Neutralblau
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Nickelverbindungen
9 dm lang und armdick wird, ist grünlich, gelb
und braun marmoriert und mit zwei Rücken
flossen versehen. Sie hat ein besonders weißes,
fettes und festes Fleisch und gilt als Delika
tesse. Im Frühjahr geht der Fisch in den
. Flüssen und Nebenflüssen aufwärts und wird
dabei gefangen, am häufigsten in England und
der Bretagne. In geringerer Zahl kommt er
nach Deutschland in die Stromgebiete der Elbe,
Weser und des Rheins und gelangt dann in der
Regel frisch zum Verbrauch. Sonst ist seine
Zubereitung wie die der Flußbricken.
Neutralblau, ein seit 1882 im Handel vor
kommender Teerfarbstoff, wird durch Ein
wirkung von salzsaurem Nitrosodimethylani-
lin auf Phenylnaphthylamin erhalten und ist
Phenyldimethylparaamidonaphthazoniumchlorid.
Man erhält das N. als braunes, glanzloses, in
Wasser und Alkohol mit violetter Farbe lös
liches Pulver.
Neutralrot, ein Teerfarbstoff der Azinreihe,
besteht aus der Ghlorwasserstoffverbindung des
Dimethyldiamidotoluphenazins und wird durch
Kochen gleicher Moleküle Nitrodimethylanilin-
chlorhydrat und m-Toluylendiamin unter Luft
zutritt hergestellt. Das dunkelschwarzgrüne Pul
ver löst sich in Wasser mit roter, in konzen
trierter Schwefelsäure mit grüner Farbe, welche
beim Verdünnen mit Wasser durch Bläu in Rot
übergeht. N. färbt gebeizte Baumwolle rot
violett.
Neutralviolett, ein dem Neutralrot ganz ähn
licher, wie dieses 1879 entdeckter Farbstoff, be
steht aus der, Chlorwasserstoffverbindung des
Dimethyldiamidophenazins, (CH 8 ) 2 N . C 6 H 8 . N 2 .
C G H a .NH 2 . Das zum Niesen, reizende grünlich
schwarze Pulver löst sich in Wasser mit violett
roter Farbe und färbt gebeizte Baumwolle rot
violett.
Nickel, ein dem Kobalt nahe verwandtes und
meist in seiner Gesellschaft vorkommendes Me
tall der Eisengruppe, Ni = 55, findet sich in der
Natur nicht in gediegenem Zustande, sondern
nur in Form von Verbindungen. Am verbreitet
sten sind Verbindungen mit Schwefel und Arsen.
Das für Deutschland wichtigste Erz ist der
Kupfernickel oder Nickolit, der von den
Bergleuten seines Aussehens wegen für ein
reiches Kupfererz gehalten und aus Ärger über
die getäuschte Erwartung mit dem Schimpf
namen belegt wurde. Er ist ein mit etwas
Arsenkobalt, Eisen, Antimon und Schwefel ver
unreinigtes Arsen-Nickel. Von anderen Erzen
sind zu erwähnen der Nickelglanz oder
Arsennickelglanz (Nickel, Arsen, Schwefel),
Nickelspießglanz (Nickel, Antimon, Schwe
fel), Nickelkies, Nickelblende (Schwefel-
N.) und vor allem der Garnierit, ein völlig
Schwefel- und arsenfreies Nickel-Magnesium-
Silikat, das neuerdings in großen Massen von
Neukaledonien nach Frankreich eingeführt wird,
Die Gewinnung des N. geht vielfach Hand in
Hand mit der Herstellung des Kobaltblaus, und
insbesondere in Sachsen bedient man sich der
beim Smaltebrennen abfallenden Kobalt- oder
Nickelspeise, eines früher als unbrauchbar
weggeworfenen Abfallstoffes, der etwa 50 o/ 0 N.
enthält. Diese Halden oder sonstige Arsen-
Nickel-Erze werden geröstet und mit Zuschlägen
geschmolzen, wobei das Eisen in die Schlacke
geht. Die zurückbleibende Nickel-Kobalt-Speise
wird zur Entfernung des Kobalts mit Sand ge
glüht, darauf mit Soda und Salpeter totgeröstet,
und das Nickeloxydul mit Kohle reduziert.
