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Die bürgerlichen Redensarten über Familie und Erziehung, über das
traute Verhältnis von Eltern und Kindern werden um so ekelhafter,
je mehr infolge der großen Industrie alle Familienbande für die Prole
tarier zerrissen und die Kinder in einfache Handelsartikel und Ar
beitsinstrumente verwandelt werden.
Aber ihr Kommunisten wollt die Weibergemeinschaft einführen,
schreit uns die ganze Bourgeoisie im Chor entgegen.
Der Bourgeois sieht in seiner Frau ein bloßes Produktionsinstru
ment. Er hört, daß die Produktionsinstrumente gemeinschaftlich aus
gebeutet werden sollen und kann sich natürlich nichts anderes denken,
als daß das Los der Gemeinschaftlichkeit die Weiber gleichfalls
treffen wird.
Er ahnt nicht, daß es sich eben darum handelt, die Stellung der
Weiber als bloßer Produktionsinstrumente aufzuheben.
Übrigens ist nichts lächerlicher, als das hochmoralische Entsetzen
unserer Bourgeois über die angebliche offizielle Weibergemeinschaft
der Kommunisten. Die Kommunisten brauchen die Weibergemein
schaft nicht einzuführen, sie hat fast immer existiert.
Unsere Bourgeois, nicht zufrieden damit, daß ihnen die Weiber und
Töchter ihrer Proletarier zur Verfügung stehen, von der offiziellen Pro
stitution gar nicht zu sprechen, finden ein Hauptvergnügen darin, ihre
Ehefrauen wechselseitig zu verführen.
Die bürgerliche Ehe ist in Wirklichkeit die Gemeinschaft der Ehe
frauen. Man könnte höchstens den Kommunisten vorwerfen, daß sie
an Stelle einer heuchlerisch versteckten, eine offizielle, offenherzige
Weibergemeinschaft einführen wollten. Es versteht sich übrigens von
selbst, daß mit Aufhebung der jetzigen Produktionsverhältnisse auch
die aus ihnen hervorgehende Weibergemeinschaft, d. h. die offizielle
und nichtoffizielle Prostitution, verschwindet.“
All dieses ist sehr vage, jede Zeile und jeder Abschnitt trägt Spuren
einer renommistischen Schilderung, aber nicht einer sorgfältig durch
dachten Ordnung von Ursachen und Wirkungen, so wie es in der Ab
handlung über das Privateigentum an Grund und Boden mit Evidenz
hervortritt. Was sich von diesem Auszuge einzig und allein klar ab
hebt, ist, daß die Verfasser des Manifestes die Prostitution als das Er
gebnis des Kapitalismus nach seiner ökonomischen und moralischen
Seite hin betrachteten und daß sie ihre Gegner gerade der Sünden be-