Mandarinen
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Mandelöl, fettes
In England heißen derartige Stoffe meist Vel
vets, Velverets und Velveteens, Namen, die
auch bei uns üblich geworden sind und die alte
Benennung etwas verdrängt haben. Samtman-
chester nennt man die schwersten und feinsten
Stoffe, welche den echten Samt am besten nach
ahmen. Die gangbarste Farbe ist Schwarz, doch
gibt es auch anders gefärbte sowie bedruckte
Sorten. Ungerissene Gewebe dieser Art, bei
denen die Schlingen des Polfadens nicht auf-
geschnitten sind, und die also keine haarige
Oberfläche haben, bilden eine andere Gattung
und heißen Satin, Satinet usw. Die unechten
Samte werden jetzt in Frankreich und Deutsch
land ebenfalls hergestellt.
Mandarinen, die Früchte von Citrus myr-
tifolia und C. chinensis, sind kleine Pomeran
zen, die einen angenehmen süßen Geschmack
haben. Der Baum wächst in Italien, Spanien,
Algier und China. Mandarinenöl, das aus den
Fruchtschalen dieser Früchte, gewonnene äthe
rische Öl, riecht dem Pomeranzenöl ähnlich.
Mandelkleie (lat. Farina s. Furfur s. Placenta
amygdalarum amararum, frz. Son d’amandes,
engl. Eran of almonds) nennt man die nach dem
Auspressen des fetten Öles bzw. bei der De
stillation des bitteren Mandelöls und bit
teren Mandelwassers verbleibenden Rück
stände, die als kosmetisches Mittel, zum Waschen
gegen Hautunreinlichkeiten, zuweilen, unter Zu
satz von Sand, als Sandmandelkleie Verwen
dung finden. Einige im Handel befindliche Sor
ten sind außerdem noch mit zerkleinerter Seife
vermischt.
Mandeln (lat. Amygdalae, frz. Amandes, engl.
Almonds). Der Mandelbaum, Amygdalus
communis, welcher s—To m hoch wird und im
Freien nur bei Weinklima und geschützt gegen
rauhe Nord- und Ostwinde gezogen werden kann,
findet sich in Asien, in den Mittelmeerländern,
in Deutschland südlich des Mains, besonders
aber im Rheintal, an der Bergstraße und in der
Pfalz. Die schön rötlichen Blüten erscheinen
im ersten Frühling, die Reifezeit ist im August
und September. Die Zwerg- oder Strauch
mandel, Amygdalus nana, eine Zierpflanze,
die noch bis Livland gedeiht, trägt ungenießbare
Früchte, die jedoch in Rußland an Stelle der
bitterer! Mandeln benutzt werden. — Die Mandel
ist eine Steinfrucht und enthält in einer hart
fleischigen, aufspringenden Fruchtschale die von
der Steinschale umhüllten Samen. Eine Abart
mit besonders leicht zerbrechlicher Schale wird
als Krach- oder Knackmandel, A. fragilis,
bezeichnet. Die Mandeln kommen sowohl mit
süßen als mit bitteren Samen vor, ohne daß man
diesen Unterschied an dem Aussehen der Bäume
oder der Früchte zu erkennen vermöchte. -— Die
süßen M. (A. dulces) enthalten 45—55 °/o fettes
Öl, 20—25 °/o Stickstoffsubstanz (Konglutin und
Emulsin), 13% stickstofffreie Extraktstoffe (Zuk-
ker und Gummi) und 3—s % Mineralstoffe. Sie
besitzen einen süßen, schleimigen und angenehm
öligen Geschmack, der am feinsten nach der Ent
fernung der gelbbraunen, sehr gerbstoffreichen
Haut hervortritt. — Die bitteren M. (A. ama-
rae) unterscheiden sich von den süßen M. bei
sonst übereinstimmender Zusammensetzung durch
ihren Gehalt an Amygdalin (2,5—4%), einem
Glykoside, das beim Zerreiben mit Wasser unter
der Einwirkung des ebenfalls in den Mandeln
enthaltenen Enzyms (Emulsin) in Blausäure,
Bittermandelöl und Zucker zerfällt. Wegen der
entstehenden Blausäure sind bittere Mandeln, in
größeren Mengen genossen, gesundheitsschädlich
und für kleinere Tiere, z. B. Papageien, sogar
tödlich. — Als Verfälschung der M. sind Zu
sätze der Kerne von Amygdalus nana sowie von
Pfirsichen und Aprikosen beobachtet worden.
