Leinengarn
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Leinengewebe
die Hede, d. i. die beim Hecheln ausgekämmte
wirre Fasermasse, unterliegt zunächst einer Bearbeitung
in Krempeln, und zwar einer Vorund
Feinkrempel, wie bei der Baumwolle,
welche die Masse entwirren, reinigen, die Fasern
möglichst parallel legen und zu einem Bande
vereinigen. Die Bänder werden dann wie vorhin
weiter behandelt, liefern aber gröberes, sog.
Towgarn. — Für die Bemessung und Bezeichnung
der Maschinengarne ist in den meisten
Spinnereien des Kontinents das englische Muster
eingeführt, nach dem die Weife 2 1 /» Yards
(gleich 2,286 m) Umfang hat. 120 Umläufe
machen also 300 Yards oder 1 Gebind, io Gebinde
1 Strähne und 20 Strähnen 1 Bündel englisch.
6 Bündef bei feineren und 3 bei den
gröberen Nummern bilden 1 Paket. Die Zahl
der Gebinde, welche auf 1 engl. Pfund gehen,
ergibt die Garnnummer. Es hält sonach i Pfund
Garn von Nr. 30 einen Faden von 9000 Yards
Länge, Nr. 70 21000 Yards usw. Bei Handgarn
gelten Ellen- und Schocke auch heute noch an
manchen Orten. Es steht zu hoffen, daß der
Krieg die schon lange angestrebte Einführung
des metrischen Systems beschleunigen wird. —
Zwischen Maschinen- und Handgespinst bestehen
wesentliche Unterschiede. Jede der beiden
Arten hat ihre besonderen Vorzüge und
Mängel, welche für die Verwendung maßgebend
sind. Das Maschinengarn ist immer gleichmäßig
voll und gerundet, das Handgarn dagegen häufig
stellenweise dünner oder dicker, kantig und
nicht frei von Knötchen. Dafür ist es weit glatter
als jenes, das durch hervorstehende feine Härchen
rauh und wollig erscheint. Aus diesem
Grunde ist das fadengleiche Maschinengarn
überall eingeführt, wo auf diese Eigenschaft
etwas ankommt, wie bei Zwirn, glatten Bändern,
Leinen. Die Gewebe daraus entbehren
aber des eigentümlichen Leinenglanzes, erscheinen
nach der Bleiche rauh und reiben sich beim
Tragen noch wolliger auf. Sie unterliegen daher
auch schneller der Abnutzung, tragen sich weniger
angenehm und schmutzen leichter. Wo also
der Leinenglanz, der sog. Spiegel, zur Geltung
kommen soll, wie bei Damast, ist das Handgarn
nicht zu verdrängen. Es kann sich überhaupt
um so eher gegen die Maschine behaupten,
je besser gesponnen wird, denn gutes
Handgarn von gleichem Faden ist stets dem
besten Maschinpngarn vorzuziehen. Man hat
daher auch schon längst in den Spinnereigegenden
durch Spinnschulen die Geschicklichkeit der
Arbeiterinnen zu heben und sie namentlich auf
die feineren Nummern hinzuführen gesucht. Die
Lage der Spinner ist infolgedessen nicht mehr
so trostlos als zu den Zeiten, in denen die
mechanischen Spinnereien Englands zuerst ihre
Massenware auf den Markt brachten. — Die
Leinengarne werden je nach ihrer Bestimmung,
ob zum Verweben oder zu Zwirn, schon
beim Spinnen verschieden fest gedreht. Das
Kettengarn erhält stärkere Drehung als das
mehr lockere Schußgarn, und auch das zu
Zwirn bestimmte wird weniger fest gesponnen.
