Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Eisen

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Eisen

sehr  guten  Stahl,  weil  das  beste  Schweißeisen
verwendet  wird  und  während  des  ganzen  Prozesses ­
  bei  gehöriger  Vorsicht  keine  Gelegenheit
findet,  Verunreinigungen  aufzunehmen.  Schweißschmiedeeisenstäbe
  werden  in  feuerfeste  Kästen
mit  Buchenholzkohle  verpackt  und  unter  Luftabschluß ­
  einer  starken  (zuweilen  bis  14  Tage)
andauernden  Glühung  unterworfen.  Der  Kohlenstoff ­
  aus  der  Verpackung  dringt  allmählich  in
•das  Schmiedeeisen  ein,  und  es  entsteht  der
Brenn-  oder  Zementstahl.  Die  rohen  Zementstahlstangen ­
  sind  nicht  verwendbar,  da  sie  mit
zahlreichen  Rissen  und  Blasen  bedeckt  sind,  und
außen  und  innen  verschiedenen  Kohlenstoffgehalt
zeigen.  Die  zur  Verdichtung  und  gleichmäßigen
Verteilung  des  Kohlenstoffes  erforderliche  Raffinierung ­
  geschieht  wie  bei  allen  in  ungeschmolzenem ­
  Zustande  erhaltenen  Stahlsorten  (auch  dem
Herd-  und  Puddelstahle)  entweder  durch  das
Garben  oder  durch  Einschmelzen.  Zum  Garben ­
  schweißt  man  eine  Anzahl  zu  einem  Bündel
(Garbe)  vereinigter  Rohstahlstangen  unter  dem
Hammer  zusammen,  streckt  sie  zu  Stäben  aus
und  schneidet  diese  in  Stücke  von  gleicher
Länge,  mit  we  chen  der  Prozeß  wiederholt  wird.
Das  Gärben  ist  also  ein  intensives  Durchkneten
des  Stahles,  wodurch  die  Teile  von  verschiedenem ­
  Kohlenstoffgehalt  miteinander  in  Berührung
kommen  und  ausgleichend  aufeinander  wirken.
Weit  vollkommener  wird  dieses  Ziel  erreicht,
wenn  man  die  Rohstablstangen  in  Tiegeln  unter
Luftabschluß  einschmilzt.  Hierdurch  erhält  man
den  eigentlichen  Guß  stahl,  welcher  nach  der
neueren  Klassifikation  als  Zementflußstahl  bezeichnet ­
  werden  muß,  während  der  durch  Gärben
raffinierte  Zementstahl  als  Zementschweißstahl ­
  zu  bezeichnen  ist.  Der  Gußstahl  bildet  die
geschätzteste  Stahlsorte,  welche  überall  da  verwendet ­
  wird,  wo  ganz  besondere  Zähigkeit  und
Festigkeit  oder  scharfe,  lang  stehende  Schneide,
oder  endlich  größte  Politur  wünschenswert  ist.
Leider  gestaltet  sich  die  Herstellung  größerer
Stücke  aus  Gußstahl  ziemlich  schwierig  und  teuer,
da  die  von  zwei  Mann  getragenen  Tiegel  nur
2 S—30  kg  Stahl  fassen,  und  zur  Herstellung  von
viele  Zentner  schweren  Blöcken  zu  Geschützen,
Walzen  usw.  Hunderte,  ja  zuweilen  mehr  als
tausend  Tiegel  in  einer  Folge  bis  zur  Vollendung
des  Gusses  zu  leeren  sind.  Dies  ohne  Störung  zu
bewerkstelligen,  ist  eine  der  staunenswertesten
ll nd  unübertroffenen  Leistungen  unserer  bedeutenden ­
  deutschen  Stahlwerke  (Krupp,  Bochum
"sw.).  Die  neuzeitlichen  Verfahren  zur  Gewinnung
schmiedbaren  Eisens  lassen  sich  mit  P.  Goetens
  und  K.  Quasebart  in  folgende  Übersicht
bringen:
Wiudfrischverfahren  im  sauren  im  basischen  Ofen
Siemens-Martin  verfahren  „  „
wlektroverfahren  „  „
Tiegelverfahren.
Vorteile  und  Nachteile  eines  jeden  Verfahrens
sind  in  obigem  meist  kurz  aufgeführt,  im  allkenteinen
  führen  die  billiger  arbeitenden  Verfahren ­
  auch  zu  einer  weniger  wertvollen  Ware,
Man  ist  daher  vielfach  zu  einer  Kombination  zweier
°fen  übergegangen.  —  Am  Schlüsse  dieser  Skizzier
 üng  der  wichtigsten  Darstellungsarten  des  lechntschen
  Eisens  sei  erneut  darauf  hingewiesen,
naß  schon  das  Altertum  gutes  Schmiedeeisen