Die süßen Mandeln werden als Dessertfrucht, zu
Backwerk und Konditoreiwaren, zur Pierstellung
von Marzipan, Mandelöl (s. d.) und Mandelmilch
verwendet. Die bitteren M. dienen ebenfalls zur
Gewinnung des fetten Öles, ferner des Bitter
mandelöls, des 'Bittermandelwassers und des
Amygdalins, Der nach dem Auspressen des fetten
Öles bzw. dem Abdestillieren des ätherischen
bitteren Mandelöles und Wassers verbleibende
Rückstand gibt die Mandelkleie (s. d.). — Die
besten Handelssorten der Mandeln kommen aus
Malaga, danach aus Majorka, Alikante und Va-
lenzia in Spanien. Krachmandeln stammen aus
Malaga, Frankreich liefert süße und bittere Pro-
vencer-M. von kürzerer, dickerer Form tjnd
mittlerer Güte (Ambrosiamandeln, Abalan);
ferner Comtatsche M. in eirunden Körben, M.
von Languedoc, Molarissen und Mollisse oder
Sottole (frz. amandes aux dames, a. en coques,
a. en coquilles, a. ä craquum). Italien führt über
Lari, Palermo und Messina die drei Sorten: Bi-
schellia (Prima), Andrea (Sekunda) und Bari aus,
ferner von Sizilien: Avola (la), Masculi (Ila),
Palma et Girgenti (die geringsten). Die berbe-
rischen Barbanisse werden wenig geschätzt.
Neuerdings kommen auch aus Mogador M. in
den Handel. Gute M. sollen rein, unversehrt,
nicht angefressen und mit hellgelber glatter Haut
ohne Runzeln bedeckt sein. Sie dürfen keine zer
brochenen oder geborstenen Stücke enthalten
und keinen ranzigen Geschmack besitzen. Fehler
haft sind M. mit weißer oder schwärzlicher Haut,
geborstene, zähe oder durch Erhitzung verdorbene
M. — Als Mandelersatz werden Aprikosen- und
Pfirsichkerne, Erdnüsse u.dgl. bezeichnet (s. Mar
zipan).
Mandelöl, fettes (lat. Oleum amygdalarum
dulce expressum, frz. Huile d’amandes, engl. Al
monds oil) wird in der Weise gewonnen, daß
man die zerriebenen süßen M. bei mittlerer, nicht
über 30 0 steigender Temperatur auspreßt und
nach mehrtägigem Stehen in trockene braune
Flaschen abfüllt. Geringere Mengen erhält man
auch durch vorheriges Auspressen der zur Destil
lation des Bittermandelwassers bestimmten bitte
ren Mandeln. Die Ausbeute beträgt aus bitteren
Mandeln bis zu 36%, aus süßen bis so 0/0 Öl.
Das M. ist völlig klar, blaßgelblich, dünnflüssig
und von mildem, reinem Geschmack. Es trocknet
nicht an der Luft, besitzt das spez. Gew. 0,917
bis 0,920, die Verseifungszahl 196 und die Jod
zahl 85—96 und ist in 60 T. absolutem Alkohol
löslich. Bei -— t6° wird es weiß getrübt und er
starrt bei — 20°. Zum Nachweis der zahlreichen
Verfälschungen mit Aprikosenkern-, Pfirsich
kern- und anderem fetten Öl kann u. a. die Elaidin-
probe (s. Öle) herangezogen werden, welche bei
reinem M. nach 10—12 Stunden eine völlig weiße
und feste Schicht, bei den meisten anderen ölen