Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Nährsalze 
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Nahrungsmittel 
liehen Proteinnährmitteln, welche das Ei 
weiß in unveränderter Form, nur in isoliertem 
Zustande, enthalten. Sie werden aus billigen 
pflanzlichen und tierischen Stoffen, Weizen 
kleber, Abfällen der Fleischereien u. dgl. durch 
Entfetten und durch Bleichen, sei es mit Wasser 
stoffsuperoxyd oder auf andere Weise herge 
stellt und sollen z. T. dazu dienen, den Ei 
weißmangel in der Nahrung der ärmeren Be 
völkerungskreise auszugleichen. Daß sie hier 
für meist zu teuer sind, ist in einigen der be 
sonderen Aufsätze über Plasmon, Roborin, So- 
son, Tropon näher ausgeführt worden. 
Nährsalze. Die von einigen Ärzten vertretene 
Anschauung, daß der menschliche Organismus 
ganz allgemein an einem Mineralstoffmangel 
leide, hat zur Entstehung sog. Nährsalze ge- 
tührt, welche den Menschen, ganz gleichgültig, 
ob sie gesund oder krank sind, zum Kauf an- 
geboten werden. Am bekanntesten sind die 
Lahmannschen Pflanzennährsalze, welche 
aus Extrakten von Vegetabilien (Obst, Ge- 
'nüsen) bestehen sollen und sonach die Mineral- 
Stoffe in organischer Bindung an Äpfelsäure, 
Weinsäure oder Zitronensäure enthalten. Im 
Gegensatz zu diesen, welche immerhin auf einer, 
wenn auch bestrittenen, wissenschaftliche# An 
schauung beruhen, stellen die meisten übrigen 
Nährsalze willkürlich zusamraengeworfene Mi 
schungen von Mineralstoffen ohne jede wissen 
schaftliche Grundlage dar. Insbesondere be 
stehen die zahlreichen Präparate des sog. Physio 
logen Julius Hensel zum Teil bis zur Hälfte 
aus Kochsalz und enthalten vielfach sogar ge 
wöhnliche Infusorienerde (Kieselgur). Ohne die 
Bedeutung der Mineralstoffe für die Ernährung 
lr gendwie zu verkennen, wird man doch im 
^Ifgemeinen die Zufuhr von Nährsalzen als 
zwecklos bezeichnen können. Eine sachgemäß 
Zusammengesetzte Nahrung enthält hinreichende 
Mineralstoffmengen für den gesunden Organis 
mus, und für den Kranken muß der Arzt von 
vall zu Fall das passende Mittel auswählen. 
Naftalan (Nafalan) besteht aus einer Lösung 
von 3—40/0 Seife in gewissen Rückständen der 
e troleumdestilIation und bildet eine dunkel- 
Sefarbte salbenartige Masse, die erhebliche 
fangen Wasser aufzunehmen vermag und gegen 
er brennungen und Hautkrankheiten Verwen- 
1 u Ug findet. 
j, Nahrungsmittel nennt der Chemiker die zur 
-öiährung des menschlichen Körpers geeig- 
zusammengesetzten Stoffe, wie Fleisch, 
‘mich, Brot, Gemüse, während er ihre einzel- 
i e u Bestandteile als Nährstoffe bezeichnet. 
, as Nahrungsmittel Fleisch besteht z. B. aus 
en Nährstoffen Wasser, Eiweiß und Fett ; die 
^ *ch aus Wasser, Kasein, Fett und Milch- 
•Ucker usf. Das alltägliche Leben und die 
cclüsprechung macht diesen Unterschied im 
gemeinen nicht, sondern betrachtet als Nah- 
jJUgsmittel alle Stoffe, welche — sei es in 
, ster oder flüssiger Gestalt — der Ernährung 
er s menschlichen Körpers dienen. In diesem 
g^Weifgftgjj si nne w ürden also auch Butterfett, 
Stoff ’ ^ ucker > welche der Chemiker als Nähr- 
r(1 * e bezeichnet, Nahrungsmittel sein. Die Nah- 
ik r können nach ihrem Ursprung und 
er Zusammensetzung in verschiedene Gruppen 
eingeteilt werden. Nach dem ersten Gesichts 
punkt unterscheidet man animalische (dem 
Tierreiche entstammende) und vegetabilische 
N., von denen die ersteren, als meist leichter 
verdaulich, höher bewertet werden. Für die 
Zusammensetzung kommen hauptsächlich drei 
Gruppen von Bestandteilen in Betracht; Stick-' 
stoffhaltige oder Proteinstoffe (Eiweißver 
bindungen),F ette und Kohlenhydrate (Stärke 
und Zucker), von denen die ersteren, wertvollsten, 
als fleisch- und blutbildende oder plastische, 
die letzteren als kraft- und wärmebildende, oder 
Respirationsmittel bezeichnet werden. Von 
den animalischen N. ist die Milch, welche Ei 
weiß, Fett und Zucker enthält, als ein Univer 
salnahrungsmittel anzusehen. Fleisch, Käse, Eier 
sind hauptsächlich Protein-N.; Butter, Talg, 
Schweineschmalz fetthaltige Nahrungsmittel. Die 
vegetabilischen N. zeichnen sich demgegenüber 
durch ihren Gehalt an Köhlenhydraten, aus. 
Kartoffeln bestehen fast nur aus Stärke, Brot 
und Hülsenfrüchte enthalten daneben noch er 
hebliche Mengen Stickstoffsubstanzen. Als fett 
haltige Vegetabilien sind Oliven, Erdnüsse, 
Sesam u. a. zu erwähnen. Außer den N. nimmt 
der Mensch noch eine große Zahl anderer Stoffe 
zu sich, welche zwar nicht direkt den Zwecken 
der Ernährung, d. h. dem Stoffersatz und -an- 
satz sowie der Wärme- und Krafterzeugung 
dienen, welche aber doch zu seinem Wohlbefin 
den unentbehrlich sind: die Genußmittel. Zu 
ihnen gehören die Gewürze, die alkoholischen 
Getränke (Wein, Bier, Branntwein) und die 
narkotischen Genußmittel (Kaffee, Tee, Tabak, 
Mat4). Auf der Grenze zwischen Nahrungs 
und Genußmitteln stehen zahlreiche Stoffe, 
welche zwar einen gewissen, wenn auch ge 
ringen Gehalt an Nährstoffen aufweisen, haupt 
sächlich aber wegen ihres Gehaltes an diäte 
tisch wirkenden, anregenden Bestandteilen ge 
nossen werden, wie Fruchtsäfte, Obst, Kakao 
und gewisse Gemüse. — Im Hinblick auf die 
außerordentliche volkswirtschaftliche Bedeutung 
einer einwandfreien Ernährung ist der Verkehr 
mit Nahrungs- und Genußmitteln gesetzlich ge 
regelt worden. Die für Wein, Butter u. a. er 
lassenen Sondergesetze sind in besonderen Ka 
piteln besprochen worden. Es seien daher hier 
nur einige Mitteilungen über das allgemeine 
Gesetz betr. den Verkehr mit Nahrungsmitteln, 
Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen vom 
14. Mai 1879 angefügt. Nach § 10 dieses Ge 
setzes ist es verboten, Nahrungs- und Genuß 
mittel zum Zwecke der Täuschung im Handel 
und Verkehr nachzumachen oder zu verfälschen 
sowie verdorbene, verfälschte oder nachgemachte 
Nahrungsmittel untef Verschweigung dieses Um 
standes zu verkaufen oder unter einer zur Täu 
schung geeigneten Bezeichnuttg feilzuhalten. Als 
verfälscht haben Nahrungsmittel ‘zu gelten, 
welche durch Zusatz wertloser Stoffe oder durch 
Entnahme wertvoller Bestandteile verschlechtert 
worden sind, oder welchen der täuschende An 
schein einer besseren Beschaffenheit verliehen 
worden ist. Ein Zusatz von Wasser zu Milch 
oder Bier ist also ebensowohl eine Verfälschung, 
als die Abrahmung von Milch oder das Auslesen 
der besten Teile einer Rohdroge (Pfeffer) in 
der Absicht, den Rückstand als normalen Pfeffer
	        
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