und  guten  Stahl  besaß  und  diesen  durch  die
Rennarbeit  direkt  aus  dem  Erze  herstellte.  Daß
die  alte  Rennarbeit  heute  nicht  konkurrieren
kann,  liegt  an  dem  verschwenderischen  Verbrauch ­
  an  bestem  Rohmaterial  (beste  Erze  und
Holzkohle)  und  an  Menschenkraft.  Die  Frage,  ob
die  Herstellung  von  Schmiedeeisen  und  Stahl
durch  Umgestaltung  der  Rennarbeit  im  modernen ­
  Sinne  wieder  wird  leistungsfähig  gemacht
werden  können,  erfährt  recht  verschiedene  Beurteilung. ­
  In  einem  hier  mehrfach  benutzten  Bericht ­
  über  die  Fortschritte  des  Eisenhüttenwesens
von  Wedding  wird  sie  rundweg  verneint,  während ­
  Carl  Otto  für  Länder  mit  jüngerer  Mineralkohle ­
  die  Rückkehr  zum  alten  Verfahren  voraussagt. ­
  —  Beschreibung  der  Eisensorten.  —
Selbstredend  können  an  dieser  Stelle  nicht  alle
im  Handel  vorkommenden  Eisensorten,  die  je
nach  der  Art  der  Herstellung  oder  der  Verwendung ­
  verschiedene  Namen  führen,  verzeichnet
werden.  Vielmehr  sei  hier  nur  eine  Charakteristik ­
  der  Hauptsorten  gegeben.  Roheisen,
leicht  schmelzbar  und  nicht  schmiedbar,  wird
nach  seiner  Farbe  in  graues  und  weißes  Roheisen
eingeteilt.  Chemisch  unterscheiden  sich  beide
Sorten  dadurch,  daß  bei  der  erstgenannten  der
Kohlenstoff  zumeist  graphitartig  abgeschieden,
bei  der  anderen  aber  chemisch  gebunden  ist.  —
Graues  Roheisen.  Da  Silizium  die  graphitartige ­
  Abscheidung  befördert,  so  wird  mit  zunehmendem ­
  Siliziumgehalt  die  Färbung  immer
dunkler.  Lichtgraueisen  enthält  0,5  °/p,  Graueisen ­
  bis  3%,  Schwarzeisen  bis  5°/o  Silizium.
E.  mit  höherem  Gehalte  wird  Ferrosilizium
genannt.  Graues  Roheisen  erscheint  stets  mehr
oder  weniger  grobkörnig  oder  auch  bei  dunkleren
Sorten  kleinblätterig  oder  schuppig,  aber  nie
faserig  oder  strahlig.  Es  ist  weich  und  läßt  sich
mit  den  gewöhnlichen  Schneidewerkzeugen  leicht
bearbeiten.  —  Weißes  Roheisen.  Da  Mangan
die  graphitartige  Abscheidung  des  Kohlenstoffs
hemmt,  so  ist  alles  stärker  manganhaltige  Roheisen ­
  hell.  Bei  der  bereits  hervorgehobenen
Bedeutung  des  Mangans  für  die  Herstellung  von
Schmiedeeisen  und  Stahl  ist  die  Einteilung  des
weißen  Roheisens  nach  dem  Mangangehalte  gerechtfertigt: ­
  Weißkorn  hat  bis  1,5%,  Weißstrahl ­
  bis  4,5  °/o,  Spiegeleisen  bis  200/0,
Ferromangan  über  20%.  Der  Bruch  zeigt
feinkörniges,  strahliges  oder  großblättriges  Gefüge, ­
  letzteres  besonders  bei  dem  Spiegeleisen,
das  den  Namen  von  den  großen  spiegelnden  Flächen ­
  erhalten  hat.  Das  weiße  Roheisen  ist  in
jedem  Falle  bedeutend  härter  als  das  graue,  einzelne ­
  Sorten  lassen  sich  mit  der  Feile  gar  nicht
mehr  bearbeiten.  Das  graue  Roheisen  kommt
immer  in  Form  von  Gänzen,  das  weiße  auch  als
Flossen  oder  als  Masseln  in  den  Handel.  -—
Halbiertes  Roheisen  heißt  ein  Gemenge  von
grauem  und  weißem  Roheisen.  Man  bezeichnet
dasselbe  als  schwach  halbiert,  wenn  das  graue,
als  stark  halbiert,  wenn  das  weiße  vorwaltet.  —
Zu  Gußwaren  wird  meist  das  graue  Roheisen
benutzt,  denn  das  weiße  erstarrt  beim  Erkalten
mit  stumpfen  Ecken  und  konkaver  Oberfläche,
während  das  dünnflüssigere  graue  die  Formen
mit  großer  Genauigkeit  ausfüllt  und  ebene  Flächen ­
  als  solche  wiedergibt.  —  Welche  von  beiden
Eisensorten  im  Hochofen  entsteht,  ist  abhängig
            
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