Glühstifte
142
Glyzerin
Beobachtung, daß gewisse, bei gewöhnlicher
Temperatur nicht leitende Substanzen bei hö
heren Temperaturen den elektrischen Strom
leiten. Sie enthält als Glühkörper ein Stäbchen
aus Magnesia, welches durch eine automatisch
wirkende Heizvorrichtung vorgewärmt und dann
erst durch den elektrischen Strom zum Glühen
gebracht wird. Der Stromverbrauch ähnelt dem
jenigen der Tantallampe. Dem hohen Preise
steht der geringere Stromverbrauch und die
längere Brenndauer entgegen. Als, Nachteil der
N. ist zu erwähnen, daß sie nur für größere
Lichtstärken hergestellt wird.
Glühstifte für Taschenwärmeöfchen, wie sie
vielfach ins Feld gesandt wurden, bestehen aus
einem Gemische von Lindenholzkohlenpulver mit
einem Klebemittel (Tragant, Stärke) und etwas
Salpeter, das in Form zylindrischer Stäbe ge
bracht und dann getrocknet wird. Sorgfältiges
Mischen ist wesentlich, da die Stifte sonst schief
brennen oder vorzeitig erlöschen.
Glühstrümpfe für Gasglühlicht (Auerlicht),
Spiritus- und Petroleumglühlicht werden in der
Weise hergestellt, daß man ein feines Baum
wollengewebe mit einer Lösung von Salzen der
seltenen Erden, meist Thoriumnitrat mit i°/o
Zernitrat, tränkt und darauf die Faser durch
Glühen zerstört. Das in Form des Gewebes
hinterbleibende Gerüst von Metalloxyden wird,
um ein Zerbröckeln beim Versand zu verhin
dern, mit Lösungen elastischer Substanzen, wie
Guttapercha oder Kollodium, getränkt, die dann
beim Gebrauch schnell abbrennen. Die An
wendung der G. hat eine erhebliche Gaserspar
nis zur Folge, ihre Brenndauer beträgt gegen
Soo Brennstunden.
Glutol, ein gelbweißliches, in Wasser unlös
liches Pulver, wird durch Behandlung von Gela
tine mit Formaldehyd dargestellt und findet
als antiseptisches, blutstillendes Wund.treupulver
Anwendung. Mit ihm identisch ist das ebenfalls
als Formaldehydgelatine anzusprechende Gluto-
form.
Glykoformal nennt Lingner die zur Füllung
seines Desinfektionsapparates bestimmte Mi
schung von io Teilen Glyzerin, 15 Teilen Wasser
und 75 Teilen Formaldehyd.
Glykolsäure (Oxy essigsäure), eine orga
nische Säure von der Formel CH 2 (OH).COOH,
ist als eine Essigsäure aufzufassen, in der ein
WasserstoffatomderMethylgruppedurchHydroxyl
ersetzt ist. Die Säure, die in den Woüwasch-
wässern, in unreifen Weintrauben, in den Blät
tern des wilden Weins und im Rübensaft vor
kommt, wurde früher nur als chemisches Prä
parat durch Erhitzen von Monochloressigsäure
mit Wasser, Kaliumkarbonatlösung oder Kal
ziumkarbonat hergestellt, hat aber neuerdings
größere praktische 'Bedeutung erlangt, seitdem es
gelungen ist, sie in großen Mengen aus Oxal
säure durch Reduktion mit Zink und Schwefel
säure oder durch Elektrolyse zu gewinnen. Die
G. bildet bei 80 0 schmelzende Kristalle, die sich
in Wasser, Alkohol und Äther lösen. Die wäß
rige, rein sauer schmeckende Lösung ist während
des Krieges als Ersatz organischer Pflanzensäuren
für gewisse Zwecke der Nahrungsmittelindustrie,
u.a. zur Herstellung von Kunsthonig, empfohlen
worden, wird unter normalen Verhältnissen aber
hierfür viel zu teuer sein, da 1 kg über 100 M.
kostet.
