Leim
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Leinengarn
doch hängt die Klebkraft keineswegs immer
von diesen Eigenschaften ab, vielmehr ist der
durch Kalziumphosphat fast immer milchig getrübte
Knochenleim zum Kleben von Holz vortrefflich
geeignet. — In kaltem Wasser quillt
L. unter Aufnahme der io—zofachen Menge
seines eigenen Gewichtes an Wasser auf und
wird um so höher geschätzt, je größer diese
Wasseraufnahme in 24 Stunden ist. Weiter verlangt
man von ihm, daß er glänzend, hart und
spröde und an der Luft trocken sei, beim Biegen
kurz abbreche und einen glasartigen Bruch
gebe. Der Wassergehalt soll 150/0, der Aschengehalt
1—5 o/q nicht übersteigen, da bereits Zusätze
von 2—3 0/0 Mineralstoffen die Klebkraft
verringern. In kaltem Wasser darf guter L.
selbst nach 48 Stunden nicht völlig zerflossen
sein, muß aber mit heißem Wasser eine völlig
neutrale Lösung geben. Das zuverlässigste Urteil
über die Güte des L. bietet die Ermittelung der
Klebkraft, indem man unter Innehaltung bestimmter
Vorschriften Holzstücke aneinander leimt und
das zum Zerreißen erforderliche Gewicht bestimmt.
—• In chemischer Hinsicht besteht gewöhnlicher
L. der Hauptsache nach aus Glutin,
neben welchem in geringer Menge Peptone,
Farbstoffe und Mineralstoffe zugegen sind. Das
Glutin gehört zu den Albuminoiden und unterscheidet
sich von den Eiweißkörpern sowie dem
Chondrin dadurch, daß es durch verdünnte Säuren,
auch Essigsäure, leicht gelöst wird und nicht
mit Ferrozyankalium, Alaun, Eisenvitriol und
Bleizucker Niederschläge liefert. Durch Gerbsäure
wird Glutin aus wäßriger Lösung gefällt.
Beim Kochen mit verdünnten Säuren oder
Laugen gibt es zum Unterschiede vom Chondrin
Glykokoll (Leimzucker). •— Von den
zahlreichen nach Städten gebildeten Flandelsbezeichnungen
(Kölner, Breslauer, Nördlingcr,
Reutlinger, Kahlaer, Mühlhäuser L.) sind die
meisten außer Gebrauch gekommen, mit Ausnahme
des Kölner L., unter welchem man eine
besonders helle, durchscheinende Sorte versteht,
Russischer L., eine mit weißer Mineralfarbe
{Bleisulfat, Bleiweiß, Zinkweiß, Kreide) vermischte
gewöhnliche Leimmasse, welche auch
als weißer L. bezeichnet wird, hat keinerlei
Vorzüge, sondern höchstens verminderte Klebkraft.
An Stelle der alten Ursprungsnamen bedient
man sich neuerdings mehr der Bezeichnungen:
hell, fein, mittelfein, mittel. — Der L.
findet als allgemeines Klebemittel ausgedehnte
Verwendung. Hellere Sorten dienen zu
Weberschlichte, zur kalten Vergoldung, zu Leimfarben,
in der I-Iutmachcrei zum Appretieren
von Strohhüten, zur Papierleimung, zur Herstellung
von Heklographenmasse, zum Ausfällen
des Gerbstoffs aus Farbholzabkochungen, dunklere
als Tischler- und Buchbinder-L. — Von
besondern L.-Präparaten seien noch folgende
erwähnt: Elastischer Leim für die Schwärztvalzen
der Buchdrucker und für Formen der
Galvanoplastik und Gipsgießerei besteht aus
gleichen Teilen L. und Glyzerin. — Flüssiger
L. wird durch Zusatz von Säuren, hauptsächlich
Salpetersäure, Essigsäure, Salzsäure zu konzentrierter
Leimlösung dargestellt. Besonders bewährt
haben sich folgende Vorschriften: 100 L.,
<00 Wasser, 6—12 rohe Salpetersäure, oder 40 L.,
40 Essig, 10 Spiritus und 5 Alaun. Bei aller
Handlichkeit findet der flüssige L. doch nm
beschränkte Anwendung, weil durch die Säure
die Klebkraft leidet und Farben angegriffen
werden. Die im Handel befindlichen Erzeuge
nisse enthalten übrigens oft gar keinen Leim,
sondern bestehen aus Lösungen von Gummiarabikum
mit ein paar Prozent Aluminiumsulfat.
