Full text : Sozialismus und Regierung

50

plex  aktiver  politischer,  ökonomischer,  religiöser  Kräfte,  reich  an
Problemen;  sie  drängten  den  Menschengeist  dazu,  diese  Probleme  zu
studieren  und  ein  Verhältnis  zu  ihnen  zu  gewinnen.  Militärisch  und
wirtschaftlich  brach  das  Feudalsystem  zusammen.  Das  Schießpulver
war  berufen,  auf  Staatskunst  und  Kriegswissenschaft  denselben
Einfluß  auszuüben,  während  die  Erweiterung  des  Marktes,  auf  dem
sich  die  Waren  austauschten,  der  Herrschaft  des  grundbesitzenden
Adels,  nicht  minder  aber  auch  der  Weltherrschaft  des  Heiligen  Roms
eine  tödliche  Wunde  schlug.  Die  Befreiung  der  bürgerlichen  Klassen,
das  Anschwellen  der  Nonkonformistischen  Bewegung,  die  Politik
der  Tudor-  und  Stuartdynastien  entstammten  den  gleichen  Gesellschaftsbedingungen, ­
  deren  verschiedene  Ausdrucksformen  sie  waren,
riefen  die  Parteien  ins  Leben,  erzeugten  die  Lehrmeinungen,  erweckten
die  Vorkämpfer,  die  allesamt  in  diese  Zeiten  verwoben  waren.  Abälard,
  Scotus  Erigena,  Luther,  Wycliffe,  Roger  Bacon,  Hobbes,  Locke
und  die  übrigen  führenden  Geister  dieser  langen  Übergangsperiode
fanden  ihren  Stoff  und  ihre  Inspiration  in  ihrer  Gesellschaft,  sie  dienten
der  Menschheit  als  Dolmetscher.  Sie  erfüllten  den  Einzelnen  mit  dem
Bewußtsein  des  Zweckes  und  des  Planes  der  sich  vollziehenden
sozialen  Veränderungen.  Durch  ihre  Vermittlung  wurde  Ordnung
und  Zusammenhang  in  den  regellosen  sozialen  Willen  gebracht,  was
mit  anderen  Worten  nichts  anderes  heißt,  als  daß  die  Beziehungen
zwischen  den  Führern  und  der  Menge,  dem  Menschen  und  der  Gesellschaft, ­
  der  Partei  und  dem  Staate,  hergestellt  wurden.
Deshalb  muß  eine  klare  Vorstellung  vom  Wesen  des  allgemeinen
sozialen  Willens  in  seiner  Beziehung  zu  den  politischen  Parteien  und
den  Parlamentsmehrheiten  jeder  gewissenhaften  Spekulation  über  die
Art  und  Weise  voraufgehen,  wie  sich  die  Gesellschaft  durch  die  Tätigkeit ­
  ihrer  politischen  Funktionen  ausdehnt  und  wandelt.  Dieser  allgemeine ­
  Wille  ist  nicht  die  Übereinstimmung  der  Wähler  in  Programmfragen, ­
  nicht  der  Wille  aller  Einzelnen.  Die  Gesellschaft  hat,  als
Ganzes  genommen,  ererbte  Gewohnheiten,  Denkweisen,  Verhaltungsregeln, ­
  ihre  Ideen  und  ihr  praktisches  Handeln  werden  von  der  Tradition ­
  beeinflußt;  sie  hat  in  ihrem  Schoße,  gleich  einem  lebenden  Organismus, ­
  gewisse  Kräfte  und  Tendenzen  angesammelt.  Und  dieses
Vermächtnis  ist  der  allgemeine  Wille,  der  als  eine  Macht  gewertet
wird,  die  Veränderungen  herbeiführt  oder  sich  ihnen  entgegenstemmt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.