Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Nalizin

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Naphthol

i

zu  verkaufen.  Eine  Verfälschung  liegt  aber
auch  vor,  wenn  man  Wassernudeln  durch  Zusatz ­
  von  gelber  Farbe  den  Anschein  von  Eiernudeln, ­
  blassem  Himbeersirup  durch  Rotfärbung
das  Aussehen  bester  Ware,  blauer  Milch  durch
Mehlzusatz  den  Anschein  höheren  Fettgehaltes
verleiht.  Nachgemacht  sind  die  Erzeugnisse,
welche  auf  künstlichem  Wege  nachgebildet  sind,
nur  den  Schein,  aber  nicht  das  Wesen  und  den
Gehalt  der  echten  Ware  haben,  also  z.  B.
Zitronensaft,  der  aus  Zitronensäure,  Essenzen,
Zucker  und  gelber  Farbe  hergestellt  worden  ist.
Verfälschte  und  nachgemachte  Nahrungsmittel
dürfen  nur  dann  in  den  Verkehr  gebracht
werden,  wenn  ihre  Bezeichnung  jeden  Käufer
über  diesen  Tatbestand  aufklärt.  Dasselbe  gilt
vom  Verkaufe  verdorbener  Waren,  die  infolge
einer  Verunreinigung  oder  der  Tätigkeit  von
Mikroorganismen  in  teilweise  Zersetzung  übergegangen ­
  sind,  also  ranziger  Butter,  saurem
Bier,  madigem  Käse,  Falls  aber  die  Zersetzung
so  weit  vorgeschritten  ist,  daß  die  Nahrungsmittel ­
  gesundheitsschädlich  zu  wirken  vermögen,
wie  z.  B.  faules  Fleisch,  oder  falls  sie  direkte
Gifte  enthalten,  ist  der  Verkauf  nach  §  12  auch
unter  Kennzeichnung  verboten.  Zur  Überwachung
der  gesetzlichen  Bestimmungen  ist  der  Polizei
das  Recht  eingeräumt  worden,  während  der
üblichen  Geschäftsstunden  in  die  Verkaufsräume
einzutreten  und  hier  nach  ihrer  Wahl  gegen
Bezahlung  Proben  zum  Zweck  der  amtlichen
Untersuchung  zu  entnehmen.  Nähere  Angaben
über  die  bei  einzelnen  Nahrungsmitteln  beobachteten ­
  Verfälschungen  finden  sich  in  den  betr.
Abschnitten.
Nalizin,  eine  Mischung  von  Nitroglyzerin,,
Thymol,  Formaldehyd,  Karbolsäure,  Kochsalz,
Kokain  und  verd.  Spiritus,  findet  in  der  Zahnheilkunde ­
  als  lokales  Anästhetikum  Anwendung.
Nanking  (frz.  Nanquin),  ein  chinesischer  Stoff,
ist  ein  leinenartiges  Baumwollgewebe  von
stärkerem  Glanz  als  Kattun,  das  früher  zu
Sommerkleidern  sehr  beliebt  war  und  wegen
der  Echtheit  seiner  gelbrötlichen  Farbe,  die  sich
durch  Waschen  sogar  noch  verschönerte,  geschätzt ­
  wurde.  Das  Nankinggelb  ist  an  sich  eine
Naturfarbe,  da  die  Stammpflanze,  Gossypium
religiosum,  gelbe  Wolle  trägt,  doch  wird  auch
die  naturgelbe  Faser  noch  nachgefärbt,  weil  die
ursprüngliche  Farbe  zu  grell  ist.  Die  in  China
durch  künstliche  Gelbfärbung  weißer  Baumwollzeuge
  hergestellten  N.  zeigen  geringe  Echtheit. ­
  Spätere  Nachahmungen  der  Ware  in
Europa,  die  besonders  in  Sachsen  und  Böhmen
durch  Färbung  weißer  Stoffe  mit  Eisenchloridlösung ­
  hergestellt  wurden,  zeigten  meist  Abweichungen ­
  im  Farbenton,  an  denen  sie  leicht
zu  erkennen  waren  sowie  geringe  Farbechtheit
und  Haltbarkeit.  Schließlich  wurde  der  Name
N.  auch  auf  anders  gefärbte  graue,  grüne  und
blaue  Stoffe,  die  sowohl  gestreift,  geflammt,
gemustert  als  auch  meliert  waren,  übertragen.
Zurzeit  hat  der  Bezug  der  chinesischen  Ware
so  gut  wie  aufgehört,  und  auch  an  Stelle  der
europäischen  Erzeugnisse  sind  schönere  Stoffe
mit  anderen  Namen  getreten..
Naphtha  ist  eine  alte  Bezeichnung  für  verschiedene ­
  Ätherarten,  also  Schwefelnaphtha
(N.  vjlrioli)  für  Äther  oder  Schwefeläther,

