Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Kork

224

Kork

den  sind,  wird  zunächst  die  obere  harte  Schicht,
der,sog.  männliche  Kork  (Liöge  male),  in  der
Weise  entfernt,  daß  die  noch  teilungsfähige,  korkbildende ­
  Schicht  (Mutterkork)  erhalten  bleibt.
Sie  bildet  eine  neue  Lage  von  elastischem  weiblichen ­
  K.  (Lihge  femelle),  die  nach  Verlauf
von  etwa  zehn  Jahren  abgeschält  werden  kann.
Sie  ist  zwar  weniger  rissig  als  der  männliche  K.,
gibt  aber  noch  keine  besonders  gute  Korkmasse.
Eine  brauchbare  Handelsware  wird  vielmehr  erst
bei  der  dritten  Schälung  erhalten,  und  von  da
an  verfeinert  sich  die  Güte  beständig,  bis  der
Baum  ein  Alter  von  100—150  Jahren  erreicht
hat.  Die  losgelösten,  mehr  oder  weniger  gebogenen, ­
  S—20  cm  dicken  Korkplatten  werden
nach  oberflächlichem  Abputzen  in  heißem  odei
kaltem  Wasser  erweicht,  darauf  durch  Beschweren
mit  Steinen  flach  gedrückt  und  an  der  Luft  getrocknet. ­
  In  manchen  Gegenden  Spaniens  zieht
man  die  Korkschwarten  auch  wohl  durch  Flamraenfeuer,
  wodurch  die  Masse  innerlich  gebräunt  und
äußerlich  angesengt  wird.  Hiermit  soll  durch
Schließung  der  Poren  und  Abhaltung  vonWurmfraß
  eine  Verbesserung  verbunden  sein,  doch
wird  dadurch  bisweilen  auch  eine  schlechte  Beschaffenheit ­
  verdeckt.  —  Der  K.,  der  um  so
höher  geschätzt  wird,  je  feiner  und  gleichmäßiger ­
  er  ist  und  je  weniger  Risse  und  Hohlräume ­
  er  zeigt,  enthält  neben  75  %  Suberin  etwa
4—S  °/o  Wasser,  0,3—0,5  %  einer  manganreichen
Asche  und  geringe  Mengen  von  Stickstoffsubstanz, ­
  Cerin,  Gerbsäure,  Phlorogluzin  usw.  Sein
spez.  Gew.  beträgt  0,12—0,15.  —  Von  den  zahlreichen ­
  Handelssorten  wird  der  helle,  weiche
andalusische  und  der  härtere,  rötliche  katatonische ­
  K.  besonders  geschätzt.  An  zweiter'Stelle
sind  die  französischen  und  die  sehr  großen  Erträge ­
  Algiers  (5  Mill.Kilogramm  jährlich,  allein  in
der  Provinz  Constantine  400000  ha  bebaut)  zu  nennen, ­
  während  die  Zufuhren  aus  Korsika,  Italien,
Sizilien  und  die  sehr  minderwertigen  Sorten  aus
Istrien  und  Dalmatien  nicht  als  Flaschenkorke,
sondern  nur  als  Fischerkorke  (Schwimmkorke)
benutzt  werden  können.  —■  Die  Hauptverwendung ­
  findet  der  K.  zu  Korkstopfen  (Stöpseln,
Pfropfen,  lat.  Subera,  frz.  Bouchons,  engl.Corks),
die  früher  aus  den  Ursprungsländern,  besonders
Spanien,  fertig  geschnitten  zu  uns  kamen,  jetzt
aber  in  steigendem  Maße  aus  eingeführten  Platten ­
  in  England,  Frankreich  (Bordeaux)  und
Deutschland  geschnitten  werden.  Hauptort  der
deutschen  Korkschneiderei  ist  Delmenhorst  in
Oldenburg,  daneben  gibt  es  in  Bremen,  Sachsen
(Raschau  bei  Schwarzenberg),  Thüringen  und
Wien  bedeutende  Fabriken.  Das  Schneiden  erfolgt ­
  entweder,  wie  bei  der  feineren  Ware,  mit
der  Hand,  oder  bei  Massenware  mit  iMaschinen.
Beim  Schneiden  mit  der  Hand,  das  teuerere,  aber
wegen  Vermeidung  schadhafter  Stellen  auch
bessere  Ware  liefert  und  vielfach  (bei  Delmenhorst) ­
  als  Heimarbeit  betrieben  wird,  zerlegt
man  die,  wenn  nötig,  in  Wasser  eingeweichten
und  äußerlich  „abgeborkten“  Platten,  indem  man
sie  über  das  festgeklemmte  Messer  hinwegzieht,
in  Streifen  und  letztere  in  Würfel.  Mulmige  und
sonst  fehlerhafte  Stellen  werden  ausgeschnitten,
auch  muß  darauf  geachtet  werden,  daß  die  mit
lockerem  Parenchym  und  Steinzellen  (Lentizellen) ­
  erfüllten  dunklen  Streifen,  den  Stopfen

