Lauths’ Violett
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Lebertran
Das grünlichgelbe Öl schmeckt aromatisch
bitter, erstarrt bei i6° C und hat ein spez. Gew.
von 0,930. Bei der Elaidinprobe wird es nach
2t/ 2 Stunden fest und erscheint nach 24 Stunden
als butterähnliche, zitronengelbe Masse. — Den
Namen Laurel oder Thihue führt auch ein in
Chile heimischer Baum (Laurelia aromatica
seu Pavonia sempervirens), dessen Blätter,
■ebenso wie die nach Muskat riechenden Nüsse,
als Küchengewürz Verwendung finden. Die me
dizinisch benutzte Rinde ist außen weißgrau,
gewöhnlich mit Flechten bedeckt, innen hin
gegen graubraun und besitzt einen an Sassafras
erinnernden, aromatischen Geruch und Ge
schmack.
Lauths’ Violett (Thionin), ein seit 1876 im
Handel vorkommender Thiazinfarbstoff, wird
durch Oxydation von Paraphenylendiamin mit
Eisenchlorid in saurer schwefelwasserstoffhal
tiger Lösung dargestellt und besteht aus der
Chlorwasserstoffverbindung des Imidamidothio-
diphenylimids. Seine Zusammensetzung ent
spricht der Formel NH .C c H 4 (NS)C 6 H 4 . NH 2 .
Das schwarzgrüne, metallisch glänzende Pulver
ist in kochendem Wasser mit violetter Farbe
löslich. Konzentrierte Schwefelsäure gibt eine
gelbgrüne Lösung, die beim Verdünnen mit
Wasser erst blau, dann violett wird. In der
Praxis wird der Farbstoff nicht mehr benutzt.
Lava nennt man alle Gesteinsmassen, die in
feurigflüssiger Beschaffenheit von Vulkanen
ausgestoßen und dann erstarrt sind. Je nach
der Art ihrer Entstehung zeigen sie wechselnde
Zusammensetzung und Eigenschaften. Neben
sehr kieselsäurereichen (sauren) finden sich
stärker basische, neben sehr dichten und harten
blasige und weiche Laven. Die widerstands
fähigeren eignen sich gut zu Bau- und Pflaster
steinen, zu Mühlsteinen, Trögen und anderen
Steinhauerarbeiten, während die politurfähigen,
schön gefärbten Stücke, vielfach zu kleinen Ge
brauchsgegenständen und Schmuckwaren, wie
Vasen, Dosen, Tischplatten, Siegelsteinen ver
arbeitet werden. Die sog. Lavagasbrenner
sind nicht aus L., sondern aus Speckstein her
gestellt.
LavendelblUten (Lavendel, lat. Flores lavan-
dulae, frz. Fleurs de lavande, engl. Lavender
flowers) sind die vor dem völligen Aufblühen
gesammelten und getrockneten Blüten von La-
vandula officinalis (vera oder spica), einer
im wärmeren Europa heimischen Labiale, die im
südlichen Frankreich und in England in großen
Mengen angebaut wird. Da die Blüten beim
Trocknen sehr zusammenschrumpfen und ihre
schöne Farbe verlieren, so zeigt die scheinbar
nur aus den Kelchen und Blütenstielen be
stehende Droge ein gräulichblaues Aussehen.
Wegen ihres durch das ätherische Lavendelöl
(s. d.) bedingten stark und angenehm aromati
schen Geruchs finden die L. für den Haus
gebrauch teils als wohlriechendes, teils als
stärkendes oder linderndes Mittel in Form von
Waschungen, Bähungen, Bädern, oder trocken
111 Kräuterkissen ausgedehnte Verwendung.
Lavendelöl (lat. Oleum lavandulae, frz. Es-
sence de lavande, engl. Oil of lavender), das
ätherische Öl des Lavendels, wird durch
Wasserdampfdestillation der frischen Lavendel-
Mercks Warenlexikon.
blüten gewonnen. Die Hauptmenge, des L.
kommt aus Südfrankreich. Das französische Öl
ist eine farblose oder schwach gelbe bis grün
lichgelbe Flüssigkeit vom Geruch und Ge
schmack der Blüten, Das spez. Gew. liegt bei
0,882—0,896, die Drehung beträgt — ; 3 bis ■—9 0 .