Wesentlich einfacher ist die Verarbeitung des
Garnierits, der arsen- und schwefelfrei ist und
direkt mit Kohle und Zuschlag geschmolzen
werden kann. Die meist umständlicheren Ver
fahren auf nassem Wege beruhen auf der Aus
laugung der totgerösteten Erze mit Salz- oder
Schwefelsäure, Fällung des Arsens durch Ein
leiten von Schwefelwasserstoff und des Eisens
durch Kalzium- oder Natriumkarbonat. Eine
große Zukunft scheint endlich das Verfahren
von Mond zu haben, nach welchem die ge
rösteten Erze mit Kohlenoxyd auf 80 0 erhitzt
werden. Dabei geht das N. in Form einer Ver
bindung mit Kohlenoxyd (Nickelkarbonyl)
gasförmig über, das sich beim Abkühlen in
Vorlagen abscheidet. Das N. ist in reinem Zu
stande fast silberweiß, läßt sich leichter als
Eisen schmelzen und hat gegossen ein spez.
Gew. von 8,3, gehämmert ein solches von 8,9.
Es ist bei Rotglut hämmer- und streckbar, läßt
sich schweißen, in dünne Bleche walzen und
zu dünnen Drähten ausziehen und zeigt poliert
einen schönen, dauerhaften Glanz. Im Handel
erscheint das N. meist in Form kleiner Würfel
von 1 cm Seitenlänge (Würfelnickel), die viel
fach noch Kupfer und Eisen enthalten, oder
als gepreßter Nickelschwamm, als granu
liertes N,, in gerissenen Scheiben wie Kupfer
und in Form von Barren oder Mulden. Das
reine Nickel dient zur galvanischen Vernick
lung von Eisen, Stahl, Messing und Zink, oder
zum Plattieren oder zur Plerstellung von ganz
aus Nickel bestehenden Geräten. Die letzteren
sind ebenso wie die vernickelten außerordent
lich haltbar, da sie nicht nur gegen Luft und
Wasser, sondern auch gegen Schwefelwasser
stoff und verdünnte Säuren große Widerstands
fähigkeit zeigen. Die größte Bedeutung hat das
N. in Form seiner Legierungen: Ncusilber,
Argentan, Alpaka, Alfenide und Packfong, die
aus Kupfer, Nickel und Zink bestehen und in
versilbertem Zustande als Chinasilber oder
Christofle bezeichnet werden. Legierungen von
Kupfer und N. allein finden als Scheidemünzen
in vielen Staaten Anwendung. Die deutschen
5- und 10-Pfennig-Stücke enthalten 75% Kupfer
und 250/0 Nickel; ebenso die belgischen und
amerikanischen Münzen. Der mit Hilfe von
etwas N. hcrgestellte Nickelstahl dient wegen
seiner außerordentlichen Härte und Zähigkeit
zur Herstellung von Panzerplatten und Kugel
lagern. Die Salze des N. sind giftig, s.
N ickelverbindungen.
Nickelverbindungen. Von Nickel Verbin
dungen kommen für den Handel hauptsächlich
folgende in Betracht: 1. Nickelammoniumsul
fat (schwefelsaures Nickeloxydulammo
niak, lat. Niccolum sulfuricum ammoniatum, frz.
Sulfate d’ammoniaque de nickel, engl. Sulfate of
ammonia of nickel) wird dargestellt durch Auf
lösung von Nickelkarbonat in verdünnter Schwe
felsäure und Vermischen mit einer verdünnten
Lösung von Ammoniumsulfat. Das ausfallende
grüne Kristallsalz, Ni/NH^SOJ,, ist in kaltem