Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Eisen 
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Eisen 
eigneten Roheisens ist ferner ein hinreichender 
Mangangehalt. Wo dieser fehlt, muß man die 
Zuflucht zu Manganerzen nehmen, die aber all 
mählich knapp zu werden anfangen. Schließlich 
ist noch die Art des Zuschlages von den beglei- 
, tenden Gesteinsarten abhängig, d— Die meisten 
Eisenerze werden im natürlichen Zustande ver- 
jj schmolzen, doch ist es bei Spateisenstein vor 
zuziehen, denselben erst zu rösten, um die Kohlen 
säure z(i verjagen und auch einen etwa vorhande- 
' nen Schwefelgehalt zu vermindern. Auch sind 
vielfach Versuche gemacht worden, solche Vor 
kommen von Eisenerzen, welche wie im Rot 
hegenden nur 12—i3°/o Eisen enthalten und 
deshalb zur direkten Verhüttung im Hochofen zu 
eisenarm sind, durch geeignete Mittel (magneti- 
! sehe Aufbereitung, Waschverfahren) in Gangart 
und Eisenerz zu trennen, doch bietet die technische 
Durchführung manche Schwierigkeiten. Die Zu 
sammensetzung des weißen Roheisens wird in 
| der Regel von Ausschlag sein für die Wahl des 
Prozesses, durch welchen daraus Schmiedeeisen 
oder Stahl erzeugt werden soll. Die Umwandlung 
| in Schweißschmiedeeisen erfolgt entweder 
im Herd oder im Puddelofen (Herdfrischen bzw. 
Puddelfrischen oder Puddeln). Bei dem Herd 
frischen wird das Roheisen mit Holzkohlen- oder 
Holzfeuer unter scharfem Gebläsewind nieder- 
Seschmolzen, wobei ein Teil des Eisens sich 
oxydiert und der Kohlenstoff nach und nach 
verbrennt und schließlich ein Klumpen (Luppe) 
Schmiedeeisen von teigartiger Beschaffenheit ent 
geht, den rhan sofort unter Hämmern zur Ver 
richtung und Entfernung der Schlacke zu Stan 
gen oder Schienen ausschmiedet. Das durch 
I Herdfrischen erzeugte E. ist hart, körnig, zähe 
l| nd dicht, letzteres namentlich, weil es mit wenig 
Schlacke in Berührung kam. Es erfordert aber 
e m. sehr reines Roheisen, weil bei dem Prozeß 
Namentlich Phosphor und Schwefel nur zu ganz 
geringen Teilen ausscheiden. Auch kann man 
durch Herdfrischen nur kleine Eisenmengen ge- 
"onnen, und die Herstellungskosten fallen des 
teuren Brennmaterials wegen ebenfalls hoch aus. 
J vus diesen Gründen ist an den meisten Orten 
s chon seit langer Zeit das Puddeln oder Fl am- 
menfrisclven betrieben worden, wobei die Ver 
wendung ' geringwertiger Brennmaterialien und 
dje Erzeugung größerer Massen E., allerdings 
d'cht von gleicher Güte, möglich ist. Das Roh 
ren, das, wenn nötig, zuvor gefeint ist, wird in 
e metn mit flacher muldenförmiger Vertiefung 
Vßfsehenen Offen eingeschmolzen und mit viel 
cisenoxydoxydulhaltiger Schlacke bedeckt. Der 
Sauerstoff der letzteren verbrennt den Kohlen- 
s toff rj es Roheisens, doch ist beständiges Um- 
r ahren der geschmolzenen Masse mittels mecha- 
discher Rührvorrichtungen (Puddelmaschinen) 
öf r beweglicher Herde (mechanische Puddcl- 
„ te n) notwendig. Statt der früher benutzten 
„feinkohlen wendet man jetzt Leuchtgas oder 
le mens' Regenerativgas an, in Amerika auch 
etroleum oder selbst das Gas aus den Petro- 
eumqueiiejj ' Das E. ballt sich allmählich zu 
einen Brocken und Körnern zusammen, die 
an durch Rollen und Walzen zu größeren Lup- 
^ert von schwammartigem Aussehen vereinigt, 
|A r auf so f ort un t er besonderen Maschinen oder 
