Graphit
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Graupen
Kalk geben. Neuerdings hat sich sehr guter G.
in Südsibirien, dessen gesamter Ertrag an die
Fabersche. Uleistiftfabrik in Nürnberg abgeliefert
wird sowie auch an den Ufern des Jenissei ge
funden. Auch Spanien, Ostindien und Kanada
liefern guten G. ln Deutschland findet sich G.
besonders in der Passauer Gegend in Bayern
bei den Orten Pfaffenreuth und Leuzenberg
sowie bei Wunsiedel. Österreich hat in Nie
derösterreich, Böhmen, Mähren, Steiermark und
Kärnten ergiebige Lager. Die beste Sorte
findet sich im südlichen Böhmen im Budweiser
Kreis. In Preußisch-Schlesien sind zwei Gru
ben, eine kleine bei Sakrau und eine bei Jauer,
mit mächtigem Lager eines guten, besonders zu
Schmelztiegeln tauglichen Graphits. 1878 hat
man auch auf Neuseeland (Provinz Wellington)
große Lager von vortrefflichem G. entdeckt. Der
rohe Graphit ist in der Regel durch mineralische
Beimengungen mehr oder weniger verunreinigt
und muß daher durch Schlämmen, durch Be
handlung mit heißer Salpetersäure und Schwefel
säure oder auch, bei Anwesenheit von Kieselsäure,
mit Fluorwasserstoffsäure von ihnen befreit wer
den. Nahezu chemisch reinen Graphit erhält man
auf künstlichem Wege nach dem Verfahren
von Acheson durch Erhitzung von Kohle oder
Anthrazit im elektrischen Ofen oder auch durch
Überleiten von Kohlenoxyd und Kohlensäure
über glühendes Karbid. — Die hauptsächlichste
Verwendung findet der G. zur Herstellung der
Bleistifte (s. d.). Außerdem dient er in Verbin
dung mit feuerfestem Ton zur Herstellung von
Schmelztiegeln, im Gemisch mit Fett sowie in Form
nebeneinandergesetzter Stifte (Karbonstifte) als
Schmiere für Achsenlager, ferner zu Anstrichen,
Kitten, zum Überziehen von eisernen Öfen und
in der Galvanoplastik zum Leitendmachen von
niclumetallischen Niederschlagformen. — Der
G. ist unschmelzbar und, trotzdem er reinen
Kohlenstoff darstellt, sehr schwer verbrennlich.
Ein Gemisch von G. und feuerfestem Ton gibt
eine Schmelztiegehnasse, die besser ist als der
Ton allein öder vermischt mit Sand, weil der G.
dem Schwinden und Reißen im Feuer entgegen-
wirkt und der Masse Beständigkeit gegen sehr
hohe Temperaturen und gegen raschen Tempe-
faturwechsel verleiht. Graphittiegel werden
daher von Gold- und Silberarbeitern, in Münz
werkstätten U7id sonst in der Metallindustrie viel
gebraucht. Sie dienen besonders auch zum Schmel
zen des Gußstahls und haben noch die angenehme
Eigenschaft, daß sie sich wegen ihrer glatten
Innenfläche rein ausgießen lassen. Die Pas-
sauer Tiegel werden schon seit länger als hun
dert Jahren zu Hafnerzell bei Passau aus dem
dortigen unreinen, stark kiesel-, ton- und eisen
haltigen G. unter Zusatz von etwa der Hälfte
feinem Ton gefertigt. In neuerer Zeit verwendet
man auch-Zeyloner G. Die Gefäße werden aus
dem steifen Teig gepreßt, aber nicht gebrannt,
sondern nur lufttrocken gemacht, und sind teils
konisch, teils dreieckig geformt sowie von dehr
verschiedenen Größen, österreichische Graphit-
degel kommen von Ybbs an der Donau und aus
Böhmen in den Handel. Zum Nachweise der
zahlreichen Verfälschungen durch Anthrazit,
Stein- oder Braunkohle, Holzkohle oder Ruß
kocht man mit konz. Salpetersäure, wobei keine
braunrote Färbung auftreten darf. Zusätze von
Mineralstoffen erkennt man bei der Veraschung.