Leinenzwirn entsteht durch Zusammendrehen
von 2, 3 oder 4 einzelnen Garnfäden zu einem
Ganzen, und zwar geschieht diese Drehung entgegengesetzt
derjenigen, unter vtelcher das Garn
entstand. Je nach der Anzahl der Fäden, die
ihn zusammensetzen, heißt er zwei-, drei- und
vierdrähtig usw. Im übrigen werden die zahlreichen
Sorten und Nummern gewöhnlich nach
dem Gebrauch, für den sie bestimmt sind, also
als Näh-, Strick-, Spitzen-, Litzenzwirn
benannt , Die Ware kommt teils gebleicht, teils
ungebleicht in den Handel. Der Nähzwirn wird
häufig gefärbt und appretiert, damit er beim
Nähen nicht rauh wird.
Leinengewebe. Die eigentliche Leinwand
(frz. Toile, engl. Linen) besitzt die für glatte
Gewebe charakteristische Bindung. Die Kette
ist in zwei gleiche Abteilungen geordnet, welche
die Fäden 1, 3, 5, bzw. 2, 4, 6 enthalten und
beim Weben abwechselnd nach oben und unten
gezogen werden, so daß nur zwei Tritte am
Webstuhl nötig sind. Nach dem Material unterscheidet
man Flachsleinwand oder reine
Leinwand, Hanfleinen (nur gröbere Sorten),
Wergleinwand und gemischte Gewebe. Letztere
zerfallen wieder in halbflächsene mit
Flachsgarnkette und Schuß von Werkgarn, und
halbbaumwollene, bei welcher Flachs- und
Baumwollgarn Kette und Schuß oder auch
Schuß und Kette bilden. Diese letzteren Gemische
geben stets eine untergeordnete, obwohl häufig:
gut aussehende Ware, die auch wohl irische
Leinwand genannt wird. Das gröbste leiriwändartige
Gewebe ist das Segeltuch, meist aus
Hanfgarn, dann folgen Zelt-, Pack- und
Sackleinen. Das zu Leibwäsche bestimmte
Gewebe erscheint in sehr verschiedenen Graden
der Stärke und Feinheit. Zu den stärkeren gehört
gewöhnlich die Hausleinwand, zu welcher
das Garn in ländlichen Wirtschaften selbst
gesponnen wird. Die fabrikmäßig erzeugte Kaufleinwand
besteht durchweg aus Maschinengarn,
da in Fabriken nur selten Handstühle aufgestellt
sind. Immerhin geschieht das Weben
noch vielfach auf den gewöhnlichen Handwebstühlen,
da einerseits Handgespinst wegen seiner
Ungleichheit für den Maschinenstuhl gar nicht
in Frage kommt, andererseits Maschinengarn,,
selbst das trocken gesponnene, oft nicht geschmeidig
genug und daher leicht dem Umschlingen
und Reißen ünterworfen ist, so daß nicht mit
der erforderlichen Raschheit gearbeitet werden
kann. Meist werden die Garne im ungebleichten
Zustande verwebt, nur die schlesische und böhmische
Weißgarnleinwand (Creas) und das westfälische
Löwentlinnen bestehen aus gebleichtem
Garn, Die Rohgarne kocht man vor dem Spulen
in Soda- oder Pottaschelauge, wodurch sie geschmeidiger
werden. Diejenigen Gewebe von
Rohgarnen, welche ungebleicht bleiben sollen,
sind vom Webstuhl weg fertig und werden nur
in Stückpakete gerollt und gebunden. Alle übrigen
erhalten Appretur, welche in Bleichen, Stärken,
Kalandern und zuweilen auch Glänzen besteht.
Gebleicht wird entweder durch Rasenbleiche
oder rascher unter Anwendung von Chlor
(Schnellbleiche). Die Rasenbleiche dient einer
Ware zur Empfehlung, da Chlor, wenn es nicht
sehr behutsam angewandt wird, die Haltbarkeit
der Faser leicht herabmindern kann. Das Bleichen
bezweckt die Löslichmachung und Entfernung
der anhaftenden dunkelfarbigen Stoffe
und besteht in abwechselnder Behandlung durch