Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Granatbaum 
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Graphit 
Regeln der Kunst im Brillant-, Rosetten- oder 
Cabochonschnitt behandelt und können bei völli 
ger Reinheit sehr ansehnliche Edelsteinpreise er 
reichen. Die böhmischen G. sind meistens dun 
kel- bis blutrot, ausländische, aus Kleinasien, 
Hinterindien, Zeylon, Grünland, die man gewöhn 
lich mit dem Namen Almandin oder orien 
talischer Granat belegt, kirsch-, karmih-, 
bräunlichrot, auch violett. Rötlichgelbe Steine, 
die besonders schön und teilweise in größeren 
Stücken auf Zeylon, in Graubünden und am St. 
Gotthard gefunden werden, heißen Hessonit 
oder Kaneelstein (Zimtstein), während man 
unter Vermeil im Handel manchmal die hoch 
roten bis pomeranzengelben Steine versteht. 
Ganz schwarze heißen Melanite und dienen bis 
weilen zu Trauerschmuck. Grüne Abarten wer 
den als Grossulare (Stachelbeerstein) bezeich 
net. Der G. wird jetzt wieder häufiger als vor 
einigen Jahrzehnten, namentlich in Form von 
Broschen, Ketten und Armbändern verarbeitet, 
und namentlich Böhmen liefert viele, zum Teil 
sehr geschmackvoll gefertigte Waren. Übrigens 
wird der G. durch farbige Glasflüsse täuschend 
nachgeahmt. 
Granatbaum (lat. Punica granatum), ein klei 
ner Baum oder Strauch, wächst überall in Süd 
europa und Nordafrika, teils angebaut, teils 
verwildert und dient bei uns wegen der schön 
hochroten Blüten als Ziergewächs. Die großen, 
fast bis zu 0,5 kg schweren Früchte, die äußerlich 
riesigen, schön gelbrot gefärbten Äpfeln gleichen 
und auch Granatäpfel genannt werden, sind von 
einer ziemlich dicken und pergamentartigen 
Schale umgeben, deren Gewicht ungefähr V12 
der Gesamtmasse beträgt. Die völlig geruchlose, 
aber sehr gerbstoffreiche Schale dient in Süd 
europa häufig zum Schwarzfärben. Das Innere 
der Früchte wird durch dünne Scheidewände in 
zahlreiche Abteilungen zerlegt, die mit einer Un 
zahl kleiner Fruchtkörper ungefüllt, sind. Die 
letzteren ähneln in ihrer Form den. eckigen 
Maiskörnern, sind aber klar durchsichtig, schön 
granatrot gefärbt und überaus saftreich. Der 
außerordentlich süße Saft, dessen nicht flüch 
tiges Aroma an Erdbeere und etwas an Pfirsiche 
erinnert, enthält 12—140/0 Zucker, aber nur 0,6 
bis 0,7 0/0 Säure und wird nach Entfernung der 
Schale ausgepreßt und mit der gleichen Menge 
Zucker zu dem sog. Grenadinesirup (s. d.) ver 
kocht. — Die Granatäpfelblüten (lat. Flores 
granati, frz. Fleur de grenadier, engl. Granata- 
flowers), die von. gefüllten Exemplaren genom 
men werden, sind auch getrocknet noch lebhaft 
rot gefärbt und werden im Aufguß als Gürgel- 
wasser und gegen Durchfall verwandt. , — Die 
Wurzelrinde (lat. Cortex radicis granatorum, 
frz. Ecorce de racine de grenadier, engl. Pome 
granate root bark) ist im Gegensatz zu dem wir 
kungslosen Wurzelholze ein bekanntes ßand- 
wurmmittel und enthält neben erheblichen Men 
gen Gerbsäure 0,5—i«/o Alkaloide, namentlich 
Pelletierin und einige Derivate desselben. Sie 
schmeckt beim Kauen herb und bitter und färbt 
den Speichel gelb, solange sie nicht zu alt und 
dadurch unwirksam geworden ist. Gewöhnliche 
Ware besteht ganz oder größtenteils aus rüh 
rigen Stücken, die nicht von Wurzein, sondern 
von Ästen genommen sind und als weniger wirk 
sam gelten. Wegen echter Wurzelrinde hat man 
sich daher an eine sichere Quelle zu wenden 
und bezieht sie meist aus Italien und Griechen 
land. 
