Katzenkraut
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Kautschuk
Die wilde Katze ist in Deutschland fast aus
gerottet und findet sich hauptsächlich in den
Wäldern Rußlands und Asiens, in Polen, Un
garn und der Türkei. Sie gleicht in vieler Be
ziehung den zahmen grauen Zyperkatzen, ist
aber wenigstens um ein Drittel größer, das
Haar fast noch einmal so lang und feiner. Der
gelblichgraue Schwanz hat regelmäßige schwarze
Ringel und ein schwarzes Endstück. Diese
Katzen geben ein weiches, doch wenig halt
bares Pelzwerk, das braun gefärbt und haupt
sächlich in Ungarn und der Türkei verbraucht
wird. Katzenfelle werden vielfach gegen Rheu
matismus und Gicht verwandt, indem man die
schmerzhaften Stellen damit bedeckt.
Katzenkraut (Amberkraut, lat. Herba mari
veri, frz. Teucrium, engl. Cat thyme) besteht
aus dem Kraute von Teucrium marum, wel
ches einen durchdringenden, kampferartigen Ge
ruch besitzt und auch im getrockneten Zu
stande bitter, brennend, würzhaft und scharf,
dann kühlend schmeckt. Katzen, Marder, Füchse
und anderes Raubzeug werden von dem Geruch
angezogen und zerstören die Pflanze. K. wird
zu Kräuterumschlägen und als Zusatz zu Schnupf
tabaken angewandt.
Kauris, die kleinen, bei uns als Otter- oder
Schlangenköpfchen zum Besatz von Pferde
geschirren sowie zu Muschelarbeiten benutzten
Gehäuse einer Meerschnecke, Cypraea rao-
neta, stammen aus den indischen Meeren, na
mentlich dem Koralleharchipel^ der Malediven
und dienen seit den ältesten Zeiten in Asien
und Afrika als Münze. In Bengalen entsprechen
etwa 1540 Stück dem Werte eines Franks, in
Siam sogar erst 2400, während an der West
küste' von Afrika schon 122 Stück dem Wert
eines Franks gleichkommen.
Kautschuk, Feder harz, Ledergummi,
Rohgummi (lat. Gummi elasticum, Resina
elastica; frz. Rdsine elastique, Caoutchouc, engl.
India rubber), ein überaus wichtiger Gegenstand
des Welthandels von ständig wachsender Be
deutung, findet sich in dem Milchsäfte ver
schiedener Pflanzen, besonders aus den Familien
der Wolfsmilchgewächse oder Euphorbia
zeen (Hevea, Manihot), der Hundsgift
gewächse oder Apocynazeen (Landolphia,
Hancornia, Kickxia), der Maulbeergewächse
oder Morazeen (Ficus, Castilloa) und der
Riesenblumengewächse oder Loranthazeen
(Struthantus, Phiturasa). Für die technische
Gewinnung kommen nur tropische Vertreter
dieser Familien in Betracht, da der Kautschuk
gehalt unserer einheimischen Wolfsmilchge
wächse (0,5—2,50/0) zu gering ist. In Europa
wurde der K. zuerst durch einen Bericht des
französischen Gelehrten Condamine bekannt,
der 1736—1745 in Brasilien und Peru weilte, wo
die Eingeborenen den Stoff zur Herstellung von
Fackeln, Stöpseln für Kürbisflaschen, Beuteln
und anderen kleinen Gebrauchsgegenständen
benutzten. Schon 1790 wurden in Paris ver
einzelt chirurgische Binden, wasserdichte Über
züge und Röhren für chemische Zwecke daraus
hergestellt. 1820 gelang es Stadler in Wien
zum ersten Male, den K. zu Fäden auszuziehen.
Später erschienen die ersten plumpen Gummi
schuhe und Regenröcke (Mackintosh) im
Handel, die jedoch zunächst wenig Anklang
fanden. Erst nach der Erfindung des später zu
besprechenden Vulkanisierungs Verfahrens er
rang der K. seine jetzige Stellung als eines un
entbehrlichen Hilfsmittels zahlreicher wichtiger
Industriezweige. — Die Gewinnung des K. er
folgt in den einzelnen Ursprungsländern auf
verschiedene Weise. Die im Überschwemmungs
gebiete des Amazonas vorkommenden Bäume
(Hevea brasiliensis), von denen die weitaus
beste Sorte, der Para-K, stammt, werden
während der trockenen Jahreszeit, die den dick
sten Saft liefert, in 2 m Höhe mit schiefen, nach
oben laufenden Einschnitten versehen. Unter
jeden dieser Einschnitte, die zusammen einen
horizontalen Ring um den Stamm bilden, hängt
man einen Becher, der nach 24 Stunden abge
nommen wird. 20 cm unterhalb des ersten
Kreises wird ein zweiter Ring von Einschnitten
angelegt, hierauf ein dritter usw, bis der Bo
den erreicht ist. Der angesammelte Milchsaft
wird becherweise auf Holz- oder Tonformen
gegossen und über freiem Feuer getrocknet und
geräuchert. Auf die erste Schicht folgt eine
zweite, nach abermaliger Trocknung eine dritte
und so fort, bis die gewünschte Dicke (2 bis
12 cm) erreicht ist. Die von dem FIolz- oder
Tonkern abgezogene Kautschukmasse behält
die Form des letzteren bei und wird vielfach als
Flaschenkautschuk bezeichnet. Man kann
nach diesem Verfahren aber auch einfache
Platten darstellen. Das durch freiwillige Ein
trocknung des Milchsaftes in Kästen oder Gru
ben erhaltene Erzeugnis wird als Gummispeck
oder Speckgummi bezeichnet. Die Ausfuhr
des im brasilianischen Handel als Feingummi
(Para-fine) bezeichneten Para-K. erfolgt über
den Hafenplatz Para. Zur Gewinnung des
Ceara- und Amazonas-K. wird unterhalb der
Einschnitte um den sorgfältig gereinigten Stamm
eine Rinne aus Lehm angebracht, von der aus
der Milchsaft in Kürbisflaschen (Kalebassen)
fließt. Die weitere Verarbeitung ähnelt derjeni
gen des Para-K. Die am Stamme hängen ge
bliebenen Anteile, die durch Holz- und Rin
denstücke verunreinigt sind, kommen in Form
kugelrunder Ballen, sog. Negerköpfe (Niggers)
als Saramby-K. in den Handel. .Geräucherter
Ceara-K. wird Manie ob a genannt. Carta
gena-, Ule- oder Castilloa-K. stammt von
mittelamerikanischen Castilloa-Arten. Den aus
einem langen senkrechten Einschnitt mit kürze
ren seitlichen Einschnitten ausfließenden Milch
saft (U16) vermischt man mit dem wäßrigen
Auszuge einer Schlingpflanze (Ipomoea bona),
knetet die ausgeschiedene weiche Masse und
formt sie zu kleinen Kuchen oder größeren
Blöcken. Mangabeira-K., von Hancornia spe-
ciosa, bildet ziemlich feuchte rosafarbige Stücke,
die infolge eines Alaunzusatzes zur Milch meist
alaunhaltig sind und geringeren Wert haben.
Ostindischer K. wird aus dem Milchsäfte von
Ficus elastica und Urceola elastica gewonnen,
indem man ihn an der Luft gerinnen läßt und
die nach oben steigende Kautschukmasse knetet
und an der Sonne trocknet. Der in regellosen
Brocken und Klumpen sowie in dicken Platten
vorkommende K. zeigt infolgedessen eine hellere,
lichtbraune oder weißgraue Farbe, auch ist er