Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Fingerhutblätter 121 Fische 
mit eingespannter Darmsaite besteht. Indem 
der Arbeiter die Bogensaite durch ein Schlag 
holz in dauernde Schwingungen versetzt, treibt 
er die Haare empor, die sich dadurch zu einer 
äußerst, lockeren Schicht übere nanderiegen. 
Diese sog. Fache, die aus den Maschinen be 
reits fertig als ein lockeres Band herauskommt, 
wird in zwei lose, dreieckige Lagen, wie sie für 
den gewünschten Hut erforderlich sind, zu 
sammengelegt und dann durch vielfaches schien 
bendes Drücken, Kneten und Rollen unter gleich 
zeitiger Anwendung von Wärme und Feuchtig 
keit verfilzt, bis sie zu einem sog. Stumpen, 
einer kegelförmigen Mütze, vereinigt werden 
können. Die letztere erhält durch Überziehen 
über hölzerne oder eiserne Formen in kräftigen, 
mit Dampf geheizten hydraulischen. Pressen die 
endgültige Form, die nach dem Trocknen be 
stehen bleibt. Zum Schluß folgt dann das Stei 
fen, das in einem Tränken mit Leim oder 
Schellack besteht, das Einfassen und Füttern. 
In ähnlicher Weise werden gröbere Filze für 
Schuhe, Stiefel, Socken, Filtrierbeutel herge 
stellt, doch bedient man sich hierzu neuerdings 
meist größerer Filz tafeln, die in besonderen 
Maschinen erzeugt werden. Zu ihrer Herstel 
lung wird in der Regel auf der Krempelmaschine 
eine Watte erzeugt und diese in mehrfachen 
Lagen auf einer Walkmaschine verfilzt. Die 
zum Teil aus farbiger Wolle gefertigten oder 
nachher gefärbten, bedruckten und appretierten 
Tafeln dienen zur Herstellung von Regenmänteln, 
Teppichen, Decken oder Futterstoffen, größere 
Tafeln von gröberem Gefüge, die mit Teer oder 
Asphalt getränkt sind, zur Dachbedeckung 
(Dachfilz), andere grobe Filze auch beim 
Schiffsbau als Unterfütterung für den Kupfer 
beschlag oder zur Ummantelung von Dampf 
zylindern und Dampfrohren als Wärmeschutz, 
Eine besonders feine Sorte bildet der Hammer- 
filz für Klaviere, der in besonderen Fabriken 
aus feinster Merinowolle hergestellt und schnee 
weiß gebleicht wird und in die Unterabteilun 
gen: Hammerfilz erster und zweiter Sorte so 
wie Dämpferfilz, roter und grüner Unterfilz, zer 
fällt. Durch Tränken von feinem Filz mit Firnis 
und Lackieren hergestellter Lackierfilz dient 
zu Mützenschirmen u. dgl. 
Fingerhutblätter (lat. Folia digitalis, frz. Feuil- 
fes de digitale, engl. Digitalis leaves) sind die 
Blätter einer über ganz Mitteleuropa verbreite 
ten, in Bergwäldern auf kalkhaltigem Boden 
wachsenden, stark giftigen, aber medizinisch 
benutzten Pflanze, Digitalis purpurea, die 
uicht selten auch in Gärten als Zierpflanze ge 
halten wird. Medizinisch verwendbar sind nur 
die von der zweijährigen wilden Pflanze wäh- 
r end der Blütezeit gesammelten und getrockne 
ten Blätter, die sich auch durch die stärkere 
Behaarung und andere Kennzeichen von denen 
der kultivierten unterscheiden lassen. Die ei 
förmigen, runzligen, unten weißfilzigen, doppelt 
gekerbten Blätter werden nach obenhin kleiner 
und ansitzend, während sie nach untenhin breit 
gestielt sind. Die roten Blüten sind schief 
glockenförmig und stehen in einer einseitigen 
weihe an dem aufrechten Blütenstengel. Die 
Pflanze hat frisch gerieben einen widerlichen 
Geruch und bitter scharfen Geschmack. Wirk 
same Bestandteile der Folia digitalis sind Di 
gitalin, Digitoxin u. a. Glykoside, alles starke 
Gifte, die medizinisch, namentlich bei Herz-: 
erkrankungen, verwendet werden. Präparate 
aus F. sind; Extractum und Tinctura digi 
talis sowie das Digitalin (s. d,). 
