Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Morisons Pillen 
284 
Moschus 
entgiftend zu wirken. Die Brühe muß fort 
gegossen werden. Bei gut getrockneten Lor 
cheln ist diese Maßregel weniger von Bedeutung, 
da das Gift durch mindestens vierwöchentliches 
Trocknen zerstört wird. 
Morisons Pillen. Die mit I bezeichneten 
Pillen erwiesen sich bei einer im Dresdner Unter 
suchungsamt ausgeführten Prüfung als ein Ge 
misch von Tubera jalapae und Radix althaeae 
mit Aloe, Jalapenharz und Gummigutti. Probe II 
bestand im wesentlichen aus Sennesblättern und 
Aloe, war hingegen frei von Kolchizin und Kolo 
quinten. 
Morphium (Morphin, lat. Morphium, Mor- 
phinum, frz. und engl. Morphine), das wichtigste 
der im Opium enthaltenen Alkaloide, wird 
fabrikmäßig aus dem Opium dargestellt, welches 
davon io—11 o/o enthält. Nach dem älteren Ver 
fahren zieht man Opium mit heißem Wasser 
unter Zusatz von etwas Salzsäure aus, kocht die 
eingedampfte Lösung mit Kalkmilch, filtriert und 
kocht von neuem mit Ammoniumchlorid, bis kein 
Ammoniak mehr entweicht. Das ausgeschiedene 
M. wird in das salzsaure Salz übergeführt, letz 
teres umkristallisiert, mit Ammoniak zerlegt und 
die freie Base aus Alkohol umkristallisiert. 
E. Merck extrahiert das Opium mit kaltem 
Wasser, fällt das M. mit Soda, reinigt es durch 
Waschen mit verdünntem Weingeist und löst es 
in Essigsäure. Die Lösung wird zur Entfärbung 
mit Tierkohle gekocht, mit Ammoniak gefällt, 
und das freie M. aus Alkohol umkristallisiert. 
Nach dem dritten Verfahren von Robertson- 
Gregory wird der mit heißem Wasser erhaltene 
Opiumauszug mit Marmorpulver eingedampft, 
darauf mit Kalziumchlorid gekocht und filtriert. 
Die sich aus dem Filtrate beim Eindampfen 
ausscheidenden Kristalle werden abgesaugt, das 
M. mit Ammoniak gefällt und weiter gereinigt. 
— Reines M. besteht aus färb- und geruchlosen, 
stark bitter schmeckenden Kristallen, die bei 
iio° wasserfrei werden und bei 230 0 schmelzen. 
Es ist in Wasser und den meisten organischen 
Flüssigkeiten sehr schwer löslich, wird. aber 
leicht von wäßrigen Alkalien aufgenommen. 
Zur Isolierung in forensischen Fällen schüttelt 
man die ammoniakalische Lösung mit heißem 
Amylalkohol aus. Abgesehen 'von den allgemei 
nen Alkaloidreaktionen zeigt das M. folgende 
charakteristische Eigenschaften: Aus Jodsäure 
macht es Jod frei, das beim Schütteln mit 
Chloroform mit violetter Farbe in Lösung geht. 
In konzentrierter Salpetersäure löst es sich mit 
blutroter, später gelb werdender Farbe. Mit kon 
zentrierter Schwefelsäure übergossen, nimmt es 
in einer Formaldehydatmosphäre eine violette 
Farbe an. — Das reine M. wird wegen seiner 
geringen Löslichkeit nur selten therapeutisch 
verwandt, sondern zu diesem Zwecke meist in 
Salze übergeführt. Die größte Bedeutung haben: 
das salzsaure M. (Morphinum hydrochlo- 
ricum seu muriaticum), das essigsaure M. 
(Morphinum aceticum) und das Schwefel- 
saure M. (M. sulfuricum), gut kristallisierende 
Salze, die in Form ihrer wäßrigen Lösung als 
schmerzstillende und schlafbringende Mittel inner 
lich und in Form von Injektionen angewandt 
werden. Neben ihnen finden sich noch wein 
saures, milchsaures, valeriansaures M. und andere 
Salze im Handel. Sämtliche Morphinsalze sind 
starke Gifte und dürfen in Apotheken nur gegen 
ärztliche Verordnung abgegeben werden. 
