Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Eisen 
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Eisen 
vom Silizium- und Mangangehalt, aber auch, 
wenigstens zum Teil, von der Temperatur des 
Hochofens und von der Art der Abkühlung. Sili 
zium- und manganarmes Roheisen läßt sich in 
beiden Formen gewinnen, da sich bei rascher 
Abkühlung die weiße Sorte bildet, während bei 
langsamer Abkühlung die Kohle Zeit findet, sich 
graphitartig auszuscheiden. Schmilzt man sili 
ziumreicheres Roheisen, so bildet sich lediglich 
eine Kruste von glashartem weißen Roheisen, 
die, bei guter Ausführung, allmählich strahlig in 
das die Form a'usfüllende graue Roheisen über 
geht. Diese Eigentümlichkeit hat zuerst das 
Grusonwerk zu Buckau technisch zum „Hart 
guß“ (Schalenguß, Kapselguß) angewandt, in 
dem es das geschmolzene Roheisen in metallene 
Formen goß, welche das Eisen außen schnell 
erstarren lassen. Auf diese Art werden Walzen, 
Reifen für Eisenbahnräder, Schienenkreuzungen, 
Geschosse für Artillerie usf. hergestellt. Bei sol 
chen Waren, die nur zum Teil mit harter Ober 
fläche versehen sein sollen, z. B. Walzen, an denen 
die Zapfen bearbeitbar bleiben müssen., wird die 
Form entsprechend aus Metall und anderem 
Material (z. B. Lehm) zusammengesetzt. — An 
dieser Stelle sei auch die Umwandlung guß 
eiserner Waren in schmiedeeiserne durch Glühen 
mit oxydierenden Stoffen erwähnt, wobei die 
Oxydation, von den Berührungsflächen ausgehend, 
nach und nach ins Innere der Metallstücke und 
bis zur fast vollständigen Entkohlung vorschreitet. 
Als Ausgangsmaterial benutzt man weißes Roh 
eisen, dessen Silizium- wie auch Mangangehalt 
o,6 % nicht überschreitet und dessen Kohlenstoff 
gehalt etwa 3—3,5 o/o betragen darf, als Oxyda 
tionsmittel meist gepulverten Roteisenstein (Glüh 
frischen). Schmiedbares Gußeisen kann nur dann 
mit Schmiedeeisen konkurrieren, wenn die Kosten 
der Formgebung für das Schmiedeeisen im Ver 
hältnis zu seinem Gewicht einigermaßen hoch 
sein würden, so einerseits für komplizierte For 
men. anderseits für kleinere Stücke von geringer 
Dicke (Schloßteile, Gewehr- und Nähmaschinen 
teile. Schlüssel, Kettenglieder und zahlreiche 
kleine Maschinenteile). Manche dieser Massen 
artikel erfahren keine weitere Behandlung, viele 
nur durch Schleifen und Polieren, wobei sie in 
folge der feinkörnigen Struktur eine bessere 
Politur als das Schmiedeeisen annehmen. Eine 
Abart dieses Verfahrens ist der Temperguß 
(im engeren Sinne), bei dem Roheisen mit Stahl 
abfällen zusammengeschmolzen, und das sich da 
bei bildende W'eiße Roheisen in Formen gegossen 
wird. — Schweißschmiedeeisen, im gewöhn 
lichen Verkehr meist Stabeisen oder Schmiede 
eisen genannt, ist das Erzeugnis des Frisch- und 
Puddelprozesses. Die gewonnenen Luppen er 
halten unter dem Hammer oder Walzen Stab 
form und führen nun die Bezeichnung Roh 
schienen, die als Halbfabrikat auch im Handel 
Vorkommen. Sie werden durch ein- oder mehr 
maliges Umschweißen und Ausrecken unter dem 
Hammer oder Walzen raffiniert und liefern das 
Stabeisen. Gutes Schweißschmiedeeisen soll 
auf dem frischen Bruch bei weißer Farbe schwa 
chen und bei lichtgrauer Farbe starken Glänz 
und ferner hakiges oder sehniges Gefüge zeigen. 
