Eisen
103
Eisen
gebogen, gedreht oder besser gelocht und darf
dabei keine Risse erhalten. — Handelssorten
des Schweißschmiedeeisens. Unter Stab
eisen versteht man in der Regel nur die Sorten
mit flach rechteckigem (Flacheisen), mit qua
dratischem (Quadrat- oder Vierkanteisen)
und kreisrundem Querschnitt (Ründeisen).
Bandeisen ist Flacheisen mit im Verhältnis zur
Dicke großer Breite; Nageleisen (zur Nagel
herstellung) kleines Vierkanteisen; Knopper
eisen, geschmiedetes Vierkanteisen, welches
deutlich die Eindrücke der Hammer- und Am
boßbahn zeigt; Muttereisen mit sechs- oder
achtkantigem Querschnitt. Alle anderen Eisen
sorten werden als Fassoneisen bezeichnet, z. B.
Winkeleisen 1_, T-Eisen T. Doppel-T-Eisen X,
C-Eisen J_, L-Eisen, Kreuzeisen -j-, Fenster-, Ge
ländereisen usw.; dann die Eisenbahnschienen
in den verschiedensten Profilen. Die erstgenann
ten Fassoneisen finden ausgedehnte Verwendung
im Maschinen-, Schiff- und Brückenbau; neuer
dings auch das I-Eisen mehr beim Hochbau
zu Trägem an Stelle hölzerner Unterzüge und
steinerner Wölbungen. Das Fassoneisen wird
ausschließlich, das Stabeisen zum weitaus größ
ten Teile durch Walzen hergestellt, und zwar
die schweren Sorten im Grobwalzwerk, die fei
neren im Feineisen- und Schnellwalzwerk. —• Im
Kleinhandel wird das Stab- und Fassoneisen in
Stangen oder Bunden nach Gewicht, im Groß
handel hundertkilogrammweise oder die Tonne zu
1000 kg verkauft. — Schweißstahl ist das Er
zeugnis des Frisch- und Puddelprozesses und der
durch Garben raffinierte Zementstahl. Guter Frisch
und Puddelstahl muß auf dem Bruche feinkörnig
und matt erscheinen,- gut schweißbar sein und
beim Härten große Härte und Sprödigkeit an
nehmen. Der rohe Stahl kommt unter dem’
Namen Rohstahl oder Motk in’geschmiedeten
quadratischen Stangen in den Handel, die nach
dem Aussehen des Bruches sortiert werden. Um
das Brechen zu erleichtern, wirft man die Stäbe
noch glühend in Wasser, wodurch der Stahl
glashart wird und Querrisse annimmt, die Wasser
eindringen lassen. Die Bruchfläche überzieht
sich infolgedessen mit farbigen, konzentrischen
Bingen (Rosen und Rosenstahl), die als Merk
mal für harten, gefrischten und noch nicht raffi
nierten Stahl gelten. Auch bei Puddel- und
Brischstahl treten Faulbruch, Kaltbruch usw.
a uf, doch mit Ausnahme des Rohbruches recht
selten. Das häufigere Auftreten des letzteren be-
ri, ht auf der Pierstellung im Herd- und Puddel-
°fen, wobei die Entkohlung, nur schwer völlig
Sieichmäßig bewirkt werden kann und der Stahl
leicht noch sehr hochkohlige, dem Roheisen
nahestehende Teile enthält. Die Qualitätsbestim-
nmng ist bei Stahl viel schwieriger als bei
Schmiedeeisen. Schlag- und Biegprobe sind nur
bei den weichsten Marken anwendbar; der Bruch
•nßt keinen sicheren Schluß auf die natürliche
Karte, die Härtefähigkeit und das Verhalten im
neuer zu (leichtes oder schweres Verbrennen) und
nur ausgedehntere Versuche über Verarbeitungs-
jnhigkeit, Härtefähigkeit und Festigkeitsversuche
können eine sichere Qualitätsbestimmung herbei-
öhren. Der gegärbte Zementstahl eignet sich
®^mer verhältnismäßig großen Weichheit und
Geschmeidigkeit wegen vorzüglich zu Sensen.
