Marron
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Marzipan
Grunde dunkle Zeichnungen gleich zerfallenen
Bauten zeigt, ferner der Brocatello mit sehr
kleinen Bruchstücken, die Breccia Paonazza mit
weißen Flecken in schwarzer Grundmasse, die
violett und weiße violetta antica u. a. — Die
dritte Art, der zusammengesetzte Marmor,
hat sedimentären Ursprung und zeigt infolge
dessen nicht nur Flecken und Adern, die durch
fremde Mineralien (Chlorit, Serpentin) hervor
gerufen werden, sondern auch zahlreiche Ein
schlüsse organischer Reste, wie Muscheln, Schnek-
ken, Kopffüßler, die im Schliff oft schön hervor
treten. Der bekannteste dieser sog. Muschel-
marmore ist der Lumachell-M. von Bleiberg
in Kärnten, der wegen der Anwesenheit von
Ammonitenschalen im schönsten Regenbogen
glanze schimmert. Andere Vorkommnisse linden
sich in Italien, Belgien (St.-Annen-M.), Thürin
gen, bei Altdorf in Bayern, bei Ischl usw. Die
Breccien- und zusammengesetzten Marmore wer
den in der Regel nur als Ornamentsteine (Ar
chitekturmarmor) benutzt. — Außer den vor
genannten gibt es noch eine große Reihe anderer
Marmorlagerstätten, vor allem Portugal, mit fei
nem weißen und schwarzen M., Savoyen mit
grauem M., Sardinien, Korsika und Algier, wo in
wieder aufgefundenen alten Römerbrüchen rein
weißer, rötlicher, gelber und schön schwarzer,
weiß geaderter M. gefunden wird. Auch Spanien
ist reich an schönem M., der aber noch wenig
abgebaut wird. Frankreich hat farbige Marmor
sorten in den Pyrenäen und Vogesen, Belgien,
eines der an M. reichsten Länder, besonders in
der Gegend von Narnur und Gent, schönen
schwarzen M. Deutscher M., der meist in
grauen und braunen Tönen sowie schwarz und
weiß gemustert, selten in lebhaften Farben vor
kommt, wird vor allem zu Grabsteinen, Platten
und ähnlichen Bildhauerarbeiten benutzt. Aus
Thüringen kommen die Kinderspielkugeln
(Schusser, Märbein, Murmeln, Knippei) in gro
ßen Mengen in den Handel. Blankenburg am
Harz, Habelschwerdt in Schlesien, Bayreuth in
Bayern, Böhmen, Salzburg (rötlicher M. vom
Untersberg), Recklinghausen, Nassau sind als
weitere Fundorte zu nennen. — Die feinsten
Marmorsorten werden zu den Arbeiten der Bild
hauerkunst, kleinere Stücke zu kunstgewerblichen
Gebrauchsgegenständen wie Urnen, Uhren und
dergleichen, die übrigen M. zu architektonischen
Verzierungen, Säulen, Tischplatten, Wandbeklei
dungen verarbeitet, doch nimmt man zu letzteren
Zwecken vielfach nur in dünne Tafeln zersägte
Furniere. Die Färbung wird oft durch künst
liche Mittel, Behandlung mit Silbernitratlösung
(dunkelrot), Goldlösung (purpur), Grünspan 'grün),
Drachenblut, Gummigutti aufgebessert. Sonst
nicht verwendbare Stücke wandern in den Kalk
ofen.
Marron (Kastanienbraun, Chatin) nennt
man verschiedene braune bis braunrote Teer
farbstoffe, welche bei der Darstellung des
Fuchsins als Nebenprodukte gewonnen werden.
Marron NI ist ein phosphorhaltiges Fuchsin
(s. d.), Marron S ein unreines Säurefuchsin.
Marsala, der bekannteste und beliebteste der
süßen Likörweine Sizi iens, ist stark und feurig,
dem Madeira etwas ähnlich, aber süßer. Die
Farbe ist dunkelgelb, doch gibt es auch roten M.
Der Alkoholgehalt beträgt n,6g, der Extrakt
gehalt 6,4 g, der Zuckergehalt 3,3 g.
Martiusgelb, ein im Jahre 1864 von Martins
entdeckter Nitrofarbstoff, besteht aus dem Na
trium- oder Kalksalze des 2,4-Dinitroalpha-
naphtols, C 10 H 5 (NO 2 ) 2 OH, das durch Einwir
kung von Salpetersäure auf a-Naphtoldisulfosäure
oder Nitrosonaphtolsulfosäure dargestellt wird.
Der auch als Naphtolgelb, Naphtalingelb,
Manchestergelb, Naphtylamingelb, Cha-
nahlgelb, Jaune d’or bezeichnete Farbstoff
erscheint als orangegelbes Pulver oder in'Form
gelbroter Kristalle und ist. in Wasser, Alkohol
und Spritlacken löslich. M. färbt Wolle und
Seide ohne Beizen gelb in den verschieden
sten Tönen und ist außerordentlich ergiebig, so
daß 1 kg des Farbstoffs für 200 kg Wolle aus
reicht. Die früher geübte Benutzung des M.
zur Färbung von Nahrungsmitteln (Nudeln) ist
unzulässig, weil der Farbstoff giftig ist.
Marunken nennt man sowohl eine Art kleiner
gelber Aprikosen, wie auch große gelbe Eier
pflaumen, die entweder frisch oder auch ge
trocknet und in Zucker eingemacht in den Han
del kommen.
Marzipan (frz. Massepain, engl. Marchpain) ist
ein seit uralten Zeiten bekanntes Erzeugnis der
Zuckerbäcker oder Konditoreien, dessen Name
sich von dem lateinischen „marci panis“ (Mar
kusbrot) ableiten soll, wennschon nicht feststeht,
ob er dem Heiligen Markus oder einem sagen
haften Klosterkoch, dem angeblichen Erfinder
des M. zu Ehren gewählt wurde. Zuerst findet
sich die Bezeichnung in den Lübeckischen Zunft
rollen um 1530. Als Ausgangsmaterialien haben
jederzeit nur Mandeln und Zucker gedient, und
zwar erfolgt die Herstellung, die von den Apo
theken an die Zuckerbäcker und von diesen auch
an einige Großbetriebe übergegangen ist, in der
Weise, daß die gebrühten und geschälten süßen
Mandeln fein zerrieben und mit dem Staubzucker
vermischt werden, worauf kurzes Erhitzen (Rö
sten) in offenen Kesseln die Bildung einer gleich
mäßigen formbaren Masse bewirkt. Bei der
neuerdings von Oetker in Altona eingeführtem
Verarbeitung der billigeren bitteren Mandeln
wird zunächst durch längere Einwirkung von
Wasser und dem in den Mandeln enthaltenen,
■ Emulsin eine Spaltung des bitter schmeckenden
Amygdalins in Bittermandelöl und Blausäure be
wirkt, die dann bei dem anschließenden Röst
prozeß in flüchtiger Form entweichen. 'Das nach
dem einen oder anderen Verfahren erhaltene
Rohmarzipan (Marzipanmasse), das nor
malerweise aus 2 /s Mandeln und Vs Zucker be
stehen und nicht mehr als 17% Wässer enthalten
soll, bildet das Ausgangsmaterial für die Be
reitung des angewirkten M- und der ge
formten M.-Waren (Tiere, Früchte, Figuren,
Torten), die, abgesehen von Aromastolfen wie
Orangenblüten- und Roseonwasser, lediglich einen
Zusatz von höchstens der doppelten Menge
Zucker und, zur Vermeidung des Rissigwerdens,
von geringen Mengen Stärkesirup (bis zu 3,5 0 jo)
erhalten. Zusätze von mehr Stärkesirup sowie
von Mehl und den Samen anderer Früchte (Apri
kosen-, Pfirsich-, Pflaumenkerne, Pistazien, Erd
nüsse u. dgl.) sind als Verfälschung anzusehen.
Gänzlich aus derartigen Mandelersatzstoffeh