Kork
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Kork
den sind, wird zunächst die obere harte Schicht,
der,sog. männliche Kork (Liöge male), in der
Weise entfernt, daß die noch teilungsfähige, korkbildende
Schicht (Mutterkork) erhalten bleibt.
Sie bildet eine neue Lage von elastischem weiblichen
K. (Lihge femelle), die nach Verlauf
von etwa zehn Jahren abgeschält werden kann.
Sie ist zwar weniger rissig als der männliche K.,
gibt aber noch keine besonders gute Korkmasse.
Eine brauchbare Handelsware wird vielmehr erst
bei der dritten Schälung erhalten, und von da
an verfeinert sich die Güte beständig, bis der
Baum ein Alter von 100—150 Jahren erreicht
hat. Die losgelösten, mehr oder weniger gebogenen,
S—20 cm dicken Korkplatten werden
nach oberflächlichem Abputzen in heißem odei
kaltem Wasser erweicht, darauf durch Beschweren
mit Steinen flach gedrückt und an der Luft getrocknet.
In manchen Gegenden Spaniens zieht
man die Korkschwarten auch wohl durch Flamraenfeuer,
wodurch die Masse innerlich gebräunt und
äußerlich angesengt wird. Hiermit soll durch
Schließung der Poren und Abhaltung vonWurmfraß
eine Verbesserung verbunden sein, doch
wird dadurch bisweilen auch eine schlechte Beschaffenheit
verdeckt. — Der K., der um so
höher geschätzt wird, je feiner und gleichmäßiger
er ist und je weniger Risse und Hohlräume
er zeigt, enthält neben 75 % Suberin etwa
4—S °/o Wasser, 0,3—0,5 % einer manganreichen
Asche und geringe Mengen von Stickstoffsubstanz,
Cerin, Gerbsäure, Phlorogluzin usw. Sein
spez. Gew. beträgt 0,12—0,15. — Von den zahlreichen
Handelssorten wird der helle, weiche
andalusische und der härtere, rötliche katatonische
K. besonders geschätzt. An zweiter'Stelle
sind die französischen und die sehr großen Erträge
Algiers (5 Mill.Kilogramm jährlich, allein in
der Provinz Constantine 400000 ha bebaut) zu nennen,
während die Zufuhren aus Korsika, Italien,
Sizilien und die sehr minderwertigen Sorten aus
Istrien und Dalmatien nicht als Flaschenkorke,
sondern nur als Fischerkorke (Schwimmkorke)
benutzt werden können. —■ Die Hauptverwendung
findet der K. zu Korkstopfen (Stöpseln,
Pfropfen, lat. Subera, frz. Bouchons, engl.Corks),
die früher aus den Ursprungsländern, besonders
Spanien, fertig geschnitten zu uns kamen, jetzt
aber in steigendem Maße aus eingeführten Platten
in England, Frankreich (Bordeaux) und
Deutschland geschnitten werden. Hauptort der
deutschen Korkschneiderei ist Delmenhorst in
Oldenburg, daneben gibt es in Bremen, Sachsen
(Raschau bei Schwarzenberg), Thüringen und
Wien bedeutende Fabriken. Das Schneiden erfolgt
entweder, wie bei der feineren Ware, mit
der Hand, oder bei Massenware mit iMaschinen.