Es enthält als wichtigsten Bestandteil Linalyl-
azetat (30—40 o/ 0 und darüber), daneben
Linalool, Geraniol, Nerol, Borneol,
Valeraldehyd, Amylalkohol, Äthylamyl-
keton, Furfurol, Kumarin, Karyophyilen
sowie Spuren Pinen und Zineol. Der Wert
des Öls geht im allgemeinen Hand in Hand
mit dem Gehalt an Linalylazetat. L. findet zu
Parfümeriezwecken und, als Auflösungsmittel
für feine Firnisse zum Aufträgen von Einbrenn-
farbcn (Glanzgold) für Porzellan vielfache An
wendung. Das besonders in England sehr
geschätzte englische oder Mitcham-Lavendelöl
unterscheidet sich vom französischen durch den
zineolartigen Nebengeruch und den niedrigen
Linalylazetatgehalt, der nur 5—io»/o beträgt;
von Bestandteilen wurden darin noch Limonen,
Linalool und Zineol nachgewiesen. Es hat ein
spez. Gew. von 0,881—0,904 und eine Drehung
von —1 bis —io°. — Eine geringwertige Sorte,
das S pik öl (lat. Oleum spicae, frz. Essence
d’aspic, engl. Oil of spike) von Lavandula
latifolia, welches einen kampferartigen Neben
geruch besitzt und als billiger Ersatz für L.
dient, enthält Rechts-Kamphen, Zineol,
L inks-L inalool, Rechts-Kampfer und
Rechts-Borneol. Es dreht gewöhnlich rechts
(bis —|— 7°), nur ganz ausnahmsweise links (bis.
; —2°) und hat ein spez. Gew. von 0,905—0,918.
Spiköl wurde früher fast ausschließlich in Süd
frankreich gewonnen, neuerdings kommen aber
auch bedeutende Mengen aus Spanien, wo es
fälschlicherweise auch den Namen spanisches
Lavendelöl führt. Bei letzterem liegt das spez.
Gew. zwischen 0,904 und 0,922, die Drehung
zwischen —5 und —(— 16 0 .
Laxan, Laxanin, Laxatol, Laxen, Laxin sind
Bezeichnungen für verschiedene Abführmittel,
die als wirksamen Bestandteil Phenolphtalein
enthalten.
Lebertran (lat. Oleum jecoris aselli, Oleum
morrhuae, frz. Huile de foie de morue, engl.
Cod-liver-oil) nennt man alle diejenigen feine
ren Transorten, die aus den Lebern ver
schiedener Schellfischarten, wie Gadus
morrhua (Kabeljau), Gadus callarias
(Dorsch), Gadus aeglefinus (Schellfisch)
usw. bereitet und namentlich zu medizinischen
Zwecken benutzt werden. Die Gewinnung des
L. wird in großem Maßstabe auf den Lofoten,
in Bergen, in Norwegen sowie in Neufundland
und Newhaven in Schottland betrieben. Vom
norwegischen L., der für Deutschland hauptsäch
lich in Betracht kommt, unterscheidet man nach
der Bereitungsweise zwei Arten, den Bauern-
tran oder Privatindustrietran, auch natu-
rcllerTran genannt, und denFabrik trän oder
Dampftran. Ersterer wurde ursprünglich allein
medizinisch benutzt, während jetzt zu medizi
nischen Zwecken fast nur noch der Dampftran
verwendet wird. Die Gewinnung des Bauern-
trans geschieht derart, daß die ungereinigten
Lebern mit den Gallenblasen in Fässer gebracht
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