Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Mohn 
282 
Molken 
den Kamelotts nicht besteht. Das Mohairgarn 
wird auch sehr häufig als Schußgarn verwebt 
und gibt in Verbindung mit Kammgarn, Baum 
wolle, Alpaka und Seide eine große Zahl ver 
schiedener Stoffe, die hauptsächlich in England 
(Bradford, Manchester) hergestellt werden. Außer 
dem befinden sich Fabriken in Frankreich, be 
sonders in Roubaix und Lille, in Deutschland 
in Chemnitz und Umgegend, Schlesien, Berlin, 
Gera und Weida, in Österreich im Reichenberger 
Bezirk. — Mohärspitzen sind schwarze Woll 
spitzen. 
Mohn (Mohnsame, Mohnsaat, lat. Semen 
papaveris, frz. Semence de pavot, engl. Poppy 
seeds) nennt man die kleinen Samen der Mohn 
pflanze, Papaver somniferum, die in ver 
schiedenen, hauptsächlich nach Farbe der Blüten 
und Samen unterschiedenen Sorten angebaut 
wird. In praktischer Hinsicht unterscheidet man 
oft Schließ-, Kopf- oder Dreschmohn, dessen 
Kapseln geschlossen bleiben, und Schüttei- oder 
Schüttmohn, bei dem sich zur Reifezeit die 
Löcher unter der Kapsel öffnen und den Samen 
ausfallen lassen, i hl Mohn wiegt 58 kg. Der 
Saatbedarf beträgt 4—8 kg für den Hektar, die 
Anbaufläche in Deutschland nur etwa 6500 ha, 
der Ertrag 13—20, meist aber nicht viel über 
16 hl, nebst 20—28 Zentner Stroh, welches sich 
nur zum Verbrennen eignet und von Bäckern 
gern gekauft wird. Der M. gedeiht am besten in 
leichten und mittleren Bodenarten. Er leidet 
von Krankheiten nur wenig (Schimmelpilze), 
um so mehr aber durch Vögel (Krähen, Meisen, 
Spechte), Mäuse, die Maden des Weißfleckrüß 
lers und des Mohnwurzelrüßlers, Engerlinge, 
Schnecken, verschiedene Blattläuse, Kohleulen 
und Mohngellenfnücken sowie durch Wind, 
Regen bei der Ernte und nasse Kälte. Der 
Mohn wird im August und September geerntet, 
in Bündel gebunden, zur Trockne in Puppen 
aufgestellt, darauf sofort in Kufen oder auf 
Tüchern ausgeschüttelt oder erst später ge 
droschen. Bei feuchtem Wetter wächst er leicht 
aus und läßt viel Samen ausfallen, weshalb 
manche bereits auf dem Felde die Köpfe ab 
schneiden. Nach der Farbe des M. unterscheidet 
man folgende beide Hauptsorten: Der weiße 
M. blüht weiß, hat weißlichen Samen und 
ist zum pharmazeutischen Gebrauch vorgeschrie 
ben. Der schwarze M. blüht rosa und hat 
schwärzliche oder blaugraue Samen. Verwendet 
werden die Mohnsamen außer zur Gewinnung 
des Mohnöls (s. d.), auch zu Emulsionen, als 
Vogelfutter und in Bäckereien zum Aufstreuen 
auf Gebäck. — Die unreifen Mohnköpfe (lat. 
Capita papaveris seu Fructus papaveris immaturi, 
frz. TStes de pavots, engl. Poppy heads) ent 
halten verschiedene narkotische Alkaloide utM 
werden zur Herstellung des Opiums (s. d.) und 
des Mohnsirups benutzt. Auch als Beruhigungs 
mittel für Kinder werden Mohnköpfe in der 
Volksmedizin oftmals verlangt. Ihrer schäd 
lichen Wirkungen halber sind sie aber dem 
freien Verkehr entzogen. 