Beim Schneiden mit der Hand, das teuerere, aber
wegen Vermeidung schadhafter Stellen auch
bessere Ware liefert und vielfach (bei Delmenhorst)
als Heimarbeit betrieben wird, zerlegt
man die, wenn nötig, in Wasser eingeweichten
und äußerlich „abgeborkten“ Platten, indem man
sie über das festgeklemmte Messer hinwegzieht,
in Streifen und letztere in Würfel. Mulmige und
sonst fehlerhafte Stellen werden ausgeschnitten,
auch muß darauf geachtet werden, daß die mit
lockerem Parenchym und Steinzellen (Lentizellen)
erfüllten dunklen Streifen, den Stopfen
quer durchsetzen. Nur bei den großen Spunden, 1
bei denen dies nicht möglich ist, verlaufen diese I
Streifen senkrecht. Das Rundschneiden der Würfel
endlich erfolgt in ähnlicher Weise, wie man ;
einen Apfel schält und erfordert große Geschick- j
lichkeit des Arbeiters, der stündlich bis zu 150
Stopfen fertigstellen kann. Alle mit der Hand 1
geschnittenen Korke sind daran zu erkennen, daß
ihr Querschnitt nicht kreisrund, sondern schwach
kantig ist. Von den zahlreichen Korkschneide- |
maschinen, die das Fünffache der Handarbeit
leisten, besteht diejenige des Franzosen Moreau j
aus stählernen Röhren nach Art der Kork- |
bohrer, diejenige von Bothius in Stockholm
und von Köhler in Kopenhagen aus Abschälmaschinen,
Stückschneidemaschinen, Rundschneidemaschinen.,
Schleifmaschinen, Sortier- ■
und Zählapparaten. Die Maschinenkorke sind in
der Regel kreisrund, werden aber zur Vortäuschung
der besseren Handschnittkorke bisweilen '
auch kantig geschliffen und zur Verschließung ]
der Poren mit Korkstaub eingerieben. Neben
den früher bevorzugten konischen („spitzen“), |
finden neuerdings mehr und mehr die besser 1
schließenden zylindrischen („geraden“) Kor- j
ken, besonders als „Champagnerkorke“, Eingang.. 1
Als gebräuchlichste Handelssorten sind anzufüh- ]
ren: Spunde (für Fässer und Glasballone), |
Stöpsel (Weinkorke) und Medizinstöpsel oder j
Mixturkorke in etwa zehn Nummern. Als i
Zeichen besonderer Güte gilt die helle Farbe, S
hohe Elastizität sowie das Fehlen von Löchern
und Wurmfraß. Zu ihrer Prüfung empfiehlt
der Verband deutscher Korkindustrieller die in
Wasser gelegten Stopfen einige Stunden einem
Druck von 4—5 Atmosphären auszusetzen, wobei j
nur die guten K. weiß, fest und glatt bleiben,
während die schlechten Veränderungen erleiden. j
Um die Korken geschmeidig zu machen,'wer- ;
den sie entweder in kaltem Wasser eingeweicht, 1
oder längere Zeit in feuchter Luft auf 150 0 erhitzt,
oder auch wohl mit wäßrigen Invertzucker- j
lösungen getränkt. Zur Erhöhung der Ela- {
stizität ist Blefchung mit Oxalsäure oder Chlor- 1
kalk und Schwefelsäure oder Kaliumpermanganat
und Natriumbisulfit empfohlen worden. Durch
Kochen in Harzen und Ölen oder durch Eintauchen
in Leimlösung mit Zusatz von etwas
Tannin oder Kaliumdichromat werden die K.
wasserdicht, durch Einbringen in eine Lösung
von Gelatine und Glyzerin und nachheriges
Überziehen mit Paraffin säurefest. Die Wiederverwendung
von Altkorken setzt eine sorgfältige
Behandlung mit Chemikalien voraus und
ist aus hygienischen Gründen durch die sächs.
Ministerialverordnung vom 12. VIII. 1909 gewissen
Einschränkungen unterworfen. — Neben
den Stopfen findet der Kork in dünnen Platten
Anwendung zu Einlegesohlen, zu Korkpapier für
Zigarettenmundstücke und Fluteinlagen, zu Atnboßunterlagen,
zur Herstellung profilierter Gebilde
und ganzer Fässer. Weniger gute Stücke
dienen zur Herstellung von Schwimmern für
Fischernetze, Ankerbojen, Schwimmgürteln und
Rettungsbooten. Die beim Schneiden erhaltenen
Korkabfälle, deren Menge bis zu 65% des
Rohstoffes ausmachen, werden gemahlen und
als Packmaterial, als Isoliermittel, zum Stopfen
von Kissen und Matratzen sowie zur Herstellung