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ist —, springt hier in die Augen. Die Entstehung der Familie aus dem
Stamme und der Ursprung des Privateigentums aus dem Gemeindeeigen
tum haben sich nicht gegenseitig verursacht, sondern sie sind von den
Lebenstrieben des Wachstums und der Ausdehnung in der Gesellschaft,
die auf Bildung des individuellen Rechtes und des Privatrechtes
drängten, gleichzeitig hervorgerufen worden. Der zeitliche Verfall der
einen Institution involviert deshalb nicht notwendig den Untergang
der anderen. Solche Entwicklungen schaffen sich ihre eigene Wirt
schaft, ihre eigene Moralität und ihre eigene Notwendigkeit. Ihren
groben, materiellen Wurzeln entsprießen feine, geistige Blüten; auf
dem festen, rauhen Fundamente erheben sich die himmelstrebenden
Gipfel und Türme göttlicher Gedanken. Jede vollzogene Tat und jede
vollendete Institution, ob sie nun etwas Gutes oder etwas Böses be
zweckten, bilden ein Zentrum von Kräften, die durch sie und auf sie
wirken, die sie verändern und ihnen unerwartete Bestimmungen geben;
die sie rechtfertigen oder verdammen, was niemand beabsichtigte, als die
Handlungen vorgenommen oder die Einrichtungen geschaffen wurden.
Eine Diskussion über den Ursprung eines Dinges ist oft die irrelevan
teste aller Erwägungen, wenn nach der Daseinsberechtigung dieser
Sache gefragt wird l .
Vom sozialistischen Standpunkt ist nun die Familie dem Staate
wesenhaft. Erstens hat die Erfahrung gezeigt, daß sie das beste
Übungsfeld für das Individuum ist, der Garten der Seele. Unvollkom
men wie alle menschlichen Dinge, entstellt, voller Narben und durch
den Kapitalismus grob und roh gemacht, wie es alle menschlichen Ein
richtungengewesen sind, ist die Familie als Pflegeanstalt und als Stätte
der Schulung, als eine moralische Disziplin und ein sozialer Einfluß,
unvergleichbar gewesen; nur dunkel werden ihre Möglichkeiten ge
ahnt. Hier walten die besten Umstände, das Kind mit dem bekannt
zu machen, was ihm seine Rasse an sozialer Erfahrung und sozialem
Verhalten vererbt hat, der Welt ein moralisches und soziales Wesen zu
übergeben, dessen Empfindung und Vernunft auf denselben Ton ab
gestimmt sind.
Von seinem eigenen sozialistischen Standpunkt aus hat sich aber der
1 Ich kann nicht umhin, die Aufmerksamkeit der Leser auf die faszinierenden
Untersuchungen M'Lennans, Frazers und Westermarks zu lenken, sollten sie
diese Werke noch nicht kennen. Sie zeigen uns, wie der gröbste Aberglaube zur
Grundlage von Gesetz, Moral und bürgerlicher Ordnung wurde.