Die einzige Ausnahme macht das Feinkorn 
eisen, ein hochkohliges, stahlartiges Schweiß 
eisen mit feinkörnigem, nie sehnigem Bruch und 
größerer Härte als gewöhnliches Schweißeisen, 
welches sich auch schwach härten läßt. Das 
Feinkorneisen wird seiner großen Widerstands 
fähigkeit wegen sehr geschätzt (Köpfe von Eisen 
bahnschienen usw.). Namentlich dient es auch 
zur Plerstcllung des Zemcntstahles in Steiermark 
und England, von denen letzteres aus Schweden 
Da.nemoraeisen in großen Massen bezieht. Das 
gewöhnliche Schmiedeeisen ist weich und ziemlich 
dehnbar, so daß man es kalt überschmieden und 
zu Draht ziehen kann. Dabei nimmt es aller 
dings an Härte und Dichtigkeit zu und an Dehn 
barkeit ab. Bei fortgesetzter Bearbeitung wird es 
sogar brüchig, kann aber durch Ausglühen so 
fort wieder in den natürlichen Zustand über 
geführt werden. In rotglühendem Zustande läßt 
sich Schweißeisen vorzüglich schmieden, im weiß- 
glühenden schweißen und infolge des teigartigen 
Zustandes selbst in komplizierte Formen pressen 
(Herstellung von Eisenbahnwagenrädern, Kolben, 
Kurbeln, Schraubenschlüsseln usw. durch Preß- 
schmieden). Die guten Eigenschaften des Schweiß 
eisens werden häufig durch fremde Beimengungen 
stark beeinträchtigt. Verbranntes und über 
hitztes, d. h. durch wiederholtes starkes Glü 
hen mürbe gewordenes E., das ein blättrig-schup 
piges Gefüge und starken Glanz zeigt, läßt sich 
durch Glühen unter Luftabschluß wieder ge 
brauchsfähig machen. — Qualitätsprüfung 
des Stabeisens: Einen recht guten, wenn auch 
nicht untrüglichen Anhalt gibt das Aussehen des 
Bruches. Außerdem läßt schon das äußere Aus 
sehen einen Schluß zu. Gutes Stabeisen muß 
reine glatte Oberfläche und scharfe Kanten 
zeigen und darf weder Kanten-, Quer- noch 
Längsrisse besitzen. Große Glätte, Glanz und 
blauschwarze Farbe der Oberfläche zeigen auf 
nassem Amboß überschmiedete Stäbe, die in 
folge dieser Bearbeitung etwas spröde sind. 
Leicht auszuführen sind auch folgende Proben: 
Man wirft den Stab aus großer Höhe auf eine 
harte Unterlage (Wurfprobe), oder läßt auf 
den frei an den Enden aufliegenden Stab ein 
Gewicht fallen (Schlagprobe). Bricht der Stab 
hierbei nicht, so ist das Eisen nicht kaltbrüchig. 
Man spannt den Stab in einen kräftigen Schraub 
stock ein, faßt das herausragende Ende mit 
einem langen Hebel, so daß zwischen diesem 
und dem Amboßmau! etwa io cm Stab frei 
bleiben, und biegt dieses Stück zunächst um go° 
nach der einen, dann umi8o° nach der anderen Seite 
und nun so fort bis zum Bruch. Hartes E. 
knistert und zittert dabei und bricht bald; wei 
ches läßt sich geräuschlos der Biegprobe unter 
werfen und hält bei gutem Material wohl 12—-15, 
ja zuweilen noch mehr Biegungen aus. Ganz 
schlechtes Material bricht bei dem ersten Zu 
rückbiegen. Dicke Stäbe brechen früher als 
dünne aus gleichem Material. Der Bruch er 
scheint nach der Biegprobe in der Regel sehnig 
und mehr oder weniger verquetscht und ver 
rieben, während ein reiner Bruch nur dadurch 
erhalten wird, daß man die Stange vorher ein 
haut oder einfeilt und dann kurz abbiegt. End 
lich ist noch die Schmiede- oder heiße Probe 
zu erwähnen, wodurch man Aufschluß darüber 
erhält, ob das E. rotbrüchig ist. Der Stab wird 
rotglühend flach ausgeschmiedet, scharf um
	        
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