Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Knochenöl

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Kobaltfarben

dem  Dämpfen  und  darauf  folgendem  Trocknen
nunmehr  sehr  spröden  Knochen  werden  zu
einem  feinen  Pulver  vermahlen,  welches  20  bis
250/0  Phosphorsäure  und  3—50/0  Stickstoff,  aber
nicht  mehr  als  6o/ 0  Fett  enthalten  soll.  Es  findet
sowohl  als  Düngemittel  wie  als  Futterzusatz
Anwendung  und  dient  außerdem  zur  Herstellung
von  Superphosphat  (s.  d.).  Durch  völlige  Entleimung ­
  und  den  Zusatz  von  Mineralphosphaten
wird  der  Düngewert  bisweilen  sehr  verringert,
Es  empfiehlt  sich  daher,  stets  eine  Kontrollanalyse
  ausführen  zu  lassen.
Knochenöl  (Knochenfett).,  Von  dem  bei  der
Gewinnung  des  Knochenmehles  abfallenden  Fett
ist  das  durch  Auskochen  frischer  Knochen  erhaltene ­
  Sudfett  das  wertvollere.  Es  bildet  eine
schwach  bräunlich  gefärbte  und  fast  geruchlose
Masse,  während  das  mit  Benzin  extrahierte  sog.
Extraktionsfett  dunkelbraun  und  außerordentlich ­
  übelriechend  ist.  Zur  Entfärbung  und  Beseitigung ­
  des  üblen  Geruchs  behandelt  man  das
Fett  mit  Oxydationsmitteln  (Chromsäure)  und
verwendet  das  gereinigte  Produkt  zur  Herstellung ­
  von  Seifen.  Das  durch  Ausfrieren  und
Abpressen  von  den  festen  Anteilen  befreite
flüssige  K.  ist  außerordentlich  kältebeständig
und  dient  als  Schmiermittel  für  feine  Instrumente. ­

Knoppern  (frz.  Galles  ä  I’epine,  engl.  Gallnuts)
  nennt  man  die  durch  eine  Ga  11  wespe
(Cynips,  calicis)  zwischen  Fruchtknoten  und
Bechern  gewisser  Eichen  hervorgerufenen
Gallen,  die  besonders  aus  Ungarn,  Dalmatien,
der  Bukowina  und  Slawonien  in  den  Handel
kommen.  Es  sind  unregelmäßige,  stark  gefurchte, ­
  eckige  und  stachlige  Gebilde,  die  meist
die  verkümmerte  Eichel  noch  umschließen  und
braun  oder  gelb  gefärbt  erscheinen.  Die  Einsammlung ­
  erfolgt  im  September  und  Oktober,
wenn  die  K.  von  den  Bäumen  fallen,  und  gibt
bei  günstiger,  d.  h.  warmer  und  trockner  Witterung ­
  bis  zu  125  kg  von  einem  einzigen  Baum.
Die  K.  enthalten  bis  zu  45  o/ 0  Gerbstoff  und
finden  sowohl  in  gemahlenem  Zustande  als  K.-Mehl,
  wie  in  Form  von  K.-Extrakt  zum
Gerben,  besonders  von  Sohlleder,  und  zum
Färben  als  Ersatz  für  Galläpfel  Anwendung.
Kobalt  (lat.  Cobaltum,  frz.  und  engl.  Cobalt),
ein  dem  Nickel  nahe  verwandtes  Metall,  Co=5g,
kommt  in  elementarem  Zustande  auf  der  Erde
nicht  vor,  sondern  nur  in  Form  wenig  verbreiteter ­
  Mineralien:  Speiskobalt,  Smaltin
(Arsenkobalt),  Kobaltglanz  (Schwefelarsenkobalt) ­
  und  Kobaltblüte,  ein  aus  dem  vorigen
entstandenes  arsensaures  K.  Zur  Entfernung
des  Arsens  und  Schwefels  werden  die  Erze  zunächst ­
  geröstet,  darauf  mit  Soda  und  Salpeter
geschmolzen  oder  mit  Königswasser  behandelt,
und  die  schließlich  in  schwefelsaure  Lösung
übergeführten  Metalle  nach  bekannten  Verfahren
vom  Eisen,  Blei,  Wismut  und  Kupfer  befreit.
Die  schwierige  Trennung  von  dem  neben  K.
allein  zurückbleibenden  Nickel  erfolgt  durch
fraktionierte  Fällung  mit  Soda  und  Chlorkalk,
wobei  Kobaltoxyd  zuerst  ausfällt,  oder  durch
Abscheidung  als  Kobaltkaliumnitrit  mit  salpetrigsaurem ­
  Kalium.  Häufiger  noch  bedient  man
sich  des  trockenen  Verfahrens.  Das  reine  Metall
wird  dprch  Reduktion  der  Oxyde  im  Wasserstoffstrom ­

