Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Eisen 
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Eisen 
gebogen, gedreht oder besser gelocht und darf 
dabei keine Risse erhalten. — Handelssorten 
des Schweißschmiedeeisens. Unter Stab 
eisen versteht man in der Regel nur die Sorten 
mit flach rechteckigem (Flacheisen), mit qua 
dratischem (Quadrat- oder Vierkanteisen) 
und kreisrundem Querschnitt (Ründeisen). 
Bandeisen ist Flacheisen mit im Verhältnis zur 
Dicke großer Breite; Nageleisen (zur Nagel 
herstellung) kleines Vierkanteisen; Knopper 
eisen, geschmiedetes Vierkanteisen, welches 
deutlich die Eindrücke der Hammer- und Am 
boßbahn zeigt; Muttereisen mit sechs- oder 
achtkantigem Querschnitt. Alle anderen Eisen 
sorten werden als Fassoneisen bezeichnet, z. B. 
Winkeleisen 1_, T-Eisen T. Doppel-T-Eisen X, 
C-Eisen J_, L-Eisen, Kreuzeisen -j-, Fenster-, Ge 
ländereisen usw.; dann die Eisenbahnschienen 
in den verschiedensten Profilen. Die erstgenann 
ten Fassoneisen finden ausgedehnte Verwendung 
im Maschinen-, Schiff- und Brückenbau; neuer 
dings auch das I-Eisen mehr beim Hochbau 
zu Trägem an Stelle hölzerner Unterzüge und 
steinerner Wölbungen. Das Fassoneisen wird 
ausschließlich, das Stabeisen zum weitaus größ 
ten Teile durch Walzen hergestellt, und zwar 
die schweren Sorten im Grobwalzwerk, die fei 
neren im Feineisen- und Schnellwalzwerk. —• Im 
Kleinhandel wird das Stab- und Fassoneisen in 
Stangen oder Bunden nach Gewicht, im Groß 
handel hundertkilogrammweise oder die Tonne zu 
1000 kg verkauft. — Schweißstahl ist das Er 
zeugnis des Frisch- und Puddelprozesses und der 
durch Garben raffinierte Zementstahl. Guter Frisch 
und Puddelstahl muß auf dem Bruche feinkörnig 
und matt erscheinen,- gut schweißbar sein und 
beim Härten große Härte und Sprödigkeit an 
nehmen. Der rohe Stahl kommt unter dem’ 
Namen Rohstahl oder Motk in’geschmiedeten 
quadratischen Stangen in den Handel, die nach 
dem Aussehen des Bruches sortiert werden. Um 
das Brechen zu erleichtern, wirft man die Stäbe 
noch glühend in Wasser, wodurch der Stahl 
glashart wird und Querrisse annimmt, die Wasser 
eindringen lassen. Die Bruchfläche überzieht 
sich infolgedessen mit farbigen, konzentrischen 
Bingen (Rosen und Rosenstahl), die als Merk 
mal für harten, gefrischten und noch nicht raffi 
nierten Stahl gelten. Auch bei Puddel- und 
Brischstahl treten Faulbruch, Kaltbruch usw. 
a uf, doch mit Ausnahme des Rohbruches recht 
selten. Das häufigere Auftreten des letzteren be- 
ri, ht auf der Pierstellung im Herd- und Puddel- 
°fen, wobei die Entkohlung, nur schwer völlig 
Sieichmäßig bewirkt werden kann und der Stahl 
leicht noch sehr hochkohlige, dem Roheisen 
nahestehende Teile enthält. Die Qualitätsbestim- 
nmng ist bei Stahl viel schwieriger als bei 
Schmiedeeisen. Schlag- und Biegprobe sind nur 
bei den weichsten Marken anwendbar; der Bruch 
•nßt keinen sicheren Schluß auf die natürliche 
Karte, die Härtefähigkeit und das Verhalten im 
neuer zu (leichtes oder schweres Verbrennen) und 
nur ausgedehntere Versuche über Verarbeitungs- 
jnhigkeit, Härtefähigkeit und Festigkeitsversuche 
können eine sichere Qualitätsbestimmung herbei- 
öhren. Der gegärbte Zementstahl eignet sich 
®^mer verhältnismäßig großen Weichheit und 
Geschmeidigkeit wegen vorzüglich zu Sensen. 
