Anime
Anthranilsäure
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sauren Kaliums auch Kaliumchromat, -perman- I
ganat, Bleisuperoxyd oder ein anderes Oxyda- 1
tionsmittel genommen werden. Der Farbstoff
selbst, der in allen bekannten Lösungsmitteln
anlöslich ist, kommt in Teigform in den Handel
und findet im Zeugdruck beschränkte Anwen
dung. Er ist gegen Alkalien wie Säuren nahezu
unveränderlich.
Anime (Flußharz, lat. Resina anime, frz.
Anim£, engl. Anime), ein früher offizinelles, jetzt
nicht mehr gebräuchliches Harz aus der Rinde
der in Westindien und Südamerika heimischen
Burserazee Hymenaea courbaril, bildet gelb
liche, leicht zerreibliche Stücke von schwach
aromatischem Geruch, welche beim Kauen weich
werden. Als ostindisches und afrikanisches A.
kommt ein Harz unbekannter Abstammung in
den Handel, welches eine rötlichgelbe Farbe
und abweichenden Geruch besitzt. A. wird zu
weilen mit dem Ko pal verwechselt, weil die
Engländer den Kopal Animi nennen, und findet
zu Räucherzwecken sowie bei der Herstellung
von Lack und Siegellack Anwendung.
Anis (Anissamen, Anisfrüchte, lat. Fruc-
tus anisi, frz. Anis vert, engl. Anige früits), die
Früchte der Anispflanze, Pimpinella Anisum,
welche in ganz Süd- und Mitteleuropa angebaul
wird, haben eine eiförmige Gestalt und bestehen
aus den noch nicht getrennten Teilfrüchtchen
der Pflanze. Sie sind grünlichgelb bis graugrün
und mit äußerst zarten, kurzen, angedrückten
Haaren bedeckt. An der Berührungsstelle er
scheinen die beiden Teilfrüchte flach, am Rücken
gewölbt. Ihren starken, aromatisch süßlichen
Geruch und Geschmack verdanken sie einem
ätherischen Öle (s. Anisöl), von dem je nach der
Sorte 2—6 o/o vorhanden sind. In Deutschland
wird A. hauptsächlich in der Gegend von Bam
berg, Erfurt, Gotha und Magdeburg angebaut,
außerdem liefern Spanien und Malta, haupt
sächlich aber Südrußland,, aus der Gegend von
Charkow, große Mengen. Als wichtigstes Ver
fälschungsmittel sind bislang neben Sand und
ähnlich aussehenden Früchten anderer Umbelli-
feren gedämpfte und extrahierte Anissamen be
obachtet worden, während der bis zu o/o be
tragende Gehalt der italienischen Ware an
Schierlingsfrüchten als eine zufällige Ver
unreinigung aufzufassen ist. Diese gefährliche
Beimengung läßt sich durch die Lupe sowie
durch den beim Zerreiben und Übergießen mit
Kalilauge auftretenden unangenehmen, betäu
benden Geruch nachweisen. Anis findet als Zu
satz bei verschiedenen Teespezies und Likören
sowie als Gewürz Verwendung.
Anisaldehyd, Paramethoxybenzaldehyd, CH a O.
C 6 H 4 .CHO, eine farblose, nach blühendem
Weißdorn und Kumarin riechende Flüssigkeit
vom spez. Gew. 1,123 und dem Siedepunkt 248°
wird durch Oxydation von Anethol dargestellt
und in der Parfümerie angewandt.
Anisöl (lat. Oleum anisi, frz. Essence d’anis,
engl. Oil of anise), das ätherische Öl des Anis,
aus dem es durch Destillation mit Wasserdampf
gewonnen wird, besitzt den eigentümlichen süß
lichen Anisgeruch und -geschmack in hohem
Grade, ist farblos bis gelblich und hat bei 20 °C
ein spez. Gew. von 0,980—0,990. Anisöl lenkt die
Ebene des polarisierten Lichts schwach nach
links ab («„ bis —2 0 ) und löst sich in 1,5 bis
3V0I. 900/oigen Alkohols. In der Kälte erstarrt
es zu einer schneeweißen, kristallinischen Masse,
die bei 15 0 oder darüber zu schmelzen beginnt
und sich bei 18—20 0 vollständig verflüssigt. Das.
