  unterrichten  und  sie  dann  wieder  in  die  Heimat
senden,  um  dort  einer  Regierung  zu  gehorchen,  die  wir  nach  den
Grundsätzen  eines  Absolutismus  aufrechterhalten,  dessen  Befugnisse
selbst  ein  Herrscher  wie  Karl  I.  als  Korollarium  seines  göttlichen
Rechtes  kaum  beanspruchen  würde.  Wenn  man  Indien  eine  Selbstregierung ­
  verweigert,  so  erfordert  es  die  einfachste  Vernunft,  daß  man
die  Indier  auch  nicht  in  der  politischen  Philosophie  des  Westens  unterrichte. ­
  Pflanzt  man  auf  den  Geist  von  Menschen,  von  denen  man  erwartet, ­
  daß  sie  die  Bedingungen  orientalischer  Knechtschaft  akzeptieren, ­
  die  auf  den  Prinzipien  der  bürgerlichen  Freiheit  des  Abend140 ­

            
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