  oder  mit  Kohle  in  Form  eines  grauen
Pulvers  oder  glänzender  Blättchen  erhalten  und
liefert,  bei  1050—1250 0  geschmolzen,  harte
Stücke,  welche  schöne  Politur  und  silberweißen,
an  der  Luft  beständigen  Glanz  annehmen.  K.
besitzt  das  spez.  Gew.  8,500,  ist  stark  magnetisch ­
  und  von  hoher  Dehnbarkeit  und  Festigkeit. ­
  Die  durch  direktes  Schmelzen  gewonnenen
Stücke  sind  wegen  ihres  Kohlenstoffgehaltes
brüchig  und  können  weder  gehämmert  noch
gewalzt  werden.  Nach  Zusammenschmelzen  mit
1 / 10  0 /°  Magnesium,  aber  lassen  sie  sich  in  der
Hitze  schmieden  und  dehnen.  Von  den  zwei
Reihen  von  Verbindungen  des  K.  besitzen  nur
die  Oxydulsalze  (s.  Kobaltchlorür)  wegen  ihres
Farbenspiels  gewisses  Interesse.  Das  metallische
K.  findet  beschränkte  Verwendung  zur  Herstellung ­
  von  Draht  und  Blech  sowie  von  luftbeständigen ­
  galvanischen  Überzügen  auf  Obstmessern, ­
  Klischees  usf.  Die  außerordentliche
technische  Bedeutung,  der  Kobalterze  beruht  auf
ihrer  Verarbeitung  zu  Farbstoffen.
Kobaltchlorür  (Chlorkobalt,  lat.  Cobaltum
chloratum,  frz.  Chloride  de  cobalt,  engl.  Chloride ­
  of  cobalt),  kleine  rote  Kristallnadeln  von
der  Formel  CoC1 2 -|-6H 2 0,  welche  beim  Erwärmen ­
  durch  Wasserverlust  blau  werden  und  zur
Verfertigung  vori  sympathetischer  ■  Tinte  Anwendung ­
  finden.
Kobaltfarben.  Um  1550  soll  die  Entdeckung
gemacht  worden  sein,  daß  die  bis  dahin  für
wertlos  gehaltenen  Kobalterze  Glasflüsse  schön
blau  färbten,  und  dadurch  zur  Begründung  der
Kobaltindustrie  Sachsens  und  Böhmens  geführt
haben,  jedoch  sind  auch  aus  dem  Altertum
stammende  blaue  Gläser  als  mit  Kobalt  gefärbt
erfunden  worden.  Zur  Darstellung  des  wichtigsten ­
  Erzeugnisses,  der  Smalte,  wird  fein  gemahlener ­
  Quarz  mit  Pottasche  und  geröstetem
Kobalterz  geschmolzen,  der  entstehende,  schön
blaue  Fluß  von  der  am  Boden  abgesonderten
Schlacke,  der  sog.  Nickel-  oder  Kobaltspeise,
abgelassen  und  noch  flüssig  in  .  kaltes  Wasser
gegossen.  Die  durch  das  Abschrecken  mürbe
gewordene  Masse  wird  auf  Stampf-  oder  Walz-I
  werken  gröblich  zerkleinert,  zwischen  granitenen ­
  Mühlwalzen  sehr  fein  gemahlen  und  der
blaue  Schlamm  in  vieles  Wasser  eingerührt.
Die  zuerst  niederfallenden  gröbsten  Teilchen
bilden  das  Streublau,  in  einem  zweiten  Bottich
setzt  sich  die  tiefste  Tönung  des  Blaus,  die
„Farbe“  oder  Couleur  ab,  in  einem  folgenden
der  Eschel,  und  zum  Schluß,  der  Sumpfeschel,
  der  entweder  als  hellstes  und  geringstes
Blau  verkauft  oder,  wie  meist  auch  das  Streublau, ­
  einer  späteren  Schmelze  wieder  zugesetzt
wird.  Bisweilen  kommt  das  letztere  auch  als
blauer  Streusand  in  den  Handel.  Das  schöne
Blau  der  Smalte  besitzt  eine  Dauerhaftigkeit
wie  wenige  andere  Farben  und  übertrifft  auch
den  künstlichen  Ultramarin  an  Widerstandsfähigkeit ­
  gegen  Säuren  und  Hitze.  Sie  wird  zur
Fresko-  und  Zimmermalerei  und  zu  Außenanstrichen ­
  benutzt.  Als  Einbrennfarbe  für  feinere ­
  Arbeiten  auf  Glas  und  Porzellan  wird  sie
hingegen  durch  die  reineren  Oxyde,  für  Töpfefglasuren
  und  Steingutmalereien  aber  durch  den
Zaffer  oder  Saflor  ersetzt.  Der  letztere  ist  das
unmittelbare  Erzeugnis  der  H  ütten,  welches  in  Form
            
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