Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Eisen

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Eisen

ein  besonders  kohlenstoffarmer  schmiedbarer  Stahl
hergestellt  werden,  so  wird  statt  des  Spiegeleisens ­
  Ferromangan,  ein  über  20%  Mangan
haltendes  Roheisen,  verwandt.  Bei  der  schwedischen ­
  Methode  treibt  man  die  Entkohlung
nur  so  weit,  daß  direkt  Stahl  entsteht.  Das
jetzt  fast  allgemein  benutzte  englische  Verfahren
ist  zwar  meist  etwas  teurer,  gewährt,  aber  einen
weit  sicherem  Erfolg.  —  In  dem  Bessemerverfahren ­
  war  eine  Methode  gegeben,  aus  Roheisen  mit
höchstens  0,1  °/o  Phosphor  schnell  große  Mengen
von  brauchbarem  Stahl  und  Schmiedeeisen  zu
gewinnen,  bei  höherem  Phosphorgehalte  muß
das  Verfahren  von  Sydney  Gilchrist  Thomas
angewandt  werden,  nach  dem  noch  Roheisen  mit
1,5—3  0/0  Phosphor  in  der  Bessemerbirne  brauchbaren ­
  Stahl  liefert.  Der  Konverter  des  eigentlichen ­
  Bessemerprozesses  besteht  aus  Eisen,  das
mit  einer  feuerfesten,  aus  Quarz  und  Ton  hergestellten ­
  Masse  ausgefüttert  ist.  Thomas  verwendet ­
  nun  statt  dieses  „sauren“  Futters  ein
solches  aus  basischem  Material,  das  er  durch
starkes  Glühen  von  Dolomit  oder  Magnesit  und
Vermengen  des  erhaltenen  Erzeugnisses  mit  einem
Bindemittel  (Wasserglas-Steinkohienteer,  g.wann.
Die  sich  erst  am  Schlüsse  des  Oxydationsprozesses
bildende  Phosphorsäure  wird  dadurch  gebunden
und  dem  Eisen  entzogen,  die  erzeugte,  leicht  lösliche ­
  Phosphorsäure  enthaltende  Schlacke  aber
als  gutes  Düngemittel  an  die  Landwirte  verkauft
(Thomasschlacke).  —  Dieses  Verfahren  ist  gerade ­
  für  die  deutsche  Eisenindustrie  von  größter
Bedeutung,  da  viele  deutsche  Roheisen  Phosphor
enthalten  und  bei  dem  ursprünglichen  Bessemerverfahren ­
  nur  Stahl  geringerer  Güte  liefern.
Weder  für  den  sauren,  noch  für  den  basischen
Birnenprozeß  eignen  sich  Roheisen  mit  mittlerem
Phosphorgehalt.  Für  den  basischen  Prozeß  tritt
noch  die  Forderung  hinzu,  daß  das  Eisen  manganhaltig
  und  möglichst  frei  von  Silizium  (höchstens
o,s  0/0  I)  sei,  während  beim  sauren  Prozeß  siliziumhaltiges ­
  graues  Roheisen  bevorzugt  wird.  —  Die
Bildung  von  Stahl  durch  Zusammenschweißen
von  Roheisen  mit  sauerstoffabgebenden  Körpern
hat  ebenfalls  zu  einer  Reihe  von  Verfahren  Anlaß ­
  gegeben.  Der  sog.  Erz-  oder  Uchatiusstahl
  wird  durch  Zusammenschmelzen  von  Roheisen ­
  mit  Eisenerz  in  Tiegeln  hergestellt.  Nach
dem  ähnlichen  Siemensprozeß  schmilzt  man
in  einem  besonderen,  mit  vorgewärmtem  Luft-Gasgemisch
  arbeitenden  Flammofen  Roheisen,
setzt  dann  reine  Eisenerze  (Roteisenerz  mit  wenig
Gangart)  zu  und  bringt  durch  Rühren  eine  vollkommene ­
  Mischung  der  Flüssigkeit  zustande
Beim  Martinprozeß  wird  der  Siemenssche
Flammofen  dazu  benutzt,  Roheisen  mit  Schmiedeeisen ­
  zusammenzuschmSlzen,  und  zwar  soll  dabei
hauptsächlich  Schrott,  d.  h.  unbrauchbar  gewordene ­
  Schmiedeeisengegenstände,  wie  alte
Eisenbahnschienen,  altes  Bergbauwerkzeug  usf.,
Verwendung  finden.  Die  Erfahrung  hat  aber
gelehrt,  daß  auf  diese  Weise  nicht  ohne  weiteres ­
  ein  guter  Stahl  vom  berechneten  mittleren
Kohlenstoffgehalte  erzeugt  werden  kann,  sondern ­
  daß  die  Unreinheiten  des  Roheisens  (Silizium, ­
  Mangan,  Phosphor)  erst  durch  Oxydation
entfernt  werden  müssen.  Diese  Oxydation  geschieht ­
  zwar  teilweise  durch  den  Rost  des  Schrottes ­
  und  den  überschüssigen  Sauerstoff  der  Flammen, ­

