Full text: Sozialismus und Regierung

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werden, die den heutigen nur insofern überlegen sein werden, als sie dem 
Volke ihre streitigen Fragen in einer präziseren und verständlicheren 
Weise vorlegen müssen, da sie es mit einer einsichtsvolleren und unter- 
richteteren Wählerschaft zu tun haben werden. Sie werden die natür 
lichen Kämpfe der Gegenwart und der Zukunft verkörpern: einerseits die 
Furcht vor dem Vorwärtsschreiten, anderseits den Unwillen gegen den 
Stillstand. Wir können uns darauf verlassen, daß sich diese entgegen 
gesetzten Ansichten und Temperamente noch für manche kommende 
Generation zu Programmen der Aktion und der Tatenscheu konden 
sieren werden, die ihre Auffassung von Individuum und Gesellschaft in 
philosophischen Grundsätzen ausdrücken und erläutern. Auf diese Prin 
zipien können Parteien sehr wohl gegründet werden. Daß es dann mit 
der Bureaukratie der ständigen Beamten genau so gut Schwierigkeiten 
geben wird, wie heute, scheue ich mich nicht zu behaupten. Nur wird 
es dann viel deutlicher als jetzt zutage treten, daß diese Schwierigkei 
ten nicht dem Systeme, sondern dem Volkscharakter entspringen, der 
für das Walten dieses Systemes verantwortlich ist. Die Rechtsprechung 
wird nicht von gewählten, sondern von auserlesenen Personen gehand- 
habt werden, da der richtige Grundsatz, daß die Gerechtigkeit kein 
Gegenstand der Volksabstimmung sein kann, für einen sozialistischen 
Staat zu offenbar ist, als daß er abgewiesen werden könnte. Das Ge 
setz wird sich mehr mit dem öffentlichen Recht, als mit dem Privat 
recht befassen. Die ergiebigste Quelle von Prozessen wird wahrscheinlich 
eher das Recht auf Arbeit, als das Recht auf Eigentum und Besitz sein. 
Aber werden wir auch einen Monarchen haben? Hierüber haben 
die Utopisten viel spekuliert. Morelly, Godwin und Owen sagten: 
Nein; St. Simon, Fourier und Cabet antworteten mit: Ja. Dies wird 
von den Umständen, besonders von dem politischen Temperament der 
Staaten abhängen. In England wird wahrscheinlich die Macht der Le 
gislative eine Republik unnötig machen, es sei denn, der König schlüge 
sich auf die Seite der bedrohten Interessen. Doch glaube ich, daß diese 
Frage mehr durch beiläufige Ereignisse, als durch die Wirkung eines 
politischen Grundsatzes gelöst werden wird 1 . 
Noch eine andere zeitgenössische politische Erscheinung erfordert 
1 Auf dem Amsterdamer Kongreß erklärte Bebel, daß sich die deutschen Sozia 
lsten für eine französische Republik nicht die Schädel einschlagen ließen. Labri- 
da, der die Gesinnungen des extremen Flügels der italienischen Sozialisten zum 
Ausdruck brachte, vertrat die Meinung, daß sich die Klassenherrschaft in einer
	        
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