quer  durchsetzen.  Nur  bei  den  großen  Spunden,  1
bei  denen  dies  nicht  möglich  ist,  verlaufen  diese  I
Streifen  senkrecht.  Das  Rundschneiden  der  Würfel ­
  endlich  erfolgt  in  ähnlicher  Weise,  wie  man  ;
einen  Apfel  schält  und  erfordert  große  Geschick-  j
lichkeit  des  Arbeiters,  der  stündlich  bis  zu  150
Stopfen  fertigstellen  kann.  Alle  mit  der  Hand  1
geschnittenen  Korke  sind  daran  zu  erkennen,  daß
ihr  Querschnitt  nicht  kreisrund,  sondern  schwach
kantig  ist.  Von  den  zahlreichen  Korkschneide-  |
maschinen,  die  das  Fünffache  der  Handarbeit
leisten,  besteht  diejenige  des  Franzosen  Moreau  j
aus  stählernen  Röhren  nach  Art  der  Kork-  |
bohrer,  diejenige  von  Bothius  in  Stockholm
und  von  Köhler  in  Kopenhagen  aus  Abschälmaschinen, ­
  Stückschneidemaschinen,  Rundschneidemaschinen., ­
  Schleifmaschinen,  Sortier-  ■
und  Zählapparaten.  Die  Maschinenkorke  sind  in
der  Regel  kreisrund,  werden  aber  zur  Vortäuschung ­
  der  besseren  Handschnittkorke  bisweilen  '
auch  kantig  geschliffen  und  zur  Verschließung  ]
der  Poren  mit  Korkstaub  eingerieben.  Neben
den  früher  bevorzugten  konischen  („spitzen“),  |
finden  neuerdings  mehr  und  mehr  die  besser  1
schließenden  zylindrischen  („geraden“)  Kor-  j
ken,  besonders  als  „Champagnerkorke“,  Eingang..  1
Als  gebräuchlichste  Handelssorten  sind  anzufüh-  ]
ren:  Spunde  (für  Fässer  und  Glasballone),  |
Stöpsel  (Weinkorke)  und  Medizinstöpsel  oder  j
Mixturkorke  in  etwa  zehn  Nummern.  Als  i
Zeichen  besonderer  Güte  gilt  die  helle  Farbe,  S
hohe  Elastizität  sowie  das  Fehlen  von  Löchern
und  Wurmfraß.  Zu  ihrer  Prüfung  empfiehlt
der  Verband  deutscher  Korkindustrieller  die  in
Wasser  gelegten  Stopfen  einige  Stunden  einem
Druck  von  4—5  Atmosphären  auszusetzen,  wobei  j
nur  die  guten  K.  weiß,  fest  und  glatt  bleiben,
während  die  schlechten  Veränderungen  erleiden.  j
Um  die  Korken  geschmeidig  zu  machen,'wer-  ;
den  sie  entweder  in  kaltem  Wasser  eingeweicht,  1
oder  längere  Zeit  in  feuchter  Luft  auf  150 0  erhitzt, ­
  oder  auch  wohl  mit  wäßrigen  Invertzucker-  j
lösungen  getränkt.  Zur  Erhöhung  der  Ela-  {
stizität  ist  Blefchung  mit  Oxalsäure  oder  Chlor-  1
kalk  und  Schwefelsäure  oder  Kaliumpermanganat
und  Natriumbisulfit  empfohlen  worden.  Durch
Kochen  in  Harzen  und  Ölen  oder  durch  Eintauchen ­
  in  Leimlösung  mit  Zusatz  von  etwas
Tannin  oder  Kaliumdichromat  werden  die  K.
wasserdicht,  durch  Einbringen  in  eine  Lösung
von  Gelatine  und  Glyzerin  und  nachheriges
Überziehen  mit  Paraffin  säurefest.  Die  Wiederverwendung ­
  von  Altkorken  setzt  eine  sorgfältige ­
  Behandlung  mit  Chemikalien  voraus  und
ist  aus  hygienischen  Gründen  durch  die  sächs.
Ministerialverordnung  vom  12.  VIII.  1909  gewissen ­
  Einschränkungen  unterworfen.  —  Neben
den  Stopfen  findet  der  Kork  in  dünnen  Platten
Anwendung  zu  Einlegesohlen,  zu  Korkpapier  für
Zigarettenmundstücke  und  Fluteinlagen,  zu  Atnboßunterlagen,
  zur  Herstellung  profilierter  Gebilde ­
  und  ganzer  Fässer.  Weniger  gute  Stücke
dienen  zur  Herstellung  von  Schwimmern  für
Fischernetze,  Ankerbojen,  Schwimmgürteln  und
Rettungsbooten.  Die  beim  Schneiden  erhaltenen
Korkabfälle,  deren  Menge  bis  zu  65%  des
Rohstoffes  ausmachen,  werden  gemahlen  und
als  Packmaterial,  als  Isoliermittel,  zum  Stopfen
von  Kissen  und  Matratzen  sowie  zur  Herstellung
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.