Erstarren wird bedingt durch den Gehalt an
Anethol (s. d.), das etwa 900/0 des Anisöls aus
macht. Ein weiterer bemerkenswerter Bestand
teil ist das dem Anethol isomere Methylchavi-
col (Estragol), das ebenfalls anisartig riecht,,
aber nicht den süßen Anisgeschmack besitzt.
Als Destillationsmaterial dient hauptsächlich der
russische Anis; er wird teils in Rußland auf Öl
verarbeitet, teils zu diesem Zweck ausgeführt.
Anisöl ist mancherlei Verfälschungen ausgesetzt,
besonders häufig ist das Verschneiden mit
Fenchelöl oder Fenchelstcaropten, von dem aber
selbst kleine Mengen sich durch die Rechts
drehung verraten.
Anissäure (Methylparaoxybenzoesäure,.
lat. Acidum anisicum, frz. Acide anisique,
engl. Anisic Acid) ist identisch mit der U m-
bellasäure, Badian- und Dragonsäure
und entsteht durch Oxydation des Anisöls oder
des in ihm enthaltenen Anethols mit Schwefel
säure und Kaliumdichromat in Form farbloser
Kristalle, die bei 184° schmelzen und bei 275 bis
280° sieden. Sie löst sich in kaltem Wasser nur
wenig, leichter in heißem Wasser und sehr leicht
in Alkohol und Äther. A. findet als Antisepti
kum und Antirheumatikum medizinische An
wendung an Stelle der Salizylsäure, vor wel
cher sie den Vorzug hat, nicht ätzend zu wirken
und das Herz nicht zu schwächen.
Annaline (Annalith), Fabrikname für fein
gemahlenen Gips, wie er als Füllmaterial zu
weilen in der Papierherstellung verwandt wird.
Anthion, eine wäßrige Lösung von Kalium
persulfat, wird in der Photographie benutzt, um
die letzten, nicht mehr auswaschbaren Reste
von Fixiernatron aus Platten und Papieren zu
entfernen;
Anfhrachinon (Oxanthrazen, Anthraze-
nuse), C 6 H 4 (CO) 2 C 6 H 4 , wird durch Oxydation
des Anthrazens mit chromsaurem Kalium und
Schwefelsäure dargestellt und bildet gelbe, pris
matische Kristalle, welche unlöslich in Wasser
und wenig löslich in Alkohol, Äther und Benzol
sind. Mit kalter konzentrierter Schwefelsäure
gibt A. eine gelbe Lösung, aus welcher es durch
Wasser in weißen Flocken gefällt wird. Der
Schmelzpunkt liegt bei 275 0 C, doch fängt es
schon vorher an zu sublimieren. Das A. dient
zur Bereitung des künstlichen Alizarins.
Anthranilsäure, o-Amidobenz«esäure,. C c H t .
(NH 2 )COOH, entsteht beim Kochen von Indigo
mit Kalilauge und wird durch Behandlung von
Phtalimid mit unterchlorigsaurem Natrium oder
von Nitrotoluolsulfosäüre mit Alkalilauge und
nachfolgende Reduktion fabrikmäßig darge
stellt. Als Ausgangsmaterial dient die als Neben
produkt der Saccharinherstellung abfallende o-
Toluolsulfosäure. A. bildet farblose, in Wasser
und Alkohol leicht lösliche Nadeln vom Schmelz
punkt 145°, und findet zur Herstellung des künst
lichen Indigos praktische Anwendung. Ihr Me-
thylester bildet einen Bestandteil des Neroliöls
und dient zur Herstellung künstlicher Parfüms.