Fichtenholz
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Filz
Pech, Resina oder Pix flava), ein durchsichtiges,
sprödes Harz von muscheligem Bruch entsteht.
Das echte Burgunderharz (Resina burgundia)
kommt aus Frankreich in spröden, schmutzig
gelben Stücken in den Handel. F. findet viel
seitige Verwendung zur Herstellung von Sei
fen, Pflastern, Kitten, Kolophonium und Pechen
(s. d.), zum Leimen von Papier und zum Pichen
von Fässern.
Fichtenholz (frz. Bois de pin, engl. Pinc-
wood), das Holz der Fichte oder Rottanne
(Picea vulgaris), gehört zu den weichen Höl
zern und ist weniger leicht spaltbar, aber fester,
dauerhafter und namentlich im Witterungs
wechsel haltbarer als Tannenholz. Es wird als
vorzügliches Bau- und Tischlerholz sowie als
Brennholz verwendet. Die Fichtenrinde be
nutzt man wegen ihres Gerbsäuregehaltes in
manchen Gegenden als Gerberrinde.
Fichfennadelextrakt (Kiefernnadelextrakt,
lat. Extractum pini silvestris, frz. Extrait de pin,
engl. Extract of pine) wird durch Auskochen
der Fichtensprossen und -nadeln als ein braun-
schwarzes, aromatisch riechendes Extrakt ge
wonnen, das zu Fichtennadelbädern bei Gicht
und Rheumatismus Anwendung findet. Auf ein
Vollbad rechnet man 150—500 Gramm.
Fichtennadelöl (Waldwollöl, lat. Oleum pini
silvestris seu abietis, frz. Essence d’aiguilles de
pin, engl. Pine oil) wird wie das analoge Kie
fern- und Tannennadelöl durch Wasser
dampfdestillation von Fichten- oder Kiefern
nadeln in Form einer farblosen oder hellgrün
lichen Flüssigkeit von aromatischem Koniferen
geruch gewonnen, die neben Pinen, Phellan-
dren, Dipenten und K ad inen als be
merkenswerten Bestandteil Bornylazetat (8 bis
1 o 0/0) enthält. F. ist kein eigentlicher Handels
artikel, an seiner Stelle wird meist Edeltannen
zapfenöl abgegeben, das hauptsächlich aus Li
monen besteht. Aus Rußland kommt das sog.
sibirische F., das aus den Nadeln und jungen
Zweigspitzen der sibirischen Edeltanne,- Abies
sibirica, gewonnen wird. Es ist durch einen
hohen Gehalt an Bornylazetat (30—400/0) aus
gezeichnet.
Fichtensamenöl, das in den Fichtensamen zu
25—30 0/0 enthaltene fette Öl kann nach v. T u-
beuf zur menschlichen Ernährung benutzt wer
den, da ihm bei dem Fehlen von Terpentin
blasen in der Samenschale kein Harzgeschmack
anhaftet. Das durch kalte Pressung gewonnene
goldgelbe öl von haselnußähnlichem Geschmack
hat eine Verseifungszahl von 19t und eine Jod
zahl von 173. Der Preis von 9 M. für 1 1 öl
läßt die Herstellung nur im Kriege lohnend er
scheinen.
Filizin wird durch Fällung von Farnkraul
extrakt mit Barytwasser und nachfolgende Zer
setzung mit Salzsäure dargestellt. Sein wich
tigster Bestandteil ist die Filixsäure, welche
durch Behandlung mit Azeton in kristallisiertem
Zustande erhalten werden kann, aber nur in
amorpher Form als wirksames Wurmmittel an
gewandt wird.
Filmaron wird aus Farnkrautexlrakt darge
stellt und im Gemisch mit Rizinusöl als Band
wurmmittel verordnet.
Films sind mit Bromsilbergelatine-Emulsion
übergossene Zelluloidblätter, die an Stelle der
Glasplatten in der Photographie benutzt wer
den. Sie haben vor letzteren den Vorzug der
Leichtigkeit, die ihre Mitnahme auf Reisen vor
teilhaft erscheinen läßt, geben aber weniger,
scharfe Bilder und sind bei der Aufnahme und
Entwicklung weniger gut zu handhaben. F.
kommen in Paketen als Film Packs und in
Rollenstreifen für 6—tz Aufnahmen in den
Handel. Für kinematographische Bilder werden
endlose Spulen benutzt.
Filz (frz. Feutre, engl. Feit) ist ein durch
mechanische Bearbeitung von Tierhaaren, ohne
Spinnen und Weben, hergestellter fest zusam
menhängender Stoff, dessen Entstehung darauf
beruht, daß die Haare im Gegensätze zu den
Pflanzenfasern nicht einfache glatte Röhrchen
sind, sondern unter dem Mikroskope eine rauhfr
Oberfläche, seien es tannenzapfenartig geord
nete Schuppen wie bei der Schafwolle, oder
feine, nach vorn gerichtete Spitzen wie beim
Biberhaar zeigen. Beim Drücken, Reiben und
Walken haften die Flaare an diesen Uneben
heiten fest zusammen, sie „verfilzen“, eine Eigen
schaft, die Schafwolle und Vigogne schon von
Natur besitzen, andere Haare nach der Behand
lung mit saurer Beize von Quecksilbernitrat,
wodurch sie rauh und gekräuselt werden, an
nehmen. Die wichtigste Verwendung findet der
Filz in der Hutfabrikation, die früher ausschließ
lich Handarbeit, jetzt mehr und mehr zum
Großbetriebe mit Maschinen wird. Als Aus
gangsmaterial der jetzt außer Mode gekomme-
nen zylinderförmigen Kastor hüte dienten frü
her ausschließlich Biberhaare, die auch jetzt
noch neben den Haaren von Bisamratten, Fisch
ottern, Vigogne und sog. Affenhaar (Nutria)
für feinere Waren entweder zur Bildung einer
feineren Außenschicht (Plattierung) oder im Ge
mische mit billigeren Haaren verarbeitet wer
den. Das gebräuchlichste Material der Massen
fabrikation bilden Hasenhaare, daneben solche
von Kaninchen, gröbere oder feinere Schaf
oder Lamrnwolle, Ziegen- und Kamelhaar. Be
sonders letzteres wird in Frankreich zu ge
wöhnlichen Hüten viel verbraucht. Hasenhaare
geben feinere Hüte als Kaninchenhaare. Alle
Haare werden zunächst sorgfältig sortiert, da
schon bei der gleichen Tierart Rückenhaare
höher geschätzt werden als solche von Brust
oder Bauch, und darauf durch Schlagen mit
Stäben auf geflochtenen Horden gelockert, von
Staub, Verunreinigungen und Stichelhaaren be
freit. Größere Fabriken bedienen sich hier be
sonderer, aus Krempel- und Blaswerk bestehen
der Maschinen, bei denen die in der Krempel
ganz fein zerzupften Haarmassen von dem Ge
bläse in einem geschlossenen Kanal fortgeführt
und so nach ihrer Schwere sortiert werden.
Auch für die sehr wichtige Mischung der ver
schiedenen Haarsorten sind besondere maschi
nelle Vorrichtungen (Krempeltrommeln) ge
schaffen worden. Die innig gemischte Haar
masse wird dann bei Handarbeit dem sog-
Fachen unterworfen, d. h. die für einen Hut
erforderliche abgewogene Menge wird auf einer
Horde mit einem besonderen Werkzeuge be-
arbeitet, das aus einem 2 m langen Holzbogen