Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Flachs 
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Flammen 
auch kann eine Überröstung nicht so leicht ein- 
treten, aber der Prozeß dauert immer mehrere 
Wochen und verläuft weniger gleichmäßig. Bis 
weilen verbindet man beide Verfahren, indem 
man erst die Wasserröste anwendet und dann 
bei annähernder Gare mit der Tauröste schließt. 
Weit bequemer, zuverlässiger und rascher füh 
ren die neueren Methoden zum Ziele, bei denen 
die Auflockerung durch warmes Wasser oder 
durch Dampf erfolgt. Die geröstete Masse wird 
dann, am besten in der heißen Sonne, oder sonst 
in Trockenstuben bei gelinder Wärme, gut aus 
getrocknet, da höhere Temperatur, z. B. die des 
Backofens, die Haltbarkeit der Faser schädigt. 
Das nachfolgende Brechen, wobei die Stengel 
masse zerbröckelt wird -und stückweise abfällt, 
geschieht am unzweckmäßigsten auf der be 
kannten Flachsbreche, besser durch Schlagen 
der Stengel auf der Tenne mit dem sog. Bock 
hammer, einem gestielten Klotz, der auf der 
Schlagfläche riffelartig geschnitten ist, in den 
mit Maschinen arbeitenden . Flachsbereitungs 
anstalten durch geriffelte Walzenpaare. Das 
Schwingen bezweckt weiter das Abschla 
gen der noch anhängenden Stengelbruchstücke, 
deren letzte Reste sowie die Schalenteilchen 
schließlich durch das Hecheln entfernt werden. 
Hierbei sondern sich auch die zu kurzen Fasern 
als Hede oder Werg ab, während die längeren, 
die häufig noch zu mehreren bandförmig Zu 
sammenhängen, aus dieser Verbindung gelöst 
und vereinzelt werden. Je länger das noch viel 
fach mit der Hand, in Fabriken durch beson 
dere Maschinen ausgeführte Hecheln fortgesetzt 
wird, um so feinerer F., aber natürlich auch um 
so mehr Abfall an Werg wird erhalten. Durch 
schnittlich geben too kg lufttrockene Flachs 
stengel 9—io kg Reinflachs, 12—15 kg Werg 
und 75—80 kg Abfall. Das Werg kann eben 
falls zu Garn versponnen werden, nachdem es 
gleich der Baumwolle gekratzt oder kardiert 
worden ist. Der Wert des Flachses steigt mit 
seiner Länge, und gute Ware darf daher nicht 
viel Fasern enthalten, die nur 300 mm lang sind. 
Die bessere Haltbarkeit des Flachses im Ver 
gleich mit Baumwolle geht schon aus der mikro 
skopischen Betrachtung der Faser hervor, die 
nur eine sehr feine Höhlung, also eine stärkere 
Wandung zeigt und sich infolgedessen rund erhält, 
während die Baumwollfaser infolge ihres größe 
ren Lumens beim Trocknen zu einem flachen 
Bande zusammenfällt. Die mikroskopische Prü 
fung eines Leinengewebes gibt sicheren Auf 
schluß über Anwesenheit von Baumwolle. Feiner 
F. muß rein ausgehechelt, seidenartig glänzend, 
hell, weiß oder grüngelblich, gelblichgrau oder 
stahlgrau sein und sich mim, weich und glatt 
anfühlen. Die Länge der Faser wechselt von 
0,2—1,4 m, die Breite von 0,045—0,620 mm. 
