Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Karborundum 
Kardobenediktenkraut 
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werden. — In den Preislisten der Drogisten 
finden sich folgende Sorten: Acidum carbolicum 
crystall. (Schmelzpunkt 35—37 °); A. c. cryst. 
(Schmelzpunkt 40—41 °, Phenolum absolutum); 
A. c. purum redestillatum (Schmelzpunkt 40 bis 
42 0 , D.A.B.); A. c. syntheticum (40—42 0 ); A.c. 
liquefactum und A. c. crudum 95/1000/0, 50/600/0, 
25/300/0. Die K. findet ausgedehnte Verwendung 
als Antiseptikum, und zwar in 3 prozent. wäß 
riger Lösung (Karbolwasser, Aqua carboli- 
sata) als Verbandwasser; in 5prozent.Lösung 
zur Desinfektion der Hände und Instrumente. 
Die Technik benutzt die rohe K. zur Konservie 
rung von Holz und zum Desinfizieren von Stäl 
len, die reine K. bei der Fabrikation der Darm 
saiten und des Leims, zur Darstellung der Sali 
zylsäure, Pikrinsäure und zahlreicher Farbstoffe. 
Die Aufbewahrung erfolgt in Flaschen vor Licht 
geschützt, der Versand der rohen K. in Fässern, 
der reinen Verbindung in Blechkanistern oder 
dunklen Glasstöpselflaschen. 
Karborundum, Siliziumkarbid, entsteht 
beim Glühen von Kohle, Sand und Kochsalz im 
elektrischen Widerstandsofen als ein diamant 
glänzendes Kristallpulver, das wegen seiner 
außerordentlichen Härte als Ersatz des Schmir 
gels und des Diamantstaubes zum Schleifen von 
Diamanten benutzt wird. Mit Bindemitteln läßt 
es sich zu Rädchen und Stiften formen, die als 
Ersatz von Glaserdiamanten und Schmirgel 
rädchen dienen. 
Kardamomen (lat. Fructus cardamomi, frz. 
Cardamome, engl. Cardamora seeds) sind die 
Früchte resp. Samen einer ausdauernden kraut 
artigen Zingiberazee, Elettaria cardamo- 
mum minor, die in den Bergwäldern der süd 
lichen Malabärküste heimisch ist, aber auch kul 
tiviert und verwildert in Zeylon, Vorder- und 
Hinterindien, Westafrika und Madagaskar vor 
kommt, Die hellbräunlichen oder, in gebleichtem 
Zustande, gelblichweißen, dreiseitig abgerunde 
ten, dicht längsstreifigen Kapseln von 8—20 mm 
Länge enthalten 9—18 unregelmäßig vierkan 
tige, quer gerunzelte, graurötliche oder rötlich 
braune, etwa 3 mm fange Samen, die allein zur 
Verwendung gelangen. Daß nur die Früchte 
offizineil sind, erklärt sich daraus, daß sie leich 
ter von geringwertigen Sorten unterschieden 
werden können. Neben diesen echten, auch 
kleine oder Malabar-K. genannten, werden 
auch die Früchte einiger verwandter Pflanzen 
als K. bezeichnet. Lange oder wilde Zeylon- 
K., von der in Zeylon und Koromandel kulti 
vierten Elettaria major, haben größere, 3 bis 
4 cm lange, bis 1 cm breite, etwas gebogene 
und stark längsfurchige Kapseln von bräunlich 
grauer Farbe. Die kleinen, weit härteren Samen 
liegen zu zwei Reihen in jedem der drei Fächer 
und haben einen scharfen, wenig angenehmen 
Geschmack. Runde oder Siam-K. (lat. Carda- 
momum rotundum, frz. Amome en grappe, 
engl. Camphor seeds), vonAmomurn carda- 
momum, in Südchina, Hinterindien, Sumatra, 
Java und Zeylon kultiviert, enthalten in blaß 
braunen, 8—15 mm langen, nicht gestreiften Kap 
seln violettbraune Samen von scharfem, kampfer 
artigem Geschmack. Geringere Bedeutung haben 
