Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Knochenöl 
214 
Kobaltfarben 
dem Dämpfen und darauf folgendem Trocknen 
nunmehr sehr spröden Knochen werden zu 
einem feinen Pulver vermahlen, welches 20 bis 
250/0 Phosphorsäure und 3—50/0 Stickstoff, aber 
nicht mehr als 6o/ 0 Fett enthalten soll. Es findet 
sowohl als Düngemittel wie als Futterzusatz 
Anwendung und dient außerdem zur Herstellung 
von Superphosphat (s. d.). Durch völlige Ent 
leimung und den Zusatz von Mineralphosphaten 
wird der Düngewert bisweilen sehr verringert, 
Es empfiehlt sich daher, stets eine Kontroll- 
analyse ausführen zu lassen. 
Knochenöl (Knochenfett)., Von dem bei der 
Gewinnung des Knochenmehles abfallenden Fett 
ist das durch Auskochen frischer Knochen er 
haltene Sudfett das wertvollere. Es bildet eine 
schwach bräunlich gefärbte und fast geruchlose 
Masse, während das mit Benzin extrahierte sog. 
Extraktionsfett dunkelbraun und außerordent 
lich übelriechend ist. Zur Entfärbung und Be 
seitigung des üblen Geruchs behandelt man das 
Fett mit Oxydationsmitteln (Chromsäure) und 
verwendet das gereinigte Produkt zur Her 
stellung von Seifen. Das durch Ausfrieren und 
Abpressen von den festen Anteilen befreite 
flüssige K. ist außerordentlich kältebeständig 
und dient als Schmiermittel für feine Instru 
mente. 
Knoppern (frz. Galles ä I’epine, engl. Gall- 
nuts) nennt man die durch eine Ga 11 wespe 
(Cynips, calicis) zwischen Fruchtknoten und 
Bechern gewisser Eichen hervorgerufenen 
Gallen, die besonders aus Ungarn, Dalmatien, 
der Bukowina und Slawonien in den Handel 
kommen. Es sind unregelmäßige, stark ge 
furchte, eckige und stachlige Gebilde, die meist 
die verkümmerte Eichel noch umschließen und 
braun oder gelb gefärbt erscheinen. Die Ein 
sammlung erfolgt im September und Oktober, 
wenn die K. von den Bäumen fallen, und gibt 
bei günstiger, d. h. warmer und trockner Witte 
rung bis zu 125 kg von einem einzigen Baum. 
Die K. enthalten bis zu 45 o/ 0 Gerbstoff und 
finden sowohl in gemahlenem Zustande als K.- 
Mehl, wie in Form von K.-Extrakt zum 
Gerben, besonders von Sohlleder, und zum 
Färben als Ersatz für Galläpfel Anwendung. 
Kobalt (lat. Cobaltum, frz. und engl. Cobalt), 
ein dem Nickel nahe verwandtes Metall, Co=5g, 
kommt in elementarem Zustande auf der Erde 
nicht vor, sondern nur in Form wenig ver 
breiteter Mineralien: Speiskobalt, Smaltin 
(Arsenkobalt), Kobaltglanz (Schwefelarsen 
kobalt) und Kobaltblüte, ein aus dem vorigen 
entstandenes arsensaures K. Zur Entfernung 
des Arsens und Schwefels werden die Erze zu 
nächst geröstet, darauf mit Soda und Salpeter 
geschmolzen oder mit Königswasser behandelt, 
und die schließlich in schwefelsaure Lösung 
übergeführten Metalle nach bekannten Verfahren 
vom Eisen, Blei, Wismut und Kupfer befreit. 