  muß  aber  meist  durch  Zusatz  von  Oxyden  I
(Erz  oder  Hammerschlag)  vervollständigt  werden.
Dadurch  werden  die  beiden  letztgenannten  Verfahren ­
  zu  dem  Siemens-Martin-Prozeß  vereinigt. ­
  Das  reine  Siemensverfahren  wird  hauptsächlich ­
  dort  angewandt,  wo  reine  Eisenerze
leicht  zu  haben  sind,  Während  Schrott  fehlt,  die
Regel  ist  aber  die  kombinierte  Methode.  —  Der
Martin-  und  der  Bessemerprozeß  unterscheiden
sich  wesentlich  dadurch,  daß  letzterer  ohne  Wärmezuführung ­
  ausgeführt  wird,  während  ersterer  im
Gegenteil  recht  erhebliche  Mengen  gasförmigen
Brennstoffs  erfordert,  dafür  besitzt  ersterer  aber  1
einige  andere  Vorteile.  Im  Martinprozeß  kann
alles  das  Roheisen  Verwendung  Enden,  das
weder  für  den  sauren  noch  für  den  basischen
Birnenprozeß  geeignet  ist.  Der  Flammofen  gestattet ­
  weiter,  jederzeit  Proben  zu  entnehmen  und
durch  Feststellung  des  Phosphor-  und  Schwefelgehaltes ­
  den  Betrieb  zu  regeln.  Schließlich  ist  I
die  gute  Verwertung  des  an  sich  geringwertigen
Schrottes  zu  nennen.  Von  größtem  Vorteile  würde
allerdings  die  Gestaltung  des  Prozesses  zu  einem
dauernden  sein,  wozu  bereits  erfolgversprechende  I
Versuche  gemacht  worden  sind.  Nach  Bertrand  I
und  Thiel  soll  das  Roheisen  im  Flammofen  nur
teilweise  durch  Erzzuschlag  von  seinen  Verunreinigungen ­
  befreit  werden,  die  volle  Reinigung ­
  und  Fertigstellung  des  Erzeugnisses  aber  in  I
Feinöfen  (s.  o.)  geschehen.  Beim  Talbot-  sowie  I
Häntkeprozeß  soll  von  Zeit  zu  Zeit  ein  Teil
des  flüssigen  Eisens  abgegossen  und  sogleich  |
neues  Material  in  den  Ofen  eingesetzt  werden.  Das  |
Zusammenschmelzen  von  Roheisen  mit  Schmiedeeisen ­
  zur  Erzeugung  von  Stahl  ist  für  das  erst-  I
genannte  Material  ein  Entkohlungs-,  für  das  letz-  I
tere  ein  Kohlungsverfahren.  Um  1900  gelang  I
die  Erfindung  wirtschaftlich  arbeitender  elektrischer
  Öfen  zur  Überführung  von  Roheisen  in  Stahl,  I
und  zwar  auf  drei  mehr  oder  weniger  voneinander  I
abweichenden  G,rund’agen.  Stassano  erhitzt  I
durch  die  Strahlung  eines  oberhalb  des  Eisenbades
übergehenden  Lichtbogens,  Heroult  führt  den  I
Lichtbogen  durch  das  Eisenbad  selbst;  Kjellin
aber  erzeugt  einen  Induktionsstrom  in  dem  in
einer  Rinne  befindlichem  Bade.  Als  Abarten
des  PIeroultschen  Verfahrens  sind 1  zu  nennen
das  von  Girod,  von  Chaplet,  von  Keller  und
das  von  Nathusius.  Letzteres  unterscheidet  sich  I
insofern  wesentlicher  von  den  übrigen,  als  die
Bodenelektroden  durch  eine  Magnesitmasse  voneinander ­
  getrennt  sind,  die  bei  hoher  Temperatur
genügend  leitend  wird,  um  eine  Bodenerwärmung
hervorzubringen.  —  Eine  Verbesserung  des  Kjel-  I
linofens  ist  der  Röchling  -  Rodenhausersche,
  welcher  zwei  oder  drei  der  ersteren  zu
einem  Herde  vereinigt  und  damit  ein  wesentlich
bequemeres  Arbeiten  gestattet.  —  Der  große
Vorteil  des  Elektroofens  gegenüber  dem  Martin-Siemens-Ofen
  liegt  in  4 er  Vermeidung  von
Heizgasen,  die  bei  der  letzteren  besonders  bei  der
Desoxydation  und  der  Kohlung  sowie  während
des  Abstechens  einer  Charge  oxydierend  und  damit ­
  schädlich  wirken.  Der  elektrische  Ofen
eignet  sich  also  zur  Herstellung  besonders  guten  |
Stahles,  während  er  für  die  Herstellung  geringerer ­
  Ware  der  hohen  Heizkosten  wegen  wenig  I
geeignet  erscheint,  —  Stahldarstellung  aus
Schweißeisen.  Dieses  Verfahren  liefert  einen  I
            
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