wilde oder Bastard-K. von Amomum xan- 
thioides aus Südchina und Hinterindien 
mit stachligen, rotbraunen Früchten, Java-K- 
(Nepal-K.) von Am. maximum mit 3—4 cm 
langen, bis 2 cm breiten, dunklen Früchten und 
dunkelbraunen, angenehm schmeckenden Sa 
men; Chinesische runde K. von Am. glo- 
bosum mit kugligovalen, gebuckelten, bis 4 cm 
langen Früchten und schwach aromatischen Sa 
men sowie die afrikanischen Sorten Kovarima- 
K. oder Abessinische K., von Am. clusii, 
feigengroße Früchte von graubrauner Farbe, 
Kamerun-K., von Am. angustifolium, 
und Guinea-K,, Guineapfeffer, s. d., Mele- 
guetapfeffer (s.Paradieskörner). Für den euro 
päischen Handel kommen nur die beiden ersten 
Sorten, in untergeordnetem Maße neuerdings 
auch die Kamerun-K.'in Betracht. Die K. wer 
den hauptsächlich als Gewürz für Speisen und 
Backwerk (Nürnberger Lebkuchen), in Pulver 
form und als Zusatz zu Tinkturen auch medi 
zinisch gebraucht. Ihre reizende, magenstär 
kende, in größeren Mengen auch erhitzende 
Wirkung beruht auf dem Gehalte an ätherischem 
Öl (4—80/0). Daneben sind noch io«/o fettes öl, 
Harz und stark manganhaltige Mineralstoffe 
vorhanden. 
Kardamomenöl (lat. Oleum cardamomi, frz. 
Essence de cardamome, engl. Cardamom oil), das 
durch Destillation mit Dampf gewonnene äthe 
rische Öl der Zeylon-Malabar-Kardamomen, ist 
dünnflüssig, blaßgelb, vom spez. Gew. 0,923 bis 
0,944 und sehr aromatischem Geruch. Es wird 
in der Likörfabrikation verwandt. 
Karden (Weberkarden, Kardendisteln, 
Tuchkarden, frz. Chardons ä carder, engl- 
Teasels), die getrockneten stacheligen Blüten 
köpfe von Dipsacus fullonum, einer im süd 
lichen Europa heimischen, in Deutschland und 
England aber auch angebauten Pflanze, werden 
in der Tuchfabrikation zum Rauhen und Auf 
lockern des gewalkten Tuches verwandt. Die 
K. haben ungefähr die Größe und Gestalt eines 
Plühnereies und sind ganz mit harten, in ge 
krümmte Borsten übergehenden Spreublättchen 
besetzt, auf deren richtige Beschaffenheit beim 
Einkauf Rücksicht zu nehmen ist. Sie müssen 
nämlich weich, biegsam, elastisch und fein sein, 
dabei aber so viel Festigkeit besitzen, daß sie 
beim Gebrauch nicht abbrechen oder die Wolle 
abreißen. Alte K. zieht man den frischen vor. 
Die besten K. stammen aus der Gegend von 
Avignon, Rouen, Sedan, italienische hauptsäch 
lich aus Bologna. Von den englischen werden 
die aus der Grafschaft Essex, von den deut 
schen die aus der Gegend von Magdeburg, 
Halle, Erfurt, Bamberg usw. bevorzugt. Die K- 
werden zu je 25 Stück an den Stengeln zu 
sammengebunden und dann in Packen von 
1000 Stück oder auch in leichte Fässer gepackt 
in den Handel gebracht. 
Kardin, ein neues Arzneimittel aus dem Herz- 
fleische des Rindes, welches als Herztonikum ver 
ordnet wird. 
Kardobenediktenkraut (Bitterdistel, Bern- 
hardinerkraut. Kratzkraut, lat. Herba car- 
dui benedicti, frz. Chardon bdnit, engl. Blessed 
thistle), das getrocknete Kraut von Cnicus 
bencdictus, einer Distelart, die im Orient und 
Südeuropa wild wächst und. bei uns angebaut 
wird. Die Pflanze, welche eine Höhe bis zu
	        
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