Granatbraun (frz. Grenat soluble), ein ziem 
lich veralteter Farbstoff, wird durch Einwirkung 
von Zyankalium auf Trinitrokresylsäure erhalten 
und besteht aus dem Kali- oder Ammoniaksalz 
der Kresylpurpursäure; das dunkelrotbraune, in 
kochendem Wasser mit braunroter Farbe lös 
liche Pulver wird nur noch sähen zum Färben 
von Wolle, Seide und Baumwolle benutzt, 
Granit, ein weit verbreitetes Eruptivgestein, 
besteht aus einem Gemenge von Quarz, Glimmer 
und Feldspat mit bald gröberem, bald feinerem 
Korn und ziemlich gleichmäßiger Verteilung der 
Gemengteile. Er ist in der Regel sehr hart, 
nimmt dann eine schöne dauerhafte Politur an 
und wird daher trotz der schwierigen Bearbeit 
barkeit häufig von Handwerkern und Künstlern 
verwandt. Im frisch gebrochenen Zustande ist er 
etwas leichter zu behandeln. Auch läßt man zum 
Behauen bestimmte Steine gern unter Wasser 
liegen. Das Gestein widersteht um so besser 
der mechanischen Abnutzung und der Verwitte 
rung, je mehr in ihm der fast unverwüstliche 
Quarz vorherrscht, während feldspatreicher G. 
leichter verwittert. Außer der gewöhnlicheren 
Verwendung als Baumaterial zu Gründungen, 
Stufen und Schwellen, Belag der Bürgersteige 
und Pflaster dienen Vorkommnisse von gefälliger 
Zeichnung und Färbung von alters her auch zu 
feineren, mit Politur versehenen Arbeiten, wie 
Säulen und Sockeln, Grab- und anderen Denk 
mälern, zu verzierten Simsen und anderen Ver 
zierungen. 
Grape nuts, ein Nährmittel amerikanischen 
Ursprungs, besteht aus einem zerkleinerten, dop 
pelt gebackenen Backwerk aus Mehl und Wasser, 
nach Art der Keks oder Biskuits. 
Graphit (Reißblei. Wasserblei, Pottlot, 
lat. Plumbago, Graphites, frz. Graphite, engl- 
Blacklead). Diese durch ihre vortrefflichen 
Eigenschaften ausgezeichnete, wegen ihrer man 
nigfachen Verwendung wichtige, in Form von 
Bleistiften unentbehrliche mineralische Substanz 
besteht wie der Diamant aus kristallinischem 
Kohlenstoff, allerdings von anderer Kristallform, 
und bildet teils aus sechsseitigen Kristallen zu 
sammengesetzte Tafeln, meistens aber kugel 
förmige Massen von schuppig blättriger, oder 
auch mehr körniger Struktur, grauschwarzer 
Farbe und starkem Glanz. Der G. findet sich 
teils lager-, teils nesterweise als Ausfüllung von 
Höhlungen und Gängen in Gneis-, Ton- und 
Glimmerschiefer, und muß bei dein nicht zahl 
reichen Vorkommen seiner Fundorte zum Teil 
aus weiter Ferne herangeholt werden. Er enthält 
gewöhnlich mehr oder weniger fremde Bestand 
teile, besonders Eisenoxyd, Ton und Kalk bei 
gemengt. Sehr rein ist der seit der Mitte des 
vorigen Jahrhunderts bekannte G. von Zeylon 
mit fast 99 0/0 Kohlenstoff und kleinen Resten von 
Kalk- und Tonerde, während die berühmten eng 
lischen Gruben von Barrowdale in Cumberiand, 
die lange Zeit den Engländern den Ruf als Liefe 
ranten der besten Bleistifte gaben, nahezu er 
schöpft sind und nur noch geringes Material mit 
54°/o Kohlenstoff, 8 °/o Eisen und 360/0 Ton und
	        
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