— Mundleim, der in Täfelchen zum
Verkauf kommt und nur mit dem Speichel benetzt
zu werden braucht, entsteht durch Auflösen
von 2 Teilen L. oder Gelatine und 1 Teil
Zucker in 3 Teilen Wasser und Eindampfen auf
4 Teile. — Chromleim endlich erhält man
durch Mischen einer konzentrierten Lösung von
1 Teil Kaliumdichromat mit der erwärmten Lösung
von 5 Teilen L. in 45 Wasser. Er dient
zum Kitten von Glas, zum Leimen von Pergamentpapier
und zum Wasserdichtmachen von
Kofferüberzügen, indem er, dem Sonnenlichte
ausgesetzt, mit dem L. eine unlösliche Chromoxydverbindung
liefert. Wegen seiner Lichtcmpfindlichkeit
spielt er ebenfalls beim Pigmentund
Lichtdruck und der Photogalvanographie
eine Rolle.
Leinengarn. Der aus der Faser des Flachses
(s. d.) gesponnene Faden wird Flachsgarn,
häufiger Leinengarn genannt, während die
daraus gefertigten Gewebe stets als Leinen bezeichnet
werden. Das Garn wurde früher lediglich
als Handgarn auf dem Spinnrade oder zum
Teil noch mit der Spindel gesponnen und in
Deutschland in solchem Umfange erzeugt, daß
große Mengen als Faden und als Gewebe ausgeführt
werden, konnten. Durch den später eingetretenen
Wettbewerb der Maschinenspinnerei
haben sich die Verhältnisse aber sehr geändert,
so daß jetzt weit mehr Maschinen- als Handgarn
erzeugt wird, und die Handspinnerei auf
dem Rade nur noch in gewissen Gegenden bei
sehr armen Familien zu finden ist. Die Verspinnung
des Flachses auf Maschinen, welche
erst seit etwa 50 Jahren nach dem Vorbilde
Englands und meist mit englischen Maschinen
Eingang gefunden hat, bietet bei der Länge und
härteren ungekräuselten Beschaffenheit der
Flachsfascr weit mehr Schwierigkeiten als die
Verarbeitung der Baumwolle. Die durch das
Hecheln gereinigten, von kurzen Fasern befreiten,
verfeinerten und geordneten Risten gelangen
auf das endlose Zuführtuch der Andege,
um in Bänder von 100—150 cm Breite verwandelt
zu werden. Diese Bänder werden auf einer
Reihe von Streckwalzen immer mehr ausgezogen
und abwechselnd wieder dupliert und
gelangen dann auf die Vorspinnmaschine, ein
Streckwerk mit Spindeln, welch letztere der
Lunte durch eine leichte Drehung mehr Zusammenhalt
geben. Zum Schluß gibt die Feinspinnmaschine
dem lockeren Faden den letzten
Auszug und die verlangte Drehung und windet
ihn schließlich auf Holzspulen. Die Feinspinnmaschinen
für Flachs unterscheiden sich in
Trocken- und Naßspinnmaschinen. Die
ersteren liefern einen gröberen, rauhen und
unansehnlichen Faden, der nur zu gröberen
Geweben verwendet werden kann, während die
letzteren einen viel feineren, gleichmäßigeren
und glatten Faden ergeben. Das Werg oder