Sicheln, Säbel- und Degenklingen usw. (Steier 
märker Sensen usw.). Ungegärbter Stahl kann 
nur zu ganz ordinären Gegenständen verwendet 
werden, da er zu porös ist. — Flußeisen ent 
steht durch den Bessemerprozeß ohne oder mit 
Zuhilfenahme des Thomas-Gilchristschen Ent 
phosphorungsverfahrens und kommt als rohe ge 
gossene, stumpf pyramidale Blöcke (Ingots), als 
Stab- oder Fassqneisen oder als Blech in den 
Handel. Die Ingots zeigen blätterigen oder stark 
grobkörnigen Bruch, die daraus durch Schmie 
den oder Walzen erzeugten Sorten ein sehr gleich 
mäßiges feinkörniges Gefüge mit mattem Glanz 
und etwas lichterer Farbe als Stahl. »Gutes 
Flußeisen ist sehr zähe und fest, die Zerreiß 
festigkeit liegt um 25—500/0 höher als bei gutem 
Schweißeisen, auch läßt es sich sehr gut schmier 
den und schweißen, aber nicht härten. Früher 
ging das Flußschmiedeeisen unter der Bezeich 
nung Bessemerstahl, und nur die angefügte Num 
mer ließ erkennen, daß man es mit einem weit 
entkohlten und deshalb nicht mehr härtbaren 
Erzeugnisse des Bessemerprozesses zu tun hatte. 
— Flußstahl. Hierher gehören der Bessemer 
stahl, der Martinstahl und der Gußstahl oder 
Tiegelgußstahl. Roher Flußstahl in Form von 
Ingots ist selten Handelsartikel. Er wird durch 
Schmieden oder Walzen verdichtet und in die 
Handelsformen gebracht. Der in großen Massen 
zu erzielende Bessemerstahl, worunter alle härt 
baren Erzeugnisse des Bessemerprozesses zu ver 
stehen sind, und Martinstahl werden hauptsäch 
lich zu Eisenbahnschienen, Trägern, Achsen, 
zu Blech- und Panzerplatten, in den härteren 
Marken auch zu einfachen ■ Werkzeugen, der 
Marlinstahl auch vorwiegend zu Fassonguß ver- 
ai beitet. Bessemerstahl ist schwerer schweißbar 
als andere Stahlsorten mit gleichem Kohlenstoff 
gehalt, was wohl in dem Vorhandensein eines 
größeren Gehaltes an Verunreinigungen begrün 
det sein mag. Der Tiegelgußstahl steht in 
der Qualität bedeutend höher als die genannten 
Sorten. Sein Bruch ist weit feinkörniger, von 
dunklerer Farbe und mattem samtartigen Glanz. 
Durch mehrmaliges Umschmelzen erhält er grö 
ßere Güte. Auch hat man versucht, durch be 
sondere Zusätze von Mangan, Wolfram, Nickel, 
Silber, Platin die Qualität zu erhöhen oder für 
besondere Zwecke bestimmte Eigenschaften zu 
erzielen. — Mushet- oder Wolframstahl ist 
sehr dicht und gleichförmig und von so großer 
natürlicher Härte, daß ein Härten nicht nötig ist. 
Silberstahl enthält nach den Untersuchungs 
resultaten kein Silber, sondern ist nur eine Guß 
stahlsorte vorzüglicher Qualität. Der Gußstahl 
findet Verwendung zu allen besseren und den 
feinsten Werkzeugen, chirurgischen Instrumenten, 
zu Geschützen, Walzen. Zur Qualitätsbestimmung 
dient das Aussehen des Bruches in Verbindung 
mit Schmiede- und Härteproben. Gußstahl läßt 
sich mit Schweißeisen zusammenschweißen, doch 
wachsen die Schwierigkeiten mit zunehmendem 
Kohlenstoffgehalt. Hochkohliger Gußstahl wird 
häufig als unschweißbar bezeichnet. — Von be 
sonderen Stahlsorten seien noch erwähnt: Wootz, 
eine aus Indien stammende, angeblich durch Zu 
sammenschmelzen von Schmiedeeisen und Kohlen 
entstandene Sorte, die große Härte annimmt und 
vorzüglich zu feinen .Schneidwaren geeignet ist.
	        
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