afnpfhämmern zur Entfernung der reichlich 
vorhandenen Schlacke verdichtet und unter Wal 
zen zu Rohschienen ausreckt. Die erpuddelten 
Rohschienen sind nie so dicht und ganz und 
schlackenfrei als die durch Herdfrischen ge 
wonnenen, sondern geben erst durch wiederhol 
tes Zusammenschweißen, Überschmieden oder 
Auswalzen ein brauchbares Schmiedeeisen. — 
Soll graues-I Roheisen mit einem Siliziumgehalte 
von über 3 ’/o zum Puddeln Verwendung finden, 
so muß dasselbe vorher in den „Feinherden“ 
oder im Flammofen gefeint werden. In beiden 
Fällen kommt auf die Herdsohle Koks, darauf 
das Roheisen, und darauf wird dann Gebläseluft 
geleitet. Die Verunreinigungen, vor allem Si 
lizium und Mangan. teilweise auch Schwefel, 
werden dadurch entfernt, und es entsteht „ge 
feintes“ oder „geläutertes“ E. Das Puddeln 
hat gegenwärtig nicht mehr die Bedeutung wie 
vor 40 oder 50 Jahren, da durch neuere Verfahren 
Flußschmiedeeisen und Flußstahl in großen Mas 
sen billig hergestellt werden, doch liefert Deutsch 
land auch heute noch ein anerkannt gutes 
Puddeleisen. Die Umwandlung des Gußeisens in 
Flußschmiedeeisen erfolgt in ähnlicher Weise 
wie die Herstellung des Flußstahles und wird 
dort erwähnt werden. Stahl kann außer auf dem 
anfangs geschilderten Wege der direkten Her 
stellung aus dem Erze entweder aus Roheisen 
durch Entkohlung oder aus Schmiedeeisen durch 
Kohlung hergestellt werden. Die Erzeugung aus 
Roheisen erfolgt entweder durch Frischen auf 
dem Herde oder im Puddelofen, wie bei Schweiß 
eisen beschrieben, oder dadurch, daß atmosphäri 
sche Luft in zahlreichen Strahlen durch geschmol 
zenes E. hindurchgetrieben wird (Bessemern), 
oder endlich dadurch, daß man in flüssiges Roh 
eisen Bestandteile einträgt, welche eine Entkoh 
lung herbeiführen. — Das Herdfrischen des 
Stahles, das namentlich noch in Steiermark, 
Karaten, Siegen und in Schweden in Gebrauch 
ist. setzt gutes, reines Roheisen und billige Holz 
kohlen voraus. Es liefert einen ganz vorzüglichen 
Stahl, der auf die weiter unten anzugebenden 
Methoden raffiniert werden muß, um ein mög 
lichst gleichförmiges Gefüge zu erhalten. Der 
durch Herdfrischen oder Puddeln gewonnene 
Stahl ist also Schweißstahl. Für die Herstellung 
großer Massen Stahl hat das Bessemern die 
größte Bedeutung. Stark mangan- und silizium 
haltiges Roheisen wird in einem Kupolofen 
hitzig niedcrgeschmolzen, wobei es bereits eine 
Raffinierung erfährt, und dann in ein birnen 
förmiges Gefäß (Konverter) eingelassen, dessen 
Boden mit zahlreichen feinen Windkanälen ver 
sehen ist. Die Birne muß vorgewärmt sein, 
damit keine zu starke Abkühlung des flüssigen 
Eisens erfolgt. Ein kräftiges Gebläse treibt Luft 
durch die flüssige Masse, wobei durch Verbrennen 
des Kohlenstoffs, Siliziums usw. eine so hohe 
Temperatur entsteht, daß selbst E. von ganz 
geringem Kohlenstoffgehalt noch flüssig bleibt. 
Bei der englischen Bessemermethode wird 
das Roheisen fast ganz entkohlt und durch 
Zusatz von flüssigem weißen Roheisen (Spiegel 
eisen) nach Beendigung des Blasens in Stahl ver 
wandelt. Der Zusatz des Spiegeleisens, eines bis 
20 % Mangan enthaltenden Roheisens, hat über 
dies den Zweck, den am Ende des Prozesses in 
dem Eisen gelösten Sauerstoff zu entfernen. Soll
	        
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