Die schwierige Trennung von dem neben K. 
allein zurückbleibenden Nickel erfolgt durch 
fraktionierte Fällung mit Soda und Chlorkalk, 
wobei Kobaltoxyd zuerst ausfällt, oder durch 
Abscheidung als Kobaltkaliumnitrit mit salpe 
trigsaurem Kalium. Häufiger noch bedient man 
sich des trockenen Verfahrens. Das reine Metall 
wird dprch Reduktion der Oxyde im Wasser 
stoffstrom oder mit Kohle in Form eines grauen 
Pulvers oder glänzender Blättchen erhalten und 
liefert, bei 1050—1250 0 geschmolzen, harte 
Stücke, welche schöne Politur und silberweißen, 
an der Luft beständigen Glanz annehmen. K. 
besitzt das spez. Gew. 8,500, ist stark magne 
tisch und von hoher Dehnbarkeit und Festig 
keit. Die durch direktes Schmelzen gewonnenen 
Stücke sind wegen ihres Kohlenstoffgehaltes 
brüchig und können weder gehämmert noch 
gewalzt werden. Nach Zusammenschmelzen mit 
1 / 10 0 /° Magnesium, aber lassen sie sich in der 
Hitze schmieden und dehnen. Von den zwei 
Reihen von Verbindungen des K. besitzen nur 
die Oxydulsalze (s. Kobaltchlorür) wegen ihres 
Farbenspiels gewisses Interesse. Das metallische 
K. findet beschränkte Verwendung zur Her 
stellung von Draht und Blech sowie von luft 
beständigen galvanischen Überzügen auf Obst 
messern, Klischees usf. Die außerordentliche 
technische Bedeutung, der Kobalterze beruht auf 
ihrer Verarbeitung zu Farbstoffen. 
Kobaltchlorür (Chlorkobalt, lat. Cobaltum 
chloratum, frz. Chloride de cobalt, engl. Chlo 
ride of cobalt), kleine rote Kristallnadeln von 
der Formel CoC1 2 -|-6H 2 0, welche beim Erwär 
men durch Wasserverlust blau werden und zur 
Verfertigung vori sympathetischer ■ Tinte An 
wendung finden. 
Kobaltfarben. Um 1550 soll die Entdeckung 
gemacht worden sein, daß die bis dahin für 
wertlos gehaltenen Kobalterze Glasflüsse schön 
blau färbten, und dadurch zur Begründung der 
Kobaltindustrie Sachsens und Böhmens geführt 
haben, jedoch sind auch aus dem Altertum 
stammende blaue Gläser als mit Kobalt gefärbt 
erfunden worden. Zur Darstellung des wich 
tigsten Erzeugnisses, der Smalte, wird fein ge 
mahlener Quarz mit Pottasche und geröstetem 
Kobalterz geschmolzen, der entstehende, schön 
blaue Fluß von der am Boden abgesonderten 
Schlacke, der sog. Nickel- oder Kobaltspeise, 
abgelassen und noch flüssig in . kaltes Wasser 
gegossen. Die durch das Abschrecken mürbe 
gewordene Masse wird auf Stampf- oder Walz- 
I werken gröblich zerkleinert, zwischen granite 
nen Mühlwalzen sehr fein gemahlen und der 
blaue Schlamm in vieles Wasser eingerührt. 
Die zuerst niederfallenden gröbsten Teilchen 
bilden das Streublau, in einem zweiten Bottich 
setzt sich die tiefste Tönung des Blaus, die 
„Farbe“ oder Couleur ab, in einem folgenden 
der Eschel, und zum Schluß, der Sumpf- 
eschel, der entweder als hellstes und geringstes 
Blau verkauft oder, wie meist auch das Streu 
blau, einer späteren Schmelze wieder zugesetzt 
wird. Bisweilen kommt das letztere auch als 
blauer Streusand in den Handel. Das schöne 
Blau der Smalte besitzt eine Dauerhaftigkeit 
wie wenige andere Farben und übertrifft auch 
den künstlichen Ultramarin an Widerstands 
fähigkeit gegen Säuren und Hitze. Sie wird zur 
Fresko- und Zimmermalerei und zu Außen 
anstrichen benutzt. Als Einbrennfarbe für fei 
nere Arbeiten auf Glas und Porzellan wird sie 
hingegen durch die reineren Oxyde, für Töpfef- 
glasuren und Steingutmalereien aber durch den 
Zaffer oder Saflor ersetzt. Der letztere ist das 
unmittelbare Erzeugnis der H ütten, welches in Form
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.