Sicheln, Säbel- und Degenklingen usw. (Steier
märker Sensen usw.). Ungegärbter Stahl kann
nur zu ganz ordinären Gegenständen verwendet
werden, da er zu porös ist. — Flußeisen ent
steht durch den Bessemerprozeß ohne oder mit
Zuhilfenahme des Thomas-Gilchristschen Ent
phosphorungsverfahrens und kommt als rohe ge
gossene, stumpf pyramidale Blöcke (Ingots), als
Stab- oder Fassqneisen oder als Blech in den
Handel. Die Ingots zeigen blätterigen oder stark
grobkörnigen Bruch, die daraus durch Schmie
den oder Walzen erzeugten Sorten ein sehr gleich
mäßiges feinkörniges Gefüge mit mattem Glanz
und etwas lichterer Farbe als Stahl. »Gutes
Flußeisen ist sehr zähe und fest, die Zerreiß
festigkeit liegt um 25—500/0 höher als bei gutem
Schweißeisen, auch läßt es sich sehr gut schmier
den und schweißen, aber nicht härten. Früher
ging das Flußschmiedeeisen unter der Bezeich
nung Bessemerstahl, und nur die angefügte Num
mer ließ erkennen, daß man es mit einem weit
entkohlten und deshalb nicht mehr härtbaren
Erzeugnisse des Bessemerprozesses zu tun hatte.
— Flußstahl. Hierher gehören der Bessemer
stahl, der Martinstahl und der Gußstahl oder
Tiegelgußstahl. Roher Flußstahl in Form von
Ingots ist selten Handelsartikel. Er wird durch
Schmieden oder Walzen verdichtet und in die
Handelsformen gebracht. Der in großen Massen
zu erzielende Bessemerstahl, worunter alle härt
baren Erzeugnisse des Bessemerprozesses zu ver
stehen sind, und Martinstahl werden hauptsäch
lich zu Eisenbahnschienen, Trägern, Achsen,
zu Blech- und Panzerplatten, in den härteren
Marken auch zu einfachen ■ Werkzeugen, der
Marlinstahl auch vorwiegend zu Fassonguß ver-
ai beitet. Bessemerstahl ist schwerer schweißbar
als andere Stahlsorten mit gleichem Kohlenstoff
gehalt, was wohl in dem Vorhandensein eines
größeren Gehaltes an Verunreinigungen begrün
det sein mag. Der Tiegelgußstahl steht in
der Qualität bedeutend höher als die genannten
Sorten. Sein Bruch ist weit feinkörniger, von
dunklerer Farbe und mattem samtartigen Glanz.
Durch mehrmaliges Umschmelzen erhält er grö
ßere Güte. Auch hat man versucht, durch be
sondere Zusätze von Mangan, Wolfram, Nickel,
Silber, Platin die Qualität zu erhöhen oder für
besondere Zwecke bestimmte Eigenschaften zu
erzielen. — Mushet- oder Wolframstahl ist
sehr dicht und gleichförmig und von so großer
natürlicher Härte, daß ein Härten nicht nötig ist.
Silberstahl enthält nach den Untersuchungs
resultaten kein Silber, sondern ist nur eine Guß
stahlsorte vorzüglicher Qualität. Der Gußstahl
findet Verwendung zu allen besseren und den
feinsten Werkzeugen, chirurgischen Instrumenten,
zu Geschützen, Walzen. Zur Qualitätsbestimmung
dient das Aussehen des Bruches in Verbindung
mit Schmiede- und Härteproben. Gußstahl läßt
sich mit Schweißeisen zusammenschweißen, doch
wachsen die Schwierigkeiten mit zunehmendem
Kohlenstoffgehalt. Hochkohliger Gußstahl wird
häufig als unschweißbar bezeichnet. — Von be
sonderen Stahlsorten seien noch erwähnt: Wootz,
eine aus Indien stammende, angeblich durch Zu
sammenschmelzen von Schmiedeeisen und Kohlen
entstandene Sorte, die große Härte annimmt und
vorzüglich zu feinen .Schneidwaren geeignet ist.