Grassamen (Grassaa t), ein bedeutender Gegen
stand des Groß- und Kleinhandels, wird von den
Landwirten bei zeitweisem Umbruch der Wiesen
zur Neueinsaat, besonders beim Kunstwiesenbau,
gebraucht. Auch bedarf die Landschaftsgärtnerei
zu der Herstellung von Zierrasen alljährlich
großer Mengen von G., so daß für diesen ein be
trächtliches Absatzgebiet gesichert ist. Die Zucht
von G. geschieht in besonderen Handelsgärtne
reien, z. B. in Hessen, Bayern und Thüringen,
doch wird auch auf Wiesen und in Wäldern G.
gesammelt, besonders in der Gegend von Darm
stadt, wo ganze Gemeinden dadurch ihren Unter
halt finden. Seitens der großen Handelsgärtner
erfolgt die Zucht der Gräser zur Samengewinnung
mit besonderer Sorgfalt im Einzelbau auf oft
großen Flächen, so daß bei ihnen der Bezug
reiner, unverfälschter Waren und bestimmter
Sorten sicher ist. Die G. sind nicht leicht zu
unterscheiden, da viele Sorten ziemlich ähnlich
sind und von den zur Aussaat beliebten Samen
verwandte Abarten von geringerem Werte Vor
kommen. Man hat deshalb neuerdings beson
dere Samenkontrollstationen eingerichtet, und
auch der Kaufmann wird gut tun, sich ihrer Hilfe
zu bedienen, wenn er G. einer bestimmten Sorte
von kleinen Händlern oder Privatsammlern ein
tauscht. Für den Handel mit von Handelsgärt
nern gekauften Samen ist zu bemerken, daß die
Gemische nach Boden und Meereshöhe ver
schieden sein müssen, da einzelne G. besser in
der Ebene, andere in der Höhe, die einen auf
bündigen, die anderen auf leichten Böden usw.
gedeihen. Die Landwirte ziehen sich zum Peil
den G. selbst, und sehr viele ergänzen den
Wiesenbestand durch natürlichen Samenausfall.
Außer den in Deutschland gezogenen Sorten wer
den aus England und Italien bedeutende Mengen
eingeführt.
Graupen (frz. Froment mon-dd, engl. Pearl-
barley) bestehen aus dem von der Schale und
den Spitzen befreiten Inhalte von Getreidekör-
nern, und zwar so, daß entweder ein einzelnes
Korn nur eine Graupe liefert, oder daß der Kern
erst in mehrere Stückchen zerbrochen und diese
zu feineren G. gerundet worden sind. Am ver
breitetsten sind die Gerstengraupen, die in eini
gen Gegenden auch Koch- oder Rollgerste
genannt werden, ln geringerem Maße werden
auch Weizenarten auf G. verarbeitet. Das Grau
penmachen ist eine deutsche Erfindung des 17.
Jahrhunderts und wird sich zuerst auf die gröbste
Sorte, enthülste ganze Gerstenkörner, beschränkt
haben. Das Enthülsen geschieht auf einem be
sonderen Mühlwerk, dem Graupengange, der
nur einen einzelnen Stein in seiner Ummantelung
(der Zarge) laufen hat. Dieser Stein ist aber
nicht mit einer breiten Fläche, sondern mit
runder Bahn gearbeitet und hier gerauht. Die
den Stein in nahem Abstande umgebende Zarge
ist an ihrer Innenseite mit Blech belegt, das ganz
wie ein Reibeisen scharf durchlöchert ist. Es ist
sonach ein von zwei rauhen Flächen begrenzter
ringförmiger Spalt vorhanden, in den das ein
fließende, auf die Mitte des etwas gewölbten
Steins fallende Getreide gerät und durch den hef
tigen Lauf des Steins so herumgerissen und ge