Essignaphtha  (N.  aceti)  für  Essigäther.
Außerdem  wird  sie  für  die  hellste  Sorte  Petroleum ­
  und  die  zuerst  übergehenden,  leicht  entzündlichen ­
  Petroleumdestillate  benutzt.  —  Solvent-Naphtha
  ist  Schwerbenzol  (siehe
Benzol).
Naphthalin  (Naphthylhy  drür,  Steinkohlenkampfer, ­
  frz.  und  engl.  Naphthaline)  J
ist  ein  fester  Kohlenwasserstoff,  C 10 H 8 ,  der
sich  bei  der  trockenen  Destillation  verschiedener
organischer  Körper  bildet  und  daher  vor  allem
im  Steinkohlenteer  enthalten  ist.  Hauptsächlich ­
  findet  es  sich  in  den  bei  180—230 0  übergehenden ­
  Anteilen  des  schweren  Teeröls,  aus
denen  es  sich  beim  Abkühlen  als  eine  butterartige ­
  kristallinische  Masse  ausscheidet.  Zur
Reindarstellung  werden  die  Kristalle  abgepreßt,
darauf  mit  Natronlauge,  weiter  mit  Schwefelsäure ­
  unter  Zusatz  von  etwas  Braunstein  behandelt, ­
  mit  Wasser  gewaschen  und  schließlich
sublimiert.  Das  reine  N.  bildet  glänzendweiße
tafelförmige  Kristalle  von  starkem  betäubenden
Geruch.  Es  schmilzt  bei  79  °,  siedet  bei  217  I
bis  218°  und  hat  ein  spez.  Gew.  von  1,152.
Weingeist,  Äther,  Schwefelkohlenstoff,  äthe-  I
rische  und  fette  Öle  lösen  N.  auf,  hingegen  ist  I
es  in^Wasser  unlöslich.  N.  kann  mit  Wasser-  I
dampl  leicht  überdestilliert  werden,  verflüchtigt  I
sich  aber  auch  schon  bei  gewöhnlicher  Tempe-  I
ratur  und  muß  daher  in  gut  verschlossenen  I
Glas-  oder  Blechgefäßen  aufbewahrt  werden.  —  I
N.  findet  ausgedehnte  medizinische  Anwendung
gegen  Krätze  und  Hautkrankheiten,  sowie  innerlich ­
  bei  Erkrankung  der  Atmungsorgane  und
gegen  Spulwürmer.  Für  die  Technik  bildet  es  i
das  unentbehrliche  Ausgangsmaterial  zur  Dar-  j
Stellung  der  Phtalsäure,  welche  wiederum  zur  I
Darstellung  der  Benzoesäure  und  der  prächtigen ­
  Resorzinfarben  (Fluoreszein,  Eosin)  dient,  I
ferner  der  Naphthalinfarben:  Bordeaux,  Pon-  1
ceau,  Orange,  Naphthalingelb  und  zahlreicher
organischer  Verbindungen,  Naphthol,  Naphthylamin
  usw.  Auf  seiner  Giftigkeit  für  niedere  Tiere  I
beruht  die  Anwendung  als  Mottenpulver,  zum  I
Konservieren  von  Herbarien  und  Insektensamro-  I
lungen.  Wegen  seines  hohen  Kohlenstoffgehalts
benutzt  man  es  zum  Karburieren  des  Leucht-  j
gases.
Naphthensäuren,  der  Hexahydrobenzoesäure  I
CgH^.COOH  isomere  organische  Säuren,  die  I
sich  im  russischen  Petroleum  vorfinden,  werden
in  Form  ihrer  Natriumsalze  als  Seifenersatz  I
empfohlen.
Naphthol.  Diesen  Namen  führen  zwei  orga-  j
nische  Verbindungen  von  gleicher  empirischer
Zusammensetzung,  C 10 H 7 OH,  aber  verschiedenen ­
  Eigenschaften,  welche  durch  die  Bezeichnung ­
  a  und  ß  unterschieden  werden.  Da 5  |
Alphanaphthol  besteht  aus  farblosen  Kristall'
nadeln  von  kreosotähnlichern  Gerüche,  die  b el  |
94 0  C.  schmelzen,  in  kaltem  Wasser  beinahe
unlöslich  sind  und  sich  in  heißem  Wasser,
nur  wenig,  dagegen  leicht  in  Alkohol  und  111
Äther  lösen.  Betanaphthol  bildet  kleine,  färb'
lose,  glänzende,  nahezu  geruchlose  Kristall'
blättchen,  die  erst  bei  122 0  C  schmelzen.  Beide
Naphthole  stehen  zu  dem  Naphthalin  in  ein  eh 1  j
ähnlichen  Verhältnisse,  wie  das  Phenol  (Karboj'
säure)  zu  dem  Benzol,  und  sind  als  alkohol'  |
            
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