Die Marktware soll frei von Oberhaut-, Paren 
chym- und Holzgewebe sein, durch Jod und 
Schwefelsäure sich blau färben, durch Kupfer 
oxydammoniak blau gefärbt und dann gelöst 
werden, auf Zusatz von schwefelsaurer Anilin 
lösung farblos bleiben und nicht mehr als 5,7 
bis 7,20/0 Wasser enthalten. Da der Wasser 
gehalt in feuchten Räumen bis 23 o/ 0 steigen kann, 
muß F. an kühlen Orten in Fässern oder Kisten 
und nicht stark geschichtet aufbewahrt werden, 
bei zu trockner Luft wird er ,brüchig und spröde, 
bei feuchter erhitzt ersieh zu sehr, bis zur Selbst 
entzündung. Gute Marktware soll längere Ze.it 
gelagert haben, sich „zu Seide liegen“, da-sie 
dadurch geschmeidiger wird. Als vorzüglichste 
Sorte gilt der lichtblaue, sehr zarte Irländer; 
der nur in England verbraucht wird, als zweite 
der holländische und belgische (flandri 
sche) und der von der Pikardie, der lang; 
glänzend, braun, weiß oder blond gehechelt, 
den teuersten und feinsten sog. Rame liefert. 
Dritte Sorten sind die langen und guten russi 
schen F., die nach Berkowitz zehnpudweise ver 
kauft werden. Im allgemeinen unterscheidet man 
sechs Hauptsorten mit Untersorten: Kronen 
flachs, Wrackflachs, D r eiban df 1 achis; 
Livländer (ungehechelt), Dreibandwrack- 
flachs oder Flachsheede und Rig-aer, mit 
zahlreichen Untersorten. Unter den flachsbauen-i 
den Ländern steht Rußland hinsichtlich der 
Größe der Erzeugung und Ausfuhr so sehr 
obenan, daß es die Preise- des Weltmarktes be 
stimmt. Als weitere Ausfuhrländer kommen nur 
noch Polen, die preußischen Ostseeprovinzeh 
und Italien in Betracht, während die übrigen 
Länder kaum den eigenen, Bedarf decken können 
und oft noch einführeh müssen. Das gilt wie 
von England und Frankreich namentlich von 
Deutschland, wo der Anbau leider von Jahr zu 
Jahr zurückgeht. Während des Krieges hat man 
die bebaute Fläche von 10000 ha wieder auf 
20000 ha gesteigert und hofft ,30000zu erreichen. 
Flachs, neuseeländischer (Kurati, frz. Lin 
de laNouvelle-Zülande, engl. New-Zeeland-flax). 
Die 1—2,5 m langen, schmalen, lederartigen 
Blätter der auf Neuseeland heimischen Flachs- 
lilie, Phormium tenax, enthalten zahlreiche 
lange, gerade und zähe Fasern, die sich im 
frischen Zustande leicht abziehen lassen und 
dann von den Eingeborenen nach oberfläch 
lichem Abschaben mit scharfen Steinen oder 
Muscheln zu Matten, gröberen Geweben, Seilen 
und Netzen verarbeitet werden. Zur Gewinnung 
größerer Ausfuhrmengen unterwirft man die 
zwischen Walzen gebrochenen oder gequetsch 
ten Fasern einer Wasserröste und behandelt sie 
dann weiter wie Flachs (Trocknen, Schwingen,, 
Hecheln). Von anderen Ländern, in denen Phor 
mium vorkommt, Mauritius, Java, Natal, Neu 
südwales und Viktoria, betreiben nur die beiden 
letzteren einen planmäßigen Anbau und eine 
geringe Ausfuhr über Melbourne. Hingegen sind 
Kulturversuche in Irland, Schottland, Belgien, 
Italien, Spanien und Algier, höchstens mit Aus 
nahme des letzteren, ohne Erfolg geblieben. Die 
rohe Faser ist weißlich oder gelblich, wenig ver 
holzt, in den besten Sorten etwa so fein wie 
europäischer Hanf, aber immer bedeutend här 
ter, steifer und rauher, und wird zu Bindfaden, 
Seilen und groben Geweben wie Segeltuch und 
Sackleinwand verarbeitet. Die Erzeugnisse sind 
sehr fest und gegen atmosphärische Einflüsse 
widerstandsfähig. ,, 
Flammen, bengalische, sind Mischungen aus 
chlorsaurem Kalium, Schellack, Schwefel und 
anderen Stoffen, denen man zur Färbung der 
Flammen Strontium-, Barium- und andere Salze 
zusetzt. Die Mischung ist, namentlich wenn 
Schwefel zugesetzt wird, sehr vorsichtig vor
	        
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