Glykosal, ein neues Heilmittel, wird durch
Erhitzen von Glyzerin mit Salizylsäure und Mi
neralsäuren hergesteilt als ein weißes Kristall- 1
pulver vom Schmelzpunkt 76°, das sich leicht in
heißem Wasser und Alkohol, schwierig in Chloro
form und Äther löst. Es ist der Salizylsäureester
des Glyzerins und findet an Stelle der Salizyl
säure medizinische Anwendung.
Glykoside (Glukoside) nennt man eine be
sonders im Pflanzenreiche weit verbreitete
Gruppe organischer Verbindungen, die beim
Kochen mit Säuren oder durch Fermente in
eine Zuckerart und andere mit dem Zucker ester-
artig verbundene Körper zerfallen. Nach der
Art des Zuckers, zu dem hier auch Phlorogluzin.
Mannit und ähnliche Kohlenhydrate gerechnet
werden, unterscheidet man folgende Gruppen;
1. Eigentliche Glykoside, deren Spaltungspro
dukt Glykose ist, z. B. Arbutin, Daphnin, Helle
borin, Jalapin, Salizin; 2. Phlorogluzide (Spal
tungsprodukt Phlorogluzin), z. B. Makiurin,.
Phloretin; 3. Phloroglykoside, die zuerst
Glykose, bei längerer Einwirkung der Säure
auch Phlorogluz n abscheiden, z. B. Phloridzin,
Robinin; 4. Gummide (Spaltungsprodukt
Gummi), z. B.Karminsäure; 5. Mannide (Spal
tungsprodukt Mannit), z. B. Chinovin; ö.Stick-
stoff haltige G., z. B. Amygdaiin, Solanin. Ver
schiedene technisch wichtige G. sind unter ihrem
besonderen Namen näher besprochen worden.
Glyzerin (Glyzerylalkohol, GlyzeryT
oxydhydrat, Ölsüß, Scheelesches Süß, lat.
Glyccrinum, frz. Glycerine, engl. Glycerin), ein
dreiatomiger Alkohol von der Formel C^HsJOHjj,
findet sich nicht im freien Zustande in der Natur,
sondern als Ester verschiedener Fett- und Öl
säuren, mit denen es die natürlichen Fette des
Pflanzen- oder Tierreiches bildet. In geringer
Menge entsteht es bei der geistigen Gärung
zuckerhaltiger Flüssigkeiten und ist daher ein
regelmäßiger Bestandteil des Weines und Bieres.
Zu seiner technischen Darstellung bedient man
sich in normalen Zeitverhältnissen ausschließlich
der natürlichen Fette, die durch Ätzalkalien bzw
Bleioxyd sowie auch durch gespannte Wasser
dämpfe in Gl. und Fettsäuren zerlegt werden.
Es wird sonach im Großbetrieb stets als Neben
Produkt bei der Seifenfabrikation aus der sog.
Unterlauge, .oder bei der Herstellung der Steaiin
kerzen gewonnen. Bei der letzteren findet die Zer
legung der Fette sowohl durch Kalkmilch als auch
durch Schwefelsäure statt. Die beste Ausbeute
gibt aber die Verseifung durch überhitzte Wasser
dämpfe. Talg oder Palmöl werden in Destillier
blasen mittels überhitzter Wasserdämpfe auf etwa
300 0 erhitzt, wobei die Spaltungsprodukte, Glyze
rin und Fettsäuren, mit den Wasserdämpfen
übergehen. Nach dem Erkalten wird das GL
aus der von der erstarrten Fettsäure abgelassenen
Flüssigkeit durch Eindampfen gewonnen. Da»
auf die eine oder andere Weise erhaltene Roh-
glyzerin stellt eine mehr oder minder sirupöse,
gelb bis braun gefärbte Flüssigkeit dar, die
unter anderem noch Fett, Fettsäuren und anorga
nische Salze enthält. Es kommt in großen Men
gen aus Holland, Frankreich und Rußland zur
Einfuhr utid wird verschiedenen Reinigung*