Morsellen sind Zuckerwaren, die ursprünglich 
nur in Apotheken bereitet, später aber auch von 
Konditoren in den Handel gebracht wurden. Sie 
bilden länglich-viereckige, tafelförmige Stücke 
von verschiedenem Aussehen und bestehen aus 
Zucker, den man nur bis zur Flugprobe ge 
kocht und mit verschiedenen Gewürzen, äthe 
rischen ölen usw. aromatisiert hat. Es gibt 
daher sehr viele Sorten, mit Ingwer-, Vanille-, 
Ananas- und Himbeergeschmack sowie solche, 
die in der Zuckermasse zerschnittene Mandeln, 
Pistazien, Nüsse u. dgl. enthalten. Die Ware 
wird kiloweise, oder in feine Kästchen von 100 
bis 500 g Gewicht verpackt, verkauft. 
Moschus (Bisam, frz. Muse, engl. Musk) ist 
ein Sekret des männlichen Moschustieres, 
Moschus moschiferus L., eines den .Hir 
schen verwandten, ungehörnten, zierlichen Tie 
res, das in den Hochgebirgen des östlichen 
Asiens, im Himalaya, in Tibet, Tonkin, Sibirien 
und der Tatarei in einer Höhe von 1000—2000 m 
lebt und auf dem Bauche, zwischen Nabel und 
Rute, einen drüsigen, als Moschusbeutel be 
zeichneten Behälter trägt. Den nur selten in 
Rudeln, meist vereinzelt vorkommenden Tieren 
werden sofort nach dem Fang in Schlingen oder 
der Erlegung auf der Jagd die Beutel nebst 
der zugehörigen Bauchhaut ausgeschnitten und 
an der Luft oder auf heißen Kaminen getrock 
net. Der bis 6 cm lange,' 3 cm breite, 4—5 cm 
hohe Beutel ist auf der dem Bauche zugewandten 
Seite flach und kahl, auf der nach außen ge 
kehrten Seite gewölbt und mit dicken, steifen 
Haaren besetzt. Die konvexe Seite besitzt zwei 
Öffnungen, die Beutelöffnung und ein durch die 
Muskelhaut verlaufendes Loch für die Rute. 
Innerhalb der aus mehreren Häuten, einer äuße 
ren muskulösen und einer inneren dünnen be 
stehenden Wandung befindet sich der M., der 
im frischen Zustande teigig und rötlichbraun ist, 
später aber trocken und krümlig wird. Der noch 
in den Beuteln eingeschiossene M. gelangt unter 
der Bezeichnung Moschus in vesicis, der aus 
den Beuteln herausgenommene als Moschus ex 
vesicis in den Verkehr. Für den Handel 
kommen besonders zwei Sorten von Moschus: 
tonkinesischer und kabardinischer M. in 
Betracht. Der Tonkin-M., tibetanische M., 
chinesische M., die beste, allein offizineile 
Sorte, stammt aus Tonkin und der chinesischen 
Provinz Szechuan und wird über Kanton nach 
England und Deutschland ausgeführt. Die Ori 
ginalpackung erfolgt in länglich viereckigen 
Kästchen, sog. Catties, von etwa 20 cm Länge 
und 9—ti cm Breite und Flöhe, die innen mit 
Bleifolie ausgelegt, außen mit Papier oder Seide 
umhüllt sind und je 25 in zartes bedrucktes oder 
bemaltes Papier eingewickelte Beutel enthalten. 
Die Kästchen werden in mit Zink ausgeschlage- 
nen Holzkisten verpackt und gelangen so nach 
Europa. Die zwei kleine Öffnungen tragenden 
Beutel sind stumpfkantig, rundlich oder läng 
lich, auf der Haarseite stark gewölbt, auf der 
Hautseite flach, 3—4,5 cm dick, bis 3 cm hoch 
und 15—45 g schwer. Die Haare der konvexen 
Seite sind glatt anliegend, gegen die Mitte ge
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.