Lanthan
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Laurelnußöl
und schließlich durch Extrahieren mit Azeton
in reines Wollfett überführt. Das so erhaltene
wasserfreie Wollfett (lat. Adeps lanae
anhydricus) des D. A. B., eine hellgelbe,
salbenartige Masse von schwachem, eigentüm
lichem Geruch, ist in Wasser unlöslich, aber im
stande, die 2—3 fache Menge Wasser aufzu
nehmen, ohne die salbenartige Beschaffenheit
zu verlieren, und schmilzt bei 40 0 C. Von der
tierischen Haut wird es resorbiert und zeigt
wenig Neigung zum Ranzigwerden. Reines
Wollfett darf nur einen s.ehr geringen Aschen
rückstand hinterlassen und nur eine Spur freier
Säure, hingegen keine Alkalien, Chloride und
Glyzerin enthalten. In chemischer Hinsicht ist
es als ein Gemisch von Cholesterin- und Iso-
choleseterin-Fettsäureester aufzufassen. Als
Identitätsreaktion dient daher der, Cholesterin
nachweis. Löst man 1 g Wollfett in 50 g Chloro
form und schichtet die Lösung über Schwefel
säure, so entsteht an der Berührungsstelle eine
Zone von feurig-braunroter Färbung. Ein be
sonders gut gereinigtes Wollfett wird als Ala-
purin in den Verkehr gebracht. Während das
wasserfreie Wollfett nur im Großhandel, in
den Apotheken und Drogenhandlungen zur Her
stellung von Salben Verwendung findet, ist das
wasserhaltige Wollfett, schlechtweg Lanolin
genannt, ein Gegenstand des Kleinhandels. Das
wasserhaltige Wollfett (Adeps lanae cum
aqua des D.A.B.), eine Mischung von 75 Teilen
Wollfett und 25 Teilen Wasser, stellt eine gelb
lichweiße, salbenartige Masse dar, die sich
beim Erwärmen im Wasserbade in eine wäßrige
und eine auf dieser schwimmende ölige Schicht
trennt, und soll nach dem Trocknen bei 100 0
nicht mehr als 260/0 an Gewicht verlieren. Um
das wasserhaltige Wollfett recht geschmeidig zu
machen, setzt man ihm öfters noch Olivenöl zu.
Die Wollfettsalbe des D.A.B. enthält 20 0/0
Olivenöl. Für kosmetische Zwecke werden dem
Lanolin vielfach ätherische Öle, Vanillin u. dgl.
zugesetzt.
Lanthan, ein Element aus der Reihe der sel
tenen Metalle vom Atomgewicht La = 138,
findet sich als Begleiter des Zers und Didyms
im Zerit, Monazit, Orthit und Gadolinit und
wird in beschränktem Maße bei der Herstellung
von Glühstrümpfen benutzt.
Laserpitin, C 15 H 22 O it , ein Bitterstoff aus der
Wurzel von Laserpitium latifolium (s. En
zianwurzel, weiße), welche 1,5 °/o L. enthält,
bildet große, glänzende, farblose, prismatische
Kristalle, die unlöslich in Wasser, löslich in
Äther und Benzol, bei 118 0 schmelzen. Das L.
wird durch Kochen mit Kalilauge in Angelika
säure und Laserol gespalten.
Lastings sind Wollatlasse, d. h. nach Atlas
art dichtgewebte Zeuge aus hartem Kamm
garn, die meist nur in Schwarz und anderen
dunklen Farben Vorkommen und als Möbel
stoffe, zu Schuhen, Halsbinden, Westen- und
Kleiderstoffen Verwendung finden, 'Häufig ist
der Stoff ein gemischter, mit Kette von Baum-
wollzwirn, und heißt dann bisweilen l’ara-
matta.
Lasurstein, Lasurit (Lapis lazuli), ein
schön himmelblaues, undurchsichtiges, schon im
Altertum als Schmuckstein geschätztes und häu
fig zu Gemmen geschnittenes Mineral aus Si
birien, der Tatarei, der kleinen Bucharei, China
und den chilenischen Anden, findet sich haupt
sächlich klumpenweise in Kalkfels in Begleitung
von Schwefelkies, aber immer nur vereinzelt
und meist in kleineren Massen. Hingegen sind
große reine Stücke selten, weil er meist von
weißen Adern durchzogen ist und Schwefelkies
in kleinen, messingglänzenden Teilchen einge
sprengt enthält. Der Stein nimmt eine schöne
Politur an, verliert sie indes infolge seiner ge
ringen Härte (5,5) leicht wieder. Seine Verwen
dung zu Schmuckwaren, besonders in Frank
reich und Italien, ist dem Modewechsel stark
unterworfen. Größere Stücke werden zu Dosen,
Urnen, Schmuck usw. verwendet. Namentlich
in Rußland bestehen berühmte Schleifereien,
denen die schönen Bauverzierungen am Winter
palast und der Isaakskirche zu Petersburg ent
stammen. Früher hatte der Stein selbst in klei
nen Brocken und Abfällen einen hohen Wert,
denn er diente zur Darstellung der schönsten
und teuersten blauen Malerfarbe, des Ultra
marins (s. d.), das jetzt auf künstlichem Wege
erzeugt wird. In chemischer Hinsicht besteht
er lediglich aus Kiesel- und Tonerde, Kalk,
Natron, Schwefel und wird durch Säuren unter
Zerstörung der blauen Farbe und Hinterlassung
von Kieselgallerte gelöst. Lasur ist unter Kupfer
lasur besprochen.
Lafschenkiefernöl (Latschenöl, Krumm
holzöl, lat. Oleum Pini pumilionis, frz. Essence
de pin de montagne, engl. Oil of pine mon
tane), das ätherische Öl der Krummholz^
kiefer (Pinus Pumilio) wird hauptsächlich in
den österreichischen Alpenländern,- besonders in
Tirol, im südlichen Niederösterreich und an der
nördlichen Grenze Steiermarks sowie in der
Tatra und in der Nähe des Grünen Sees ge
wonnen. Es ist linksdrehend, hat ein spez. Gew
von 0,860—0,875 und wird zu Einreibungen und
zum Inhalieren benutzt.
Latwerge (lat. Electuarium) nennt man eine,
früher mehr als jetzt gebräuchliche Arzneiform,
in welcher bittere oder sonst übelschmeckende,
gepulverte Arzneikörper mit Honig oder ge
zuckertem Fruchtmus gemischt sind, um sie für
den Geschmack angenehmer zu machen. Am
gebräuchlichsten sind noch die abführende
Senna- und Tamarindenlatwerge, die
bittere Magenlatwerge, welche durch einen
Zusatz von Opium zum Theriak wird, und
eine oder die andere Zahnlatwerge.
Laurelnußöl. Unter diesem Namen kommt
aus Ostindien ein fettes öl in den Handel, das
aus den Samen eines im Aussehen dem Lor
beer ähnlichen Baumes (Calophyllum ino-
phyllum) gewonnen wird. Der Baum, der auch
das ostindische Takamahak liefert, kommt
besonders häufig an der Westküste von Tra-
vancore vor und wird von den Engländern
Alexandrian laurel, von den Hindus Sultan
champa und von den Malayen Punnai ge
nannt. Die Frucht ist im frischen Zustande
grünlichgelb, trocken braun bis schwarz und
enthält zwei dicht zusammenhängende, halb
kugelige Samenlappen mit etwa 68 o/ 0 eines
fetten Öles, das zum Brennen in Lampen und
zur Darstellung von Seife Verwendung findet-