Firnis (Ölfirnis, lat. Vemisium, Vernix Lini, 
frz. Vernis, engl. Varnish). Mit diesem Namen 
belegt man ölige Flüssigkeiten, die, in dünner 
Schicht auf andere Körper übertragen, zu har-, 
ten, glänzenden, in Wasser unlöslichen Über 
zügen austrocknen und so zum Schutze gegen 
die Einwirkung von Luft und Feuchtigkeit; 
dienen. Als Ausgangsmaterial dienen trock-j 
nende Öle (s. d.), und zwar für die technische 
Ware in erster Linie Leinöl, während Nuß-, 
Hanf- und Mohnöle seltener, mehr bei der 
Kunstmalerei, benutzt werden. Die trocknenden 
Öle erhärten zwar ohne weitere Behandlung 
durch Sauerstoffaufnahme aus der Luft, da 
dieser Vorgang aber für die Praxis zu langsam; 
verläuft, so verwandelt man sie durch anhalten 
des Kochen mit etwas Bleiglätte, Mangansuper- 
oxyd, Manganohydroxyd oder Manganoborat 
in Ölfirnis, oder man stellt letzteren . wohl 
auch auf kaltem, Wege durch Vermischen von. 
Leinöl mit Sikkativen (s. d.) her. Die beson 
ders geschätzten gekochten Firnisse, die an der 
Erniedrigung der Jodzahl und des Glyzerin 
gehalts zu erkennen sind, werden meist als ge-, 
kochter und doppelt gekochter F. unterschieden, 
während die mit Mangan oder Bleiglätte her 
gestellten als Mangan-F. und Glätte-F. be 
zeichnet werden. Mischungen von F. mit Harzen, 
die sog. Lackfirnisse, sind im Abschnitt Lack, 
näher beschrieben. Die Güte eines F. richtet, 
sich nach seiner Trockenfähigkeit (höchstens, 
12—24 Stunden) und der Härte des trockenen 
Überzuges. Zusätze von Mineral- oder Harzöl,, 
Wollfettolein und anderen nicht trocknenden 
Ölen, die klebrige Überzüge bedingen, sind als, 
Verfälschung zu beurteilen. Leinölfirnis wird in 
großen Mengen hergestellt und teils für sich, 
teils mit Farbstoffen angerührt als teigförmige 
Ölfarbe verkauft. 
Firnisersalz. Unter dieser Bezeichnung wer 
den Mischungen von Tranfirnis mit Leinölfirnis, 
sowie von harzsauren Salzen des Mangans,, 
Bleis oder Kalks mit Mineralölen und Schwer-, 
benzin angeboten. Auch sind Lösungen von, 
Tinoxyn in Benzol mit Kolophonium und Mi 
schungen von Kumaronharz (s. d.) mit Stearin-; 
pech und Solventnaphtha in den Handel gelangt;: 
Sie können für manche Zwecke als Notbehelf 
dienen, geben aber meist klebrige Überzüge. , 
Firniskitt wird meist fabrikmäßig hergestellt, 
indem man ein Gemisch von Firnis und Kreide, 
durch Walzen gehen läßt. Er dient zum Ver 
kitten von Fensterscheiben, zum Auskitten von 
Holz usw. 
Fische (frz. Poisson, engl. Fish) bilden eines 
der wertvollsten stickstoffhaltigen Nahrungs 
mittel, welches an Nährwert dem Fleische der 
Säugetiere völlig gleichkommt, aber leider in 
Deutschland noch nicht genügend gewürdigt 
wird. Für den Massenverbrauch kommen ledig 
lich die Seefische in Betracht, die seit dem Auf 
blühen der deutschen Hochseefischerei und der 
Erleichterung der Eisenbahnbeförderung durch
	        
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