Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Kalkblau

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Kalvillen

besonders  reiner,  zarter  und  sandfreier  K,,  der
vor  allem  keine  Tonerde  und  Magnesia  enthalten
darf,  bildet  unter  dem  Namen  Wiener  K.  ein
vortreffliches  Schleif-  und  Poliermittel  für  Metalle. ­
  Er  wird  in  verlöteten  Büchsen  versandt
und  muß  stets  gut  verschlossen  aufbewahrt  werden, ­
  da  er  an  der  Luft  seine  Brauchbarkeit  einbüßt.
  Man  entnimmt  den  Büchsen  daher  immer
nur  so  viel,  als  sofort  verbraucht  werden  soll,
und  verreibt  die  Stückchen  rasch  mit  öl  für
Messing  oder  mit  Spiritus  für  Stahl  und  Eisen.
—  Beim  Übergießen  mit  Wasser  absorbiert  der
K.  das  letztere,  bläht  sich  auf  und  geht  unter
bedeutender  Wärmeentwicklung  in  gelöschten
K.(Kalkhydrat,  Kalziumhydroxyd),Ca(OH) 2 ,
über.  Bei  Verwendung  von  nicht  mehr  Wasser,
als  chemisch  gebunden  werden  kann,  entsteht  e.n
lockeres  Pulver.  Für  die  Zwecke  der  Praxis
setzt  man  aber  so  viel  Wasser  hinzu,  daß  eine
mäßig  dicke  Flüssigkeit  (Kalkbrei,  Kalkmilch) ­
  entsteht,  die  man  in  eine  Grube  einfließen
  läßt.  Hier  gesteht  die  Masse,  wird
speckig  und  nimmt  allmählich  an  Güte  zu,  indem
sich  kleine  Teilchen  nachträglich  noch  löschen
und  aufschließen.  Je  reiner  ein  K.  ist,  desto
mehr  Wasser  vermag  er  aufzunehmen,  so  daß
nach  dem  Löschen  eine  2V2—3  fache  Menge  erhalten ­
  werden  kann.  Derartiger  K.  wird  als
„fetter  K.“  bezeichnet,  während  ein  mit  fremden ­
  Stoffen  verunreinigter  K.,  der  sich  träge
löscht  upd  geringe  Schwellung  annimmt,  „mager“ ­
  heißt.  Nur  der  fette  K.  kann  im  Gemenge
mit  Sand  als  Luftmörtel  benutzt  werden,  wäh
rend  der  magere  Kalk  unter  Umständen,  d.  h.
wenn  er  mindestens  8—ro°/o  Ton  enthält,  zur
Herstellung  von  Wassermörtel  (s.  Zement)  geeignet ­
  sein  kann.  Außer  zu  baulichen  Zwecken
dient  der  gelöschte  Kalk  zum  Reinigen  des
Leuchtgases  und  zum  Raffinieren  des  Zuckers,
zur  Darstellung  des  Chlorkalks  und  des  chlorsauren ­
  Kalis,  in  der  Seifen-  und  Stearinfabrikation, ­
  in  der  Gerberei  als  Enthaarungsmittel,  zum
Neutralisieren  schwefelsäurehaltiger  Flüssigkeiten
und  zur  Herstellung  von  Wein-,  Zitronen-  und
Essigsäure.  —  Der  Ätjikalk  löst  sich  in  der  700-fachen
  Menge  Wasser  zu  einer  klaren  Lösung,
dem  Kalkwassser  (lat.  Aqua  calcariae,  frz.  Eau
de  chaux,  engl.  Lime  water)  des  Arzneibuches,
welches  deutlich  nach  Kalk  schmeckt,  sich  an  der
Luft  mit  einem  feinen  Häutchen  von  kohlensaurem ­
  Kalk  überzieht  und  medizinische  Anwendung
findet.
Kalkblau  (Neuwiederblau),  eine  in  viereckigen ­
  Stücken  oder  Täfelchen  verkaufte  Tüncherfarbe, ­
  besteht  wie  das  Bremerblau  aus
Kupferoxydhydrat,  enthält  daneben  aber  noch
Gips  und  wird  durch  Zusatz  von  Kalkmilch  zu
Kupfervitriollösung  und  etwas  Salmiak  hergestellt.
Kalkierleinwand(Calquierleinwand,  Pausleinwand) ­
  nennt  man  ein  feines  Baumwo'Uengewebe,
  das  auf  einer  Seite  gleichmäßig  mit
Stärkekleister  überzogen  und  dann  auf  dem  Kalander ­
  getrocknet  und  geglättet  ist.  K.  dient  zum
Eurchzeichnen  von  Baurissen,  Plänen  und  Ma-'
  schineazeichnungen.
Kalkierpapier  (Calquierpapier,  Kopierpapier, ­
  Pauspapier),  ein  dünnes,  sehr  durchscheinendes, ­
  ziemlich  weiches,  ab  r  doch  haltbares
^apie r  aus  rein  gehecheltem  Flachs,  das  gewöhn-Horcks
  Warealexikon.

lieh  noch  mit  Paraffin,  Wachs  u.  dgl.  getränkt
ist,  wird  zu  demselben  Zweck  wie  die  Kalkierleinwand
  benutzt.
Kalmin.  Unter  diesem  Namen  sind  verschiedene ­
  Mittel  gegen  Asthma  und  Keuchhusten  im
Handel,  von  denen  dasjenige  der  chemischen
Fabrik  Ladenburg  aus  Antipyrin  und  Heroin
bestehen  soll,  während  ein  im  Dresdner  Untersuchungsämt
  analysiertes  Präparat  sich  als  gewöhnliches ­
  Pyridin  erwies.
Kalmuswurzel  (lat.  Rhizoma  calami,  frz.  Rhi
zome  d’aeore  vrai,  engl.  Sweet  flag  root),  der
Wurzelstock  von  Acorus  calamus,  einer  ausdauernden, ­
  zu  den  Arazeen  gehörenden  Pflanze,
die  in  Teichen,  Wassergräben,  an  See-  und  Flußrändern ­
  häufig  verkommt  und  im  Herbste  ge
sammelt  wird.  Die  reichsten  Erträge  erhält
man  in  trockenen  Jahrgängen,  auch  enthalten
die  Wurzeln  solcher  Pflanzen,  die  zeitweise  trok
ken  stehen,  mehr  Aroma  als  die  fortwährend  im
Wasser  wachsenden.  Der  aromatische  Geruch
und  Geschmack,  der  nach  dem  Trocknen  noch
stärker  hervortritt,  beruht  auf  der  Anwesenheit
eines  ätherischen  Öles  (1,5—3,5  tyo)  und  eines
scharf  und  bitter  schmeckenden  Harzes.  Außerdem ­
  findet  sich  in  der  Wurzel  noch  Cholin  und
ein  eigentümlicher  stickstofffreier  Stoff:  Ako
rin,  welcher  durch  verdünnte  Säuren  in  eine
Harzsäure  und  ätherisches  Öl  gespalten  wird.
K.  kommt  in  etwa  30  cm  langen,  platt  gedrückten
Stücken,  auf  deren  Ober-  und  Unterseite  die
Blattansätze  zu  erkennen  sind,  in  den  Handel.
Die  Farbe  ist  außen  gelbbraun,  im  Querschnitt
rötlich-  bis  weißlichgelb.  Die  Stücke  sind  entweder ­
  geschält  oder  ungeschält.  Die  geschälte
Wurzel  (lat.  Rhizoma  calami  mundata),  die  offizinelle
  des  deutschen  Arzneibuches,  bildet
weiße,  der  Länge  nach  gespaltene  Stücke,  während ­
  die  ungeschälte  K.  (lat.  Rhizoma  calami
cruda)  gespalten  und  ungespalten  in  Men  Handel ­
  kommt.  K.  dient  medizinisch  als  magenstärkendes ­
  Mittel,  zu  Zahnpulvern  und  Mundwässern, ­
  die  rohe  K.  zur  Bereitung  von  Bädern
und  in  der  Tierarznei.  Der  bei  der  Schälung
erhaltene  Abfall  kann  noch  zum  Abdestillieren
des  Öles  benutzt  werden.  —  Das  Kalmusöl  (lat.
Oleum  calami,  frz.  Essence  d’aeore,  engl.  Oil  of
sweet  flag)  ist  gelb  bis  braungelb,  das  spez.  Gew.
0,959-—0,970.  Man  benutzt  es  in  der  Likörfabrikation. ­
  —  Der  kandierte,  d.  h.  überzuckerte
K.,  geschält  und  dann  mit  Zuckerlösung  gekocht,
ist  als  magenstärkendes  Mittel  bei  manchen  beliebt, ­
  ebenso  der  würzhafte  Kalmuslikör.
Kalomelol  nennt  die  Firma  v.  Heyden  ein
kolloidales  Quecksilberpräparat,  das  75—80%
Quecksilberchlorür  neben  Eiweiß  enthält  und
durch  Dialyse  einer  wäßrigen  Lösung  von  Mer
kuronitrat,  Kochsalz  und  Eiweiß  und  nachherige
  Fällung  mit  Alkohol  dargestellt  wird.
Das  weißgraue,  geruch-  und  geschmacklose  Pulver ­
  gibt  mit  Wasser,  Alkohol  und  Äther  sowie
mit  Blutserum,  Salz-  und  Eiweißlösungen  milchähnliche, ­
  kolloidale  Lösungen  und  dient  als  Ersatz ­
  des  Kalomeis  bei  Geschlechtskrankheiten.
Kalvillen,  gewisse  Apfelsorten,  die  durch  stark
hervortretetide  Rippen  charakterisiert  sind  und
eine  meist  sich  etwas  fettig  anfühlende  Schale
und  lockeres  aromatisches  Fleisch  besitzen.  Man
unterscheidet  rote,  gestreifte  rote  und  ge-13

            
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