Mohnöl (lat. Oleum papaveris, frz. Huile de 
pavot, Huile blanche, engl. Poppy oil, Poppy 
seed oil), das fette Öl der Mohnsamen, 
wird durch kalte Pressung in Menge von etwa 
40%, durch warme Pressung in einer Ausbeute 
bis zu 60 0/0 gewonnen, als ein blaßgelbes dünn 
flüssiges öl von angenehmem Geruch und Ge 
schmack. Es gehört zu den trocknenden Ölen, 
erstarrt bei — 18 bis — 20 0 und löst sich 
leicht in Äther und heißem Alkohol sowie in 
30 Teilen kalten Alkohols. Das spez. Gew. be 
trägt 0,920—0,935, die Jodzahl 130—140. Zur 
Herstellung des gebleichten M. setzt man das 
Öl mit Salzwasser der Einwirkung des Sonnen 
lichtes aus. Das M. bildet ein beliebtes Speiseöl 
und dient außerdem zur Herstellung von Sei 
fen, medizinischen Emulsionen und in der Ma 
lerei. Es muß in gut verschlossenen, vollen 
Flaschen kühl aufbewahrt werden. 
Moirös (gewässerte Zeuge) nennt man ver 
schiedene Gewebe aus Seide oder Wolle, die 
über ihre ganze Fläche, oder, wenn sie ein- 
gbwebte Figuren haben, auf dem dazwischen 
liegenden Grunde eine sog. Wässerung, einen 
wellenartigen Schimmer, zeigen, der nicht durch 
die Weberei bewirkt, sondern erst nachträglich 
durch Pressen hervorgebracht wird. Zum Moi- 
rieren läßt man in der Regel zwei Stücke 
Zeug, mit den rechten Seiten aufeinandergelegt, 
noch feucht zwischen zwei heißen, scharf pres 
senden und glättenden Walzen langsam hindurch 
gehen. Bei Stoffen mit Damastfiguren wird aber 
nur ein Stück, zusammen mit einem Drucktuch 
auf einmal durchgeführt, wobei lediglich der 
härtere Grund das Moirö annimmt, während 
die atlasartigen Figuren wegen ihrer größeren 
Weichheit unverändert bleiben. Die zum Moi- 
rieren bestimmten Zeuge haben in ihrer Kette 
immer viel stärkere Fäden als im Schuß, und 
die letzteren, die in den beiden aufeinander 
gepreßten Stücken nicht vollkommen parallel 
liegen, sondern sich vielfach unter sehr spitzen 
Winkeln kreuzen, sind die eigentliche Ursache 
der Erscheinung. An den Übergangsstellen ist 
die Zeugdicke am größten. Hier entsteht also 
der stärkste Druck, wodurch sich die Spiegel 
bilden. Durch verschiedene Mittel kann man 
das Aussehen der Wässerung abändern, Läßt 
man z. B. das Zeug vor dem Eintritt in die 
Walzen über die Kante einer oder zweier Schie 
nen schleifen, die wellenförmig angeschnitten 
sind und in entgegengesetzter Richtung hin und 
her bewegt werden, so ergeben sich verschiedene 
Spannungen und Richtungen der Fäden, und 
somit andere Wirkungen, als beim glatten Ein 
lauf des Stoffes. Man unterscheidet hiernach 
namentlich Moirö antique mit Musterung, 
die sich über größere Flächen verbreitet, und 
Moird frangais mit streifenförmiger Muste 
rung. Die besonders in England, Holland, 
Italien und Frankreich, später aber auch in 
Wien, Annaberg, Krefeld, Chemnitz hergestellten 
M. werden zu Möbelbezügen, Damenkleidern, 
Bändern u, dgl. benutzt. 
Moleskin ist die in England gebräuchliche 
Bezeichnung für feine Westenstoffe, die auf 
baumwollenem Grunde Muster aus feinster Wolle 
haben. Vielfach versteht man darunter auch 
einen feinen, dichten, gerauhten und geschore 
nen Barchent, 
Molken (Wedicke, Schotten, Sinte, Käse 
milch) nennt man den Rückstand bei der Her 
stellung von Käse aus Milch oder Magermilch, 
welcher